Super-Recognizer

aus SecuPedia, der Plattform für Sicherheits-Informationen

Anzeige
Wechseln zu: Navigation, Suche

"Super-Recognizer" sind äußerst selten und aktuell sehr gefragt.

Einmal kurz ein Gesicht sehen und es Jahre später wiedererkennen. Ein Bild mit einer schlechten Auflösung betrachten und sofort wissen, wer darauf abgebildet ist. Ein Kinderfoto in der Hand halten und es unzweifelhaft einem Erwachsenen zuordnen können – manche Menschen sind ausgesprochen gut darin, Gesichter wahrzunehmen. Sie sind auch einer maschinellen Gesichtserkennung weit überlegen.

Erst seit 2009 werden "Super-Recognizer" und ihre Fähigkeiten wissenschaftlich erforscht. Die erste Studie auf diesem Gebiet wurde von Neurowissenschaftlern der Harvard-Universität an vier Menschen durchgeführt, die behaupteten, Gesichter überdurchschnittlich gut erkennen zu können. Diese Menschen hatten den Forschern zuvor erzählt, dass sie Menschen, die sie vor Jahrzehnten einmal gesehen hatten, ohne Probleme nach dieser Zeit wiedererkannt hätten.

Einsatzmöglichkeiten

Dabei ist diese Fähigkeit der Gehirnleistung sehr nützlich. Immer mehr Polizeibehörden schaffen Spezialeinheiten, die aus solchen "Super-Recognizern" bestehen. Diese helfen den Beamten dabei, Verdächtige zu identifizieren, die zuvor am Tatort gesehen wurden, oder gesuchte Verbrecher auf Überwachungsvideos zu erkennen und so zu fassen. Als Beispiel sei an dieser Stelle das Oktoberfest in München genannt, "Super-Recognizer" saßen in der Videoleitstelle. Auch in Köln halfen "Super-Recognizer" der Polizei dabei, die Vorgänge in der Silvesternacht 2015 aufzuklären und Videos sowie Bilder auszuwerten. Aktuell will die Polizei Hamburg im Zusammenhang mit der SoKo "Schwarzer Block" "Super-Recognizer" aus ihren Reihen rekrutieren.

Verbreitung

Wissenschaftler wollen herausfinden, wie viele "Super-Recognizer" es weltweit gibt und haben dafür Tests wie den von Prof. Davis entwickelt. Sie haben mittels dieser Methode noch einige weitere Personen mit dieser Fähigkeit gefunden. Professor Josh P. Davis erforscht dieses Phänomen der extrem stark ausgeprägten Gesichtserkennung. Er lehrt Psychologie an der englischen Greenwich Universität und glaubt, dass nur zwei Prozent aller Menschen diese außergewöhnliche Fähigkeit besitzt. Die Fakultät der Psychologie hat diesen begabten Menschen den Titel "Super-Recognizer" gegeben.

Da sich nur so wenige Menschen Gesichter so gut einprägen können, kann die Wissenschaft bisher nicht sagen woher die Fähigkeit eigentlich kommt. Die Forschungen geben zwar Hinweise darauf, dass das "Super-Erkennen" nichts mit einem guten Gedächtnis zu tun hat und nicht trainiert werden kann. Da die Studien aber immer nur mit extrem wenigen Teilnehmern durchgeführt werden konnten, ist das nicht wissenschaftlich stichhaltig. Die Forscher entwickelten Tests zur Diagnostik der Gesichtsblindheit und stellten dabei fest, dass es umgekehrt auch Personen gab, die ausgesprochen gut darin waren, Gesichter wiederzuerkennen.

Praxis bei der Polizei

Mit einem Test, an dem 5.300 Beamte teilnahmen, ermittelte die Polizei in München 37 Personen, 13 Frauen und 24 Männer, die besonders gut in der Gesichtserkennung sein sollen. Hintergrund des Projekts ist, dass der Behörde aufgefallen war, dass es oft wenige, ganz bestimmte Beamte sind, die hauptsächlich Täter identifizieren.

Bislang sind also noch viele Faktoren unklar. Wie aber lassen sich "Super-Recognizer" einsetzen? Die Fähigkeit ist natürlich immer dann wichtig, wenn es darum geht, Menschen auch unter schwierigen Bedingungen anhand ihrer Gesichter zu erkennen. Daher können "Super-Recognizer" zum Beispiel für die Auswertung von Überwachungsvideos bedeutsam sein, auf denen die Gesichter oft sehr körnig erscheinen. Aber auch in der Observation, im Anti-Terroreinsatz und auch im Veranstaltungsschutz sind Einsatzmöglichkeiten gegeben. Die Sicherheitsbranche sollte diese Entwicklung genau beobachten und prüfen, ob Schnittmengen vorhanden sind.

Siehe auch



Diese Seite wurde zuletzt am 12. Dezember 2018 um 10:10 Uhr von Peter Hohl geändert. Basierend auf der Arbeit von Klaus Kapinos.

Anzeigen