Frachtenbörsen

aus SecuPedia, der Plattform für Sicherheits-Informationen

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Als drittgrößter Wirtschaftssektor, und damit einer der Schlüsselfaktoren der deutschen Wirtschaft, ist die Logistik- und Transportbranche. Der Straßengütertransport weist als Besonderheit eine Quote von 25 % reine Leerfahrten oder Teilbeladungen auf, wobei sich dies auf leere Rückfahrten oder langen Wartezeiten nachteilig auswirkt.

Abhilfe können hier sog. Online-Frachtenbörsen schaffen, welche Leerfahrten um bis zu 43 % reduzieren können, indem sie das Zusammenführen von verfügbarem Laderaum einerseits und Fracht andererseits (z.B. als Rückfracht oder Beiladung) ermöglichen. Zur Vermeidung von diesen Leerfahrten vermarkten Spediteure über sogenannte Frachtenbörsen ihren Laderaum bzw. freie Kapazitäten.

Etablierte Speditionen bedienen sich bei überdurchschnittlicher Auslastung ihres eigenen Fuhrparks der Frachtenbörsen und vergeben Transportaufträge über solche Internet-Plattformen an Sub-Dienstleister. Eine Online-Frachtenbörse kann als eine Art „elektronischer Marktplatz“ gesehen werden, der den Nutzern eine zeitnahe, ortsgebundene Zusammenführung von Angebot und Nachfrage hinsichtlich Sachgütern bzw. Dienstleistungen erlaubt. Im Kontext des LKW-Ladungsverkehrs kann die Online-Frachtenbörse weiterhin spezifiziert werden als ein Informations- und Kommunikationssystem, welches (teilweise oder vollständig) den marktmäßigen Austausch von Transportdienstleistungen zwischen den potenziellen Marktplatzteilnehmern Verlader, Spediteur und Frachtführer unterstützt, wobei Fracht und/oder Laderaum die gehandelten Güter bilden.

Die TOP 10 der Frachtbörsen sind: Timocom, Teleroute, Trans EU, Wtransnet, LKWOnline, Cargopedia, 123Cargo, Raaltrans, Box24 sowie Schüttgut-Boerse.

Betrug durch Frachtenbörsen (Phantomfrachtführer)

Die Frachtenbörsen haben jedoch auch eine Kehrseite: sie „locken“ Kriminelle an, welche sich durch Missbrauch dieser Frachtenbörsen rechtswidrig zu bereichern versuchen. Hierbei werden häufig komplette LKW-Ladungen entwendet, mit signifikanten Schadensquoten für die geschädigten Auftraggeber. Dabei findet der Missbrauch von Frachtenbörsen häufig allenfalls als Teil des klassischen Ladungsdiebstahls Erwähnung, wurde bisher jedoch kaum als eigenständiges Kriminalphänomen innerhalb der Ladungskriminalität betrachtet.

Gängige Tatbegehungsweisen sind: • Identitätsmissbrauch • Übernahme von Speditionen, die zum Teil insoilvent sind • Einschleusung von Mitarbeitern (Fahrern) als „Maulwürfe“ • Fälschung von Dokumenten von Phantasie- bzw. Scheinfirmen

Dabei basiert das Phänomen des Frachtenbörsen-Missbrauchs grundsätzlich auf das in der Praxis am häufigsten anzutreffende Grundschema: Die Täter geben sich in Online-Frachtenbörsen als seriöser Frachtführer aus, um von einem Transportauftrags vergebenden Unternehmen (in diesem Fall häufig Speditionen, aber auch andere Frachtführer) den Zuschlag zum Transport von Ladung zu erhalten. Dies geschieht mit dem Ziel, nach Transportauftragsübernahme und Abholung der Ware beim Verlader, mit dieser zu verschwinden, anstatt wie vereinbart beim Empfänger abzuliefern. Lassen die Kriminellen die Ware nicht durch eigene Fahrer abholen, werden dafür zuweilen auch seriöse Unterfrachtführer beauftragt.



Diese Seite wurde zuletzt am 20. März 2021 um 17:10 Uhr von Klaus Kapinos geändert.