Schließmittel

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"Schließmittel sind Geräte, die dazu geeignet sind, bewegliche Bauwerksöffnungs-Abschlüsse, gegebenenfalls auch nach Ausfall von Fremdenergie, selbsttätig zu schließen."

"Selbstschließend ist die Eigenschaft des geöffneten Bauwerksöffnungs-Abschlusses, ohne Einwirkung von Fremdenergie bis zum Einrasten des Verschlusssystems selbsttätig zu schließen. Diese Eigenschaft wird für Bauwerksöffnungs-Abschlüsse mit besonderer Schutzwirkung (z.B. Feuerschutzabschlüsse, Rauchschutztüren) in den Bauordnungen der Länder bzw. in den entsprechenden Normen für Türen gefordert." (Definition nach DIN 4102 Teil 18).

Mögliche Geräte

Gebräuchliche Geräte sind

  • Federbänder
  • Türschließer mit hydraulischer Dämpfung
  • Kontergewichtsanlagen (Gegengewichtsanlagen)
  • Federseilrollen (in Federn gespeicherte Energie).

Weniger gebräuchlich sind

  • Hydraulik- und/oder Pneumatikspeicher.


Türschließer mit hydraulischer Dämpfung

Nach Anlage 3 zu den "Richtlinien für die Zulassung von Feuerschutzabschlüssen" sind Türschließer mit hydraulischer Dämpfung (= TS): "geeignet, Feuerschutz-Drehflügeltüren und -Wandklappen . . . mit Hilfe der Energie, die beim Öffnen in einer Feder gespeichert wird, aus jedem durch die Bauart des TS bedingten maximal möglichen Öffnungswinkel zu schließen. Die Schließbewegung ist mindestens in einem Winkelbereich von 45° bis 0° Öffnungswinkel gedämpft. Die Dämpfung ist regulierbar. Die TS sind mit Türflügel und Zarge fest verschraubt.

Die für das sichere Schließen erforderlichen Mindestschließmomente sind in Abhängigkeit von den Türflügelbreiten festgelegt. Sie bestimmen die Mindestvorspannung der Schließfeder. Die Vorspannung der Schließfeder ist fest eingestellt oder einstellbar. TS sind entsprechend ihrem Mindest-Schließmoment in Größen eingeteilt. Nach ihrer Zweckbestimmung werden folgende Bauarten unterschieden:

Obentürschließer (OTS)

In Normalmontage ist der TS mit seinem Gehäuse auf der Bandseite (Öffnungsseite) am oberen Flügelrande und mit seinem Gestänge an der Zarge verschraubt. Bei OTS mit Kurbeltrieb wird die Dämpfung erst ab etwa 45° Öffnungswinkel wirksam, bei OTS mit Zahntrieb aus jedem Öffnungswinkel.

Bodentürschließer (BTS)

Der BTS ist mit seinem Gehäuse oberflächenbündig in einen sogen. Zementkasten im Fußboden eingelassen. Ein Hebel überträgt die Momente auf die Unterkante des Türflügels."

Weitere Funktionen

Als Türschließer mit hydraulischer Dämpfung sind Geräte auf dem Markt, die neben der reinen Schließfunktion auch andere Funktionen ausüben, wie z.B.

  • Türschließer mit Öffnungsdämpfung
  • Türschließer mit Schließverzögerung
  • Türschließer mit Öffnungsautomatik
  • Türschließer mit Feststellvorrichtung
  • Türschließer mit Freilauf
  • Türschließer mit Schließfolgeregelung.

Zubehör

Eine ausführliche Beschreibung der Wirkungsweise der bei den verschiedenen Arten von Abschlüssen (Feuerschutzabschluss) zu verwendenden Schließmittel ist in DIN 4102 Teil 18 veröffentlicht. Hier sind auch weitere Zubehörteile angeführt und erläutert, die bei solchen Abschlüssen stets oder bauartbedingt benötigt werden, wie z.B.

  • Schließfolgeregler, Mitnehmerklappen, Schnappriegel, Treibriegelverschluss, Türöffner (Schlossfallenentriegelung), Impulsgeber, Steuerung, Sicherheitseinrichtungen bei Drehflügelabschlüssen,
  • Endlagendämpfer, Schließgeschwindigkeitsregler, elektromotorische Antriebe als Öffnungs- und / oder Schließhilfen bei Schiebetüren und -toren.

Norm-Anforderungen

In den Normen für Türschließer mit hydraulischer Dämpfung der Reihe DIN 18263 sind Leistungsanforderungen, Anwendungsbereiche (= Größen) und Anschlagmaße festgelegt sowie die Prüfungen beschrieben, die als Eignungsnachweis für die Bauart hinsichtlich Brandverhalten (als Teil einer Feuerschutztür), Schließ- und Öffnungsmoment, Verhalten bei Temperaturschwankungen, Schließzeiteinstellung und Dauerfunktionstüchtigkeit durchzuführen sind. Die TS nach diesen Normen lassen sich nicht direkt gegeneinander austauschen, da sie konstruktiv und funktionell stark voneinander abweichen.

Für Schließmittel, die keiner Norm entsprechen, muss die Eignung gesondert nachgewiesen werden.


Bauordnungs-Anforderungen

In den Bauordnungen der Länder der Bundesrepublik Deutschland und in anderen bauaufsichtlichen Rechtsvorschriften wird die Eigenschaft "selbstschließend" oder "selbsttätig schließend" für Feuerabschlüsse und Rauchschutztüren gefordert. Diese Abschlüsse können nur dann den erforderlichen Schutz bieten, wenn sie im Brandfall geschlossen sind. Um dies sicherzustellen, müssen "selbstschließende Abschlüsse" mit Schließmitteln ausgerüstet sein, die (im Brandfalle) mit gespeicherter Energie arbeiten, und zwar auch dann, wenn sie bei normaler Nutzung mit Fremdenergie betrieben werden.

Verwendungshinweise

Bei der Verwendung von Schließmitteln ist Folgendes zu beachten:

Federbänder

Drehflügeltüren dürfen nur dann mit Federbändern geschlossen werden, wenn das Flügelgewicht nicht größer als 80 kg ist (Verletzungsgefahr, mechanische Beanspruchung von Türblatt, Zarge und Verankerungen, Schließen aus kleinem Öffnungswinkel problematisch, Geräuschentwicklung). Mit Federband ausgerüstete Türen müssen auch für die Befestigung von Türschließern vorgerichtet sein.

Obentürschließer

Bei zweiflügeligen Türen dürfen OTS mit Kurbeltrieb nicht verwendet werden. (Schließbewegung wird erst zu spät gedämpft).

Wenn OTS nicht in Normalmontage, sondern in der sogen. Kopfmontage (auch Überkopfmontage genannt) angebracht werden soll, d.h. Gestänge auf der Gegenbandseite (Schließseite) am Türflügel, Schließergehäuse an der Zarge oder Wand befestigt, müssen die festgelegten Mindest-Schließmomente eingehalten werden und die Türkonstruktion muss für diese Montage vorgerüstet sein. Kopfmontage muss besonders gem. § 21 (1) MBO 2002 genehmigt werden, wenn nicht im Zulassungsbescheid für die Türbauart angeführt.

Bodentürschließer

Austausch gegen OTS nur eingeschränkt möglich, da BTS gleichzeitig das untere Lager des Türflügels bildet (anstelle des unteren Bandes). Nach Austausch müssen die Drehachsen fluchten.


Kombinationen

Alle Bauarten von Schließmitteln, die Überwachungseinrichtungen zur Erkennung von Bränden im Frühstadium (Feststellanlagen) enthalten oder mit Feststellanlagen kombiniert sind, bedürfen einer allgemeinen bauaufsichtlichen Zulassung. Solche Schließmittel sind z.B.:

  • Türschließer mit Öffnungsautomatik
  • Türschließer mit Feststellvorrichtung
  • Türschließer mit Freilauf
  • Türschließer mit Schließfolgeregelung
  • Schließeinrichtung der Rolltore
  • Öffnungs- und/oder Schließhilfen (elektrische Antriebe) für Schiebetore und für Hubtore.


Vorschriften

Genormte Schließmittel gehören zu den "geregelten Bauprodukten" im Sinne des § 17 (1) MBO 2002. In der Bauregelliste A Teil 1 ist in Tabelle 6 unter den lfd. Nr. 6.10, 6.11, 6.14 und 6.16 angeführt, dass der Übereinstimmungsnachweis durch Übereinstimmungszertifikat durch eine anerkannte Prüfstelle zu führen ist (= ÜZ).

Jedes Schließmittel muss mit dem bauaufsichtlichen Übereinstimmungszeichen ("Ü") dauerhaft gekennzeichnet sein. Einzelheiten der Kennzeichnung sind in den entsprechenden Normen bzw. Zulassungsbescheiden angegeben.

Für Bauarten von Schließmitteln, die Feststellanlagen enthalten oder mit Feststellanlagen kombiniert sind, sind in den Normen und allgemeinen bauaufsichtlichen Zulassungen weitere Forderungen angeführt, die die Abnahmeprüfung der betriebsfertig eingebauten Anlage und die monatliche Überwachung und Wartung durch den Betreiber betreffen.

Im einzelnen sind folgende Normen und Richtlinien zu beachten:

  • DIN 4102 Teil 18 - Brandverhalten von Baustoffen und Bauteilen; Feuerschutzabschlüsse; Nachweis der Eigenschaft "selbstschließend" (Dauerfunktionsprüfung) - (Ausgabe 3.1991)
  • DIN 18262 - Einstellbares, nicht tragendes Federband für Feuerschutztüren - (Ausgabe 5.1969)
  • DIN 18263 - Schlösser und Baubeschläge - Türschließer mit hydraulischer Dämpfung -** Teil 1 Oben-Türschließer mit Kurbeltrieb und Spiralfeder (05.1997)
    • Teil 4 Türschließer mit Öffnungsautomatik (Drehflügelantrieb) (05.1997)
    • Im Zuge der europäischen Harmonisierung trat hier eine weitgehende Neuordnung ein (siehe nachfolgende Aufstellung).
  • DIN 18272 Feuerschutzabschlüsse; Bänder für Feuerschutztüren; Federband und Konstruktionsband (Ausgabe 8.1987)
  • Anlage 3 zu den "Richtlinien für die Zulassung von Feuerschutzabschlüssen; Anforderungen und Prüfrichtlinien für Türschließer mit hydraulischer Dämpfung und artverwandte Geräte für Feuerschutzabschlüsse und Abschlüsse, die selbstschließend sein sollen" des Instituts für Bautechnik (Fassung 2.1983, größtenteils ersetzt durch DIN 4102 Teil 18)

Bei der Harmonisierung der technischen Vorschriften im EG-Raum zur Beseitigung von Handelshemmnissen sind auch die Prüfvorschriften für Feuerschutzabschlüsse vereinheitlicht worden.

Das "Grundlagendokument Brandschutz" enthält in Ziff. 4.3.1.3.5.5 Anforderungen und Klassifizierungsangaben für "Feuerschutzabschlüsse (Türen, Tore, Klappen) und deren Schließmittel (einschließlich Beschläge und Abschlüsse mit Verglasungen)".

Im Abschnitt Schließmittel dieser Ziffer sind auch Freilauf-Türschließer und Öffnungshilfen erwähnt und es ist auf die Bedeutung von Feststellanlagen im Zusammenhang mit Schließmitteln eingegangen.

Normung Schlösser und Baubeschläge: S c h l i e ß m i t t e l (Stand März 2006)
Türschließer mit hydraulischer Dämpfung;
Teil 1: Oben-Türschließer mit Kurbeltrieb und Spiralfeder
DIN 18263-1
(ersetzt DIN 18263-1:1987-01)
Mai 1997
Türschließer mit hydraulischer Dämpfung;
Teil 4: Türschließer mit Öffnungsautomatik (Drehflügelantrieb)
DIN 18263-4
(ersetzt DIN 18263-4:1991-03)
Mai 1997
Türschließmittel mit kontrolliertem
Schließablauf; - Anforderungen und Prüfverfahren
DIN EN 1154
(ersetzt DIN 18263-2 und
DIN 18263-3:1987-01)
April 2003
Türschließmittel mit kontrolliertem
Schließablauf; - Anschlagmaße und Einbau
Beiblatt 1 zu DIN EN 1154 November 2003
Schließfolgeregler; - Anforderungen und Prüfverfahren DIN EN 1158 April 2003
Elektrisch betriebene Feststellvorrichtungen für Drehflügeltüren; Anforderungen und Prüfverfahren DIN EN 1155 (enthält Änderung A1:2002) April 2003

Die in der o. a. Tabelle zusammengestellten Normen sind in der Bauregelliste A Teil 1 in Abschnitt 6 oder in der Liste B Teil 1 in Abschnitt 1.6 als Technische Regeln für die genannten Bauprodukte angeführt.

Siehe auch



Diese Seite wurde zuletzt am 16. August 2011 um 12:55 Uhr von Admin geändert. Basierend auf der Arbeit von Jürgen Pennings.