Unternehmerisches Fehlverhalten: Wann berichten Print-Medien kritisch?

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Quelle: Universität Köln
Veröffentlicht von SecuPedia-Redaktion am 19. März 2020.

Köln, 19.03.2020 - Printmedien berichten über unternehmerisches Fehlverhalten wie Umweltvergehen, Korruption oder die Verletzung von Sozialstandards nicht gleichermaßen und unabhängig. Oft lässt sich die Presse von Eigeninteressen wie Werbeeinnahmen beeinflussen. Das zeigt eine neue Studie von Dr. Marc Fischer, Professor für Marketing an der Universität zu Köln, und Dr. Samuel Stäbler, Assistant Professor of Marketing an der Tilburg University (Niederlande).Die Forscher werteten dazu über 50.000 Artikel über 1.054 Ereignisse in 77 führenden Medien aus fünf Ländern (USA, Mexiko, Deutschland, Großbritannien und Frankreich) aus.

Fälle unternehmerischen Fehlverhaltens, zusammengefasst im Begriff „Corporate Social Irresponsibility“ (CSI), seien für Medien meist berichtenswerte Ereignisse mit hohem Nachrichtenwert. Für die betroffenen Unternehmen und Aktionäre würden solche negative Berichterstattung erhebliche finanzielle Folgen haben.

Die Ergebnisse werden von den Forschern als brisant eingeschätzt, denn das Ausmaß der Berichterstattung sei keineswegs unbeeinflussbar. Das Ergebnis: Die untersuchten Zeitungen und Zeitschriften berichten demnach allgemein zwar häufig über ethische Vergehen von beliebten Unternehmen mit bekannten Marken, ebenso wie über das Fehlverhalten von ausländischen Unternehmen. Wenn sie aber enge Werbepartnerschaften mit einem betroffenen Unternehmen unterhalten, berichten die untersuchten Medien deutlich seltener über dessen CSI-Fälle. Die Wahrscheinlichkeit der Berichterstattung sinkt bei einer engen Werbepartnerschaft auf unter 10 Prozent. Fast doppelt so viele Zeitungen berichten jedoch über das Fehlverhalten, wenn es eine ausländische Marke mit Fehlverhalten im eigenen Land betrifft. Linksorientierte Medien berichten laut den Autoren der Studie häufiger als rechtsorientierte Medien.

Die Medien sind sich dieser Verzerrung, so die Forscher, scheinbar nicht bewusst. In Interviews betonten Redakteurinnen und Redakteuren führender Leitmedien in Deutschland, dass Werbeinnahmen und der politischen Ausrichtung der Zeitung keine Rolle bei der Nachrichtenauswahl spielen würden.

Kritische Berichterstattung hat wirtschaftliche Folgen: Der durchschnittliche finanzielle Verlust an der US-Börse aufgrund eines CSI-Ereignisses beläuft sich laut der Studie auf rund 321 Millionen US-Dollar. Das Ausmaß des Schadens, den ein CSI-Ereignis einem Unternehmen zufügt, hängt dabei stark davon ab, wie viel Medienaufmerksamkeit das Ereignis erhält. So reagierte etwa der US-Markt nur dann auf die CSI-Fälle, wenn vier oder mehr US-Medien darüber berichteten.

In einer Meldung der Universität Köln fasst Professor Fischer das Ergebnis so zusammen: „Die Studienergebnisse lassen Aussagen zur selbst gepriesenen Unabhängigkeit diskussionswürdig erscheinen. Erstaunlich ist auch, um wie viel häufiger über das Fehlverhalten ausländischer Unternehmen berichtet wird, während inländische Unternehmen im Vergleich dazu seltener Gegenstand der Berichterstattung sind. Medien sind neben Politikern, die manchmal opportunistisch handeln, vermutlich die Akteure, die mit viel Druck die höchsten Wertestandards und sozialen Normen bei öffentlichen Personen und Unternehmen einfordern. Die Ergebnisse unserer unabhängigen Studie zur Berichterstattung über ethisches Fehlverhalten von Unternehmen zeigen: Die von den Medien eingeforderten hohen Maßstäbe werden beim eigenen Verhalten offensichtlich nicht immer eingehalten.“

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