Studie: Deutsche Großunternehmen berichten zu wenig über Korruptionsbekämpfung und Lobbyismus

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Quelle: Transparency Deutschland
Veröffentlicht von SecuPedia-Redaktion am 30. Juli 2020.

Berlin, 29.07.2020 - Transparency Deutschland hat zum vierten Mal die nach den Standards der Global Reporting Initiative (GRI) erstellten Nachhaltigkeitsberichte deutscher Großunternehmen mit Blick auf die Themen Korruption und politische Einflussnahme untersucht. Das Ergebnis, so Transparency Deutschland: "Insgesamt sind die Nachhaltigkeitsberichte zu unvollständig, uneinheitlich und nicht ausreichend transparent. Dadurch ist keine Vergleichbarkeit der ethischen Bemühungen der Unternehmen gegeben." Bei Nachhaltigkeitsberichten würden Großunternehmen das Siegel der Wirtschaftsprüfer erhalten, "auch wenn diese tatsächlich nur äußerst wenige Unternehmensangaben geprüft haben", heißt es weiter.

Bei der Berichterstattung zur Korruptionsbekämpfung geben die Unternehmen demnach im Durchschnitt weniger als 50 Prozent der von den GRI-Standards geforderten Informationen an – und die Auslassungen würden überwiegend nicht begründet werden. "Damit liegt eine bemerkenswert hohe Zahl an Verstößen gegen den GRI-Berichtsrahmen vor. Darüber hinaus erteilen einige Unternehmen nach wie vor keine Auskünfte zu Lobbying und Parteispenden", erklärt die NGO.

Dazu Manfred zur Nieden, Projektleiter und Autor der Studie: „Dass die Unternehmen gerade über Korruptionsbekämpfung so wenig berichten, belegt leider wieder einmal, dass Freiwilligkeit auch über viele Jahre nicht zum Ziel führt. Dasselbe gilt für Lobbyaktivitäten und Parteispenden: Angesichts ihrer Bedeutung für unsere Demokratie und Rechtstaatlichkeit sollte die Berichterstattung darüber verpflichtend sein.“

Die meisten der 19 untersuchten Berichte wurden laut den Angaben durch Wirtschaftsprüfungsgesellschaften geprüft. Problematisch sei, dass die Unternehmen die Auswahl der zu prüfenden Themen vorgeben würden. "Berichte können daher den Bestätigungsvermerk eines Wirtschaftsprüfers erhalten, selbst wenn äußerst wenige Informationen tatsächlich geprüft wurden. Die GRI sollte für einen solchen Bestätigungsvermerk ein Minimum von geprüften Angaben fordern", erklärt Transparency Deutschland.

„Es scheint an einem kritischen Blick der externen Prüfer zu mangeln, denn: Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaften haben in allen Fällen die Übereinstimmung mit den GRI-Standards bestätigt. Dies steht in einem krassen Gegensatz zu unseren Ergebnissen mit vielen Verstößen gegen die korruptionsbezogenen GRI-Vorgaben“, so Helena Peltonen-Gassmann, Stellvertretende Vorsitzende von Transparency Deutschland. Die Organisation empfiehlt daher unter anderem stringentere Regelungen zur Verbesserung der Transparenz und Validität der externen Prüfurteile. (Quelle: PM von Transparency Deutschland vom 29.07.2020)

Download der Studie „Nachhaltigkeitsberichte deutscher Grossunternehmen - 4. Untersuchung der Berichterstattung nach den GRI-Standards“ (Juli 2020) hier möglich

 

Hintergrund
Transparency Deutschland hat zum vierten Mal die Nachhaltigkeitsberichte deutscher Großunternehmen auf Übereinstimmung mit den Standards der Global Reporting Initiative (GRI) untersucht. Die GRI ist eine unabhängige internationale Organisation mit Sitz in Amsterdam. Die GRI-Standards sind die weltweit am weitesten verbreiteten Standards für die Nachhaltigkeitsberichterstattung. Transparency Deutschland hat bereits im Jahr 2012, 2014 und 2016 entsprechende Untersuchungen veröffentlicht. (Quelle/Text: Transparency Deutschland)
 

 

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