Super-Recognizer

aus SecuPedia, der Plattform für Sicherheits-Informationen

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Menschen mit einem fotografischen Personengedächtnis werden als "Super-Recognizer" bezeichnet. Sie sind ausgesprochen gut darin, Gesichter wahrzunehmen. "Super-Recognizer" sind äußerst selten und aktuell in Sicherheitskreisen sehr gefragt, weil ihre Fähigkeiten auch einer maschinellen Gesichtserkennung weit überlegen sind.

Einen "Super-Recognizer" kann man hinter Fähigkeiten dieser Art vermuten:

  • Gesichter einmal kurz sehen und sie Jahre später wiedererkennen.
  • Personen auf Bildern mit schlechter Auflösung erkennen.
  • Eine Verbindung zwischen einem Kinderfoto und der Abbildung derselben Person als Erwachsener herstellen.

Erst seit 2009 werden "Super-Recognizer" und ihre Fähigkeiten wissenschaftlich erforscht. Die erste Studie auf diesem Gebiet wurde von Neurowissenschaftlern der Harvard-Universität an vier Menschen durchgeführt, die behaupteten, Gesichter überdurchschnittlich gut erkennen zu können. Diese Menschen hatten den Forschern zuvor erzählt, dass sie Menschen, die sie vor Jahrzehnten einmal gesehen hatten, ohne Probleme nach dieser Zeit wiedererkannt hätten.

Merkfähigkeit

Unter dem anderen Begriff der "Merkfähigkeit" versteht man die Fähigkeit von Menschen, aufgenommene Informationen über einen Zeitraum von etwa 10 Minuten (Wahrnehmungsgeschwindigkeit) im Gedächtnis zu behalten und wieder abrufen zu können. Man bezeichnet sie auch als kognitive Fähigkeit. Die Merkfähigkeit ist abhängig von unterschiedlichen Einflussfaktoren wie Stimmung, Wachheit, emotionaler Gehalt der zu merkenden Inhalte oder Erregungsniveau.

Menschen nehmen ein Bild bewusst wahr, wenn es mindestens 1/16 Sekunde lang unverändert angeboten wird. Folgen pro Sekunde 16 Bilder hintereinander, die sich vom vorherigen jeweils ein wenig unterscheiden, entsteht der Eindruck der Bewegtheit.


Einsatzmöglichkeiten

Dabei ist diese Fähigkeit der Gehirnleistung sehr nützlich. Immer mehr Polizeibehörden schaffen Spezialeinheiten, die aus solchen "Super-Recognizern" bestehen. Diese helfen den Beamten dabei, Verdächtige zu identifizieren, die zuvor am Tatort gesehen wurden, oder gesuchte Verbrecher auf Überwachungsvideos zu erkennen und so zu fassen. Als Beispiel sei an dieser Stelle das Oktoberfest in München genannt, "Super-Recognizer" aus London saßen in der Videoleitstelle. Auch in Köln halfen "Super-Recognizer" der Polizei dabei, die Vorgänge in der Silvesternacht 2015 aufzuklären und Videos sowie Bilder auszuwerten. Aktuell will die Polizei Hamburg im Zusammenhang mit der SoKo "Schwarzer Block" "Super-Recognizer" aus ihren Reihen rekrutieren.

Auch beim Forschungsprojekt DEFAKTOS der Bundespolizei wurden Mitarbeiter an Luftsicherheitskontrollstellen herausgefiltert, die diese Fähigkeiten aufwiesen. Man implementierte ihre Vorgehensweise in Schulungen und Seminare der Luftsicherheitsassistenten.

Mit einem Test, an dem 5.300 Beamte teilnahmen, ermittelte die Polizei in München 37 Personen, 13 Frauen und 24 Männer, die besonders gut in der Gesichtserkennung sein sollen. Hintergrund des Projekts ist, dass der Behörde aufgefallen war, dass es oft wenige, ganz bestimmte Beamte sind, die hauptsächlich Täter identifizieren.

Eine weitere Einsatzmöglichkeit: Die Leichenschau wird von Schweizer Ermittlungsbehörden (Polizei und Justiz) revolutioniert.  Das Verfahren, "Virtopsy" genannt, trägt dazu bei, die Wahrheit ans Licht zu bringen. Zum Beispiel in Zürich erfasst das Computertomogramm (CT) jedes noch so kleine Detail von Opfern einer Gewalttat,  eines Mordes oder Verkehrsunfalls. Das Ziel: Jede Verletzung, jede Auffälligkeit nach Art und Lage festzuhalten für spätere Ermittlungen oder als Vergleich des Modus Operandi  für ähnliche Deliktsarten. Dieses Verfahren soll  unterstützend für polizeiliche Ermittlungen und Gerichtsprozesse dienen. Denkbar ist auch der Einsatz für die Aus- und Fortbildung von Ermittlungspersonen zum Erkennen und Unfall- oder Gewaltverletzungen.

Für die folgenden Berufsgruppen könnte die Merkfähigkeit zur Optimierung der kognitiven Fähigkeiten trainierbar sein, jedoch sollte vorher ein Test mit Bildvorlagen durchgeführt werden:

  • Polizeibeamte
  • Sicherheitsmitarbeiter
  • Privatdetektive
  • Observanten
  • Disponenten in Leitstellen (Videoüberwachung)
  • Fahnder.


Verbreitung

Wissenschaftler in verschiedenen Ländern wollen herausfinden, wie viele "Super-Recognizer" es weltweit gibt und haben dafür Tests, wie den von Prof. Davis[1], entwickelt. Sie haben mittels dieser Methode noch einige weitere Personen mit dieser Fähigkeit gefunden.

Da sich nur so wenige Menschen Gesichter so gut einprägen können, kann die Wissenschaft bisher nicht sagen, woher die Fähigkeit eigentlich kommt. Die Forschungen geben zwar Hinweise darauf, dass das "Super-Erkennen" nichts mit einem guten Gedächtnis zu tun hat und nicht trainiert werden kann. Da die Studien aber immer nur mit extrem wenigen Teilnehmern durchgeführt werden konnten, ist das nicht wissenschaftlich stichhaltig. Die Forscher entwickelten Tests zur Diagnostik der Gesichtsblindheit und stellten dabei fest, dass es umgekehrt auch Personen gab, die ausgesprochen gut darin waren, Gesichter wiederzuerkennen.


Einzelnachweis

  1. Professor Josh P. Davis erforscht dieses Phänomen der extrem stark ausgeprägten Gesichtserkennung. Er lehrt Psychologie an der englischen Greenwich Universität und glaubt, dass nur zwei Prozent aller Menschen diese außergewöhnliche Fähigkeit besitzt. Die Fakultät der Psychologie hat diesen begabten Menschen den Titel "Super-Recognizer" gegeben.


Siehe auch



Diese Seite wurde zuletzt am 19. Januar 2019 um 17:34 Uhr von Klaus Kapinos geändert. Basierend auf der Arbeit von Peter Hohl.