Tipp - Virenscanner

aus SecuPedia, der Plattform für Sicherheits-Informationen

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Virenscanner ist die veraltete Bezeichnung für Virenschutzsoftware und weist noch auf die ursprüngliche Funktionsweise der Signaturerkennung hin. Moderne Virenschutzsoftware arbeiten zusätzlich auch mit Verhaltens- und Anomalieerkennung sowie zusätzlichen Funktionen (beispielsweise Aufbrechen von verschlüsselten Datenströmen per SSL-Gateway, Sandboxing) und schützen insgesamt vor Malware.

Der Einsatz einer Virenschutzsoftware hängt zum größten Teil von dem Nutzerverhalten im Internet ab. Solange nur auf eher unkritischen Webseiten gesurft wird, ist die Gefährdungslage gering. Sofern dies aber nicht zutrifft, sensible Daten ins Internet übertragen werden oder Onlinebanking genutzt wird, steigt entsprechend das Bedrohungspotential. Der sicherste Virenschutz ist immer ein aktuelles malwarefreies Backup. Ansonsten kann man, neben der Vorsorge per Virenschutzsoftware, auch durch ständiges Updaten seiner Software einen hohen Sicherheitseffekt erzielen. Dieses ist allerdings nur für versierte Nutzer geeignet.

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Für den im stationären Einsatz in aktuell über 80% der Fälle verwendeten Windows-PC sollte der Einsatz einer Virenschutzsoftware Pflicht sein. Schon allein Haftungsgründe sprechen dafür, da im deutschen Recht immer öfter der Einsatz einer Antiviren-Software als "Stand der Technik" gefordert wird. Eigentlich liefert das Windows-Betriebssystem mit seinem Defender eine eigene Virenschutzsoftware mit. Im Windows Defender Security Center werden dazu beim akuellen Windows 10 alle Sicherheitsfunktionalitäten gebündelt. Zwischenzeitlich erkennt der Windows Defender sogar den FinFisher-Staatstrojaner. In 2018 wurde dem Produkt nun eine Gleichwertigkeit zu kommerzielle Antivirensoftware bescheinigt. Ein versierter Nutzer kann also, sofern er zusätzlich auch nur mit den aktuellsten Patchen ausgestattete Software verwendet und eher unkritisch surft, auf den Einsatz einer anderen kommerziellen Virenschutzsoftware verzichten. Dieser Rat gilt analog auch für den Einsatz einer häufig anzutreffenden Freeware-Abart kommerzieller Virenschutzsoftware. Ansonsten sollte man sich für eine kommerziellen Virenschutzsoftware entscheiden, die allerdings in letzter Zeit durch Qualitätsprobleme und Verursachens eigener Sicherheitsprobleme etwas ins Gerede gekommen ist.

Beim immer weiter steigenden Smartphone-/Tablet-Einsatz hängt hier die Sicherheit zunächst einmal grundlegend von Möglichkeiten ab, zusätzliche Software (ob gut- oder bösartig) zu installieren. Bei geschlossenen Plattformen (iOS, Windows Phone) kann man im Normalfall nur von definierten Quellen (den hauseigenen Stores von Apple und Microsoft, die natürlich überwacht werden) Apps installieren. Die Gefahr einer Malwareinfektion ist deshalb gering, eine extra Virenschutzsoftware derzeit nicht erforderlich. Es sollte jedoch die Update-Funktion für die Apps im Smartphone aktiviert bleiben.

Bild: Googles Play Protect

Bei der offenen Android-Plattform kann man im Gegensatz dazu von verschiedensten Quellen Apps installieren. Wenn man Apps nur aus seriösen Quellen (Google Play Store, Amazon-Appstore oder APKmirror) bezieht, sollte ebenfalls keine extra Virenschutzsoftware erforderlich sein. Wer allerdings häufig Apps von unseriösen Webseiten herunterlädt und installiert, hat ein großes Risiko, sich Viren oder Malware einzufangen. Hier kann der Einsatz einer Virenschutzsoftware sinnvoll sein. Allerdings sind Virenscanner unter Android lange nicht so wirkungsvoll und effizient wie beim Windows-PC. Der Kern und die Dienste des Android-Betriebssystems sind abgeschottet und nur über bereitgestellte Schnittstellen erreichbar. Ein direkter Zugriff der Apps auf das Betriebssystem ist damit ausgeschlossen. Einer Android-Virenschutzlösung ergeht es dabei keineswegs anders, da auch diese Anwendung als User-App installiert wird. Deshalb können Virenscanner niemals das gesamte System scannen. Oftmals überwachen sie nur das lokale User-Dateisystem, die laufenden Anwendungen und Downloads. Häufig werden auch Android-Apps als Virenschutz für Android (meist als Freeware) angeboten, die das Überprüfen von App-Berechtigungen als Hauptfunktion bzw. auch als einzige Funktion anbieten. Diese verdienen nicht einmal die Bezeichnung als „Anti-Malware-Scanner“ oder „Antiviren-Scanner“.

Ein Zwischending ist die im Herbst 2017 von Google per Update-Dienst verteilte App "Play Protect". Sie vereint die bekannten Schutzfunktionen Safe Browsing (über den Browser Chrome per URL-Kontrolle in der Google Cloud) und die Ortung verlorengegangener Geräte mit einem Malwareschutz. Dieser Malwareschutz kontrolliert, wie schon früher separat auch, die Liste der installierten Apps und fragt bei unbekannten Installationen in der Google Cloud nach. Ein vollwertiger Scan des Dateisystems wird dagegen nicht vorgenommen, so ist dann auch die Malware-Erkennungsrate eher bescheiden und realisiert nur einen Basisschutz.

Aus Sicherheitssicht sollte Onlinebanking per Smartphone, wenn überhaupt, nur mit Betriebssystemen aus der Kategorie der geschlossenen Plattformen (iOS, Windows Phone) erfolgen. Allenfalls bei ausschließlicher Verwendung o.a. seriöser App-Quellen kann ein Onlinebanking per Android-Smartphone erwogen werden. Völlig ungeeignet sind Smartphones mit eingerichteter Umgehung der Benutzerrestriktionen (Rooten, Jailbreak), da Angreifer auch die gleichen Möglichkeiten bekommen.


Weblinks


Siehe übergeordnete Stichworte


Siehe auch



Diese Seite wurde zuletzt am 30. März 2018 um 15:57 Uhr von Oliver Wege geändert.

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