Ringleitungstechnik

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Einige Hersteller von professionellen Sprachalarmsystemen Sprachalarmanlagen SAA) und elektroakustischen Notfallwarnsystemen arbeiten zurzeit an der Ringleitungstechnik für die 100-V-Lautsprecheranbindung bzw. haben diese inzwischen realisiert.

Verbreitete Techniken

In der Regel werden die Lautsprecher noch über Stichleitungstechnik mit dem Sprachalarmsystem verbunden. Bei Unterbrechung einer Stichleitung würden jedoch in diesem Fall alle Lautsprecher hinter einem Drahtbruch ausfallen. Bei einem Kurzschluss fällt sogar die gesamte Stichleitung aus. Um dieses Risiko bei Drahtbruch und Kurzschluss zu minimieren, bedient man sich bei Anlagen gemäß der DIN VDE 0833-4[1] (Sicherheitsstufe 2 und 3) der sogenannten A/B-Verkabelung, bei der die Hälfte der Lautsprecher in einem Raum auf unterschiedlichen Lautsprecherlinien betrieben wird.


Maßnahmen zur Ausfallsicherheit

Dadurch bleibt bei einem einfachen Leitungsfehler (Drahtbruch, Kurzschluss oder Erdschluss) die Hälfte der Lautsprecher in dem entsprechenden Bereich in Betrieb. Wenn somit nur mit der halben Leistung alarmiert wird, sinkt der Schallpegel um 3 dB, sofern die Lautsprecher fachgerecht angeordnet sind. Dieser Pegelabfall ist gemäß der Norm DIN VDE 0833-4 zulässig. Im Gegensatz zur Brandmeldetechnik hat sich im Bereich der Sprachalarmierung die Ringleitungstechnik noch nicht als Standard etabliert, da bei SAA erheblich höhere Leistung übertragen werden muss. Daraus ergeben sich höhere Anforderungen für diesen Bereich. Realisiert wird eine Ringleitungs- und nicht eine Ringbustechnik wie in der Brandmeldetechnik. Darüber hinaus wurde eine vollständige Ausfallsicherheit für Lautsprecher bisher noch nicht in den einschlägigen Normen gefordert. Wenn man nach heutigem Stand eine normgerechte Anlage nach DIN VDE 0833-4 oder EN 60849 aufbaut, reicht – je nach Anwendungsfall – eine A/B- oder Einfachverkabelung in Stichleitungstechnik aus.


Wirtschaftlichkeit

Ringleitungstechnik für Sprachalarmanlagen (Grafik: VARIODYN® D1 Loop Technology ESSER Novar GmbH a Honeywell Company)
Die Ringleitungstechnik benötigt zwar zusätzliche Trennermodule, die zunächst Mehrkosten verursachen. Auf den zweiten Blick kann das gesamte System jedoch erheblich preiswerter werden, da an anderen Stellen deutlich gespart wird. So kann je nach Anwendungsfall teilweise auf eine kostenintensive E30-Verkabelung verzichtet werden. In Kapitel 7.10.3 der DIN VDE 0833-4 (Version 10_2014) wird hinsichtlich bauordnungsrechtlich nicht geforderter Sprachalarmanlagen beschrieben, dass bei Ringleitungssystemen auf den sonst geforderten Funktionserhalt verzichtet werden darf, wenn sichergestellt ist, dass Hin- und Rückleitung in getrennten Kabeln erfolgen und diese Kabel in Gebäuden brandschutztechnisch getrennt verlegt werden.

Weiterhin muss man bei diesen Ringleitungssystemen Sorge tragen, dass die bestimmungsgemäße Funktion der SAA nicht durch einen einzelnen Fehler beeinträchtigt wird. Das wäre bei der hier beschriebenen Technik der Fall.

Realisierung

Es muss stets sichergestellt sein, dass der Ring normgerecht auf Drahtbruch und Kurzschluss überwacht wird. Dies erfolgt bei neuen Systemen mittels Impedanzüberwachung. Hier stellt ein Kurzschluss den kritischsten Fall dar. Um auch dann die gewünschte Ausfallsicherheit zu gewährleisten, arbeitet man auf dem Ring mit sogenannten Loop Isolator Modulen (LIM). Diese werden über den Zweidraht-100-V-Lautsprecherring mit Spannung versorgt und sind gemäß EN 54-17 ausgelegt und VdS-zugelassen.

Sie messen permanent den Strom auf dem Ring. Bei der Messung eines zu hohen Stroms wird das kurzgeschlossene Segment zwischen zwei Isolatoren aus dem Ring getrennt. Der Rest der Ringleitung ist weiterhin voll in Betrieb. Wenn jeder Lautsprecher mit einem Kurzschlussisolator ausgestattet ist, bedeutet dies, dass bei einem Einfachleitungsfehler eine Ausfallsicherheit von 100 Prozent erreicht wird.


Leitungsanlagenrichtlinien

Ringleitungstechnik für Sprachalarmanlagen - Anlage mit A/B-Verkabelung (Grafik: VARIODYN® D1 Loop Technology ESSER Novar GmbH a Honeywell Company)
Bei baurechtlich geforderten Sprachalarmanlagen sind die in den jeweiligen Bundesländern gültigen Leitungsanlagen-Richtlinien (LAR) obligatorisch. Demnach muss eine 30-minütige Alarmierung gewährleistet sein, was durch eine entsprechende Verkabelung realisiert werden kann. Wenn eine Ringleitung beidseitig eingespeist wird und gemäß EN 54-17 zugelassene Loop Isolator Module sicherstellen, dass auch bei einem Kurzschluss die Funktionalität des Rings erhalten bleibt, stellt dies eine Alternative zur E30-Verkabelung dar, da. Allerdings gibt es bei einem Verzicht auf E30-Verkabelung durch den Einsatz von Ringleitungstechnik regional und personenbezogen unterschiedliche Auslegungen der MLAR[2]. Daher empfiehlt es sich, den Verzicht auf eine E30-Verkabelung vor der Umsetzung mit dem entsprechenden Sachverständigen zu klären. Die Technik der Branddetektion und Alarmierung ist seit der Existenz der MLAR z.B. um die Ringleitungstechnik erweitert worden. Der weiter fortgeschrittene Stand der Technik, wie z. B. die Alarmierung über Ringleitungen, sollte auch in der nächsten Version der MLAR Berücksichtigung finden[3].

Wenn man eine Anlage aufbauen möchte, bei der keine 100-prozentige Ausfallsicherheit, aber eine A/B-Verkabelung gefordert ist, kann man das so realisieren, wie in der abgebildeten Grafik gezeigt wird. Hier wird immer zwischen A- und B-Segment der Ringleitung ein Loop Isolator Modul (LIM) gesetzt. So wird im Kurzschlussfall nur das betroffene A- oder B-Segment herausgetrennt. Man hätte bei diesem Beispiel die gleiche Ausfallsicherheit wie bei einer A/B-Verkabelung in Stichleitungstechnik.


Weblinks

http://www.audiocoustic.com/documents/Hbf%20MUC%20Professional%20system%203-2012.pdf


Einzelnachweis

  1. SecuPedia Aktuell: Normative Neuerungen in der Sprachalarmierung ab Mai 2015 verbindlich
  2. Muster-Richtlinie über brandschutztechnische Anforderungen an Leitungsanlagen1. (Muster-Leitungsanlagen-Richtlinie MLAR)
  3. Horst Berger, Funktionserhalt von BMA und SAA,Seite 37-42, FeuerTRUTZ Brandschutz Magazin, Ausgabe 02/2013


Siehe auch



Diese Seite wurde zuletzt am 31. März 2015 um 13:38 Uhr von Wolfgang Unger geändert.