Sicherheitsreport 2020: Bevölkerung sorgt sich um innere und äußere Sicherheit des Landes

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Quelle: glh GmbH
Veröffentlicht von SecuPedia-Redaktion am 12. Februar 2020.

Bodman/Berlin, 12.02.2020 -  Weite Teile der deutschen Bevölkerung beobachten die Entwicklung der Sicherheitslage mit großer Sorge. Jeweils rund zwei Drittel sind sehr besorgt über zunehmende Gewalt und Kriminalität sowie extremistische Tendenzen in Deutschland. Die Mehrheit sorgt sich auch über Kriminalität unter Flüchtlingen, jeweils rund die Hälfte sieht ein hohes Risiko durch eine Zunahme von Gewalttaten im rechtsextremen Spektrum sowie von Terroranschlägen generell. Dies sind Ergebnisse des Sicherheitsreports 2020, einer aktuellen repräsentativen Bevölkerungsumfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach im Auftrag des Centrums für Strategie und Höhere Führung. Der Sicherheitsreport wird seit 2011 jährlich erhoben.


Düsteres Bild der Kriminalitätsentwicklung - Clankriminalität und rechtsfreie Räume

Laut der aktuellen Erhebung hat die Hälfte der Bevölkerung auch den Eindruck, dass die Zahl der Verbrechen in Deutschland zugenommen hat, in Ostdeutschland sogar rund zwei Drittel. 78 Prozent der Bevölkerung halten speziell Clankriminalität für ein großes Problem in Deutschland. Zwei Drittel der Bevölkerung sind auch überzeugt, dass der Staat zu wenig dagegen unternimmt. Und 70 Prozent der Bevölkerung haben den Eindruck, dass es in Deutschland rechtsfreie Räume gibt, also dass in bestimmten Gegenden oder Teilen der Gesellschaft die geltenden Gesetze nicht anerkannt werden, und der Staat Recht und Ordnung dort auch nicht mehr durchsetzt.

"Die Bürger sehen die Entwicklung teilweise kritischer, als es die offizielle Kriminalitätsentwicklung ausweist. Das hat auch damit zu tun, dass einzelne Delikte und bestimmte Deliktkategorien die Bürger besonders beeindrucken und besorgt stimmen", erläutert Prof. Dr. Renate Köcher, die Geschäftsführerin des Instituts für Demoskopie Allensbach.

Ganz persönlich fühle sich derzeit fast jeder vierte Bürger im Land nicht sicher, und nur 15 Prozent der Bevölkerung seien mit der Sicherheitssituation völlig zufrieden. Deutlich überdurchschnittlich verbreitet sei das Gefühl mangelnder Sicherheit dabei in Ostdeutschland: Hier fühlen sich 35 Prozent der Bevölkerung weniger oder gar nicht sicher. Hier ist das Unsicherheitsgefühl im Vergleich zum Vorjahr auch deutlich gewachsen.

Vor dem Hintergrund dieser Unsicherheitsgefühle und dem verbreiteten Eindruck mangelnder Durchsetzungskraft des Staates würden sich gut drei Viertel der Bevölkerung dafür aussprechen, zur Verbrechensbekämpfung öffentliche Plätze mit Videokameras und automatischer Gesichtserkennung zu überwachen.


Angst vor Kriegen deutlich gestiegen

Aber auch die internationale Lage beunruhige viele. So bereite es 58 Prozent der Bevölkerung große Sorge, dass aus ihrer Sicht die Lage in Europa und der Welt immer unberechenbarer werde; 44 Prozent fürchten, dass Deutschland in militärische Konflikte hineingezogen werden könnte.

Ganz persönlich mache sich aktuell ein Viertel der Bevölkerung große Sorgen darüber, dass Deutschland in einen Krieg verwickelt werden könne (+ 10 Prozent im Vergleich zum Vorjahr)

Dabei werde die Stabilität in der Welt nach Einschätzung der deutschen Bevölkerung vor allem durch das Verhalten bestimmter Staatschefs gefährdet - mehr noch als von militärischen Konflikten, Handelskriegen oder dem Klimawandel. Allerdings nehme die Bevölkerung das Gefahrenpotenzial, das von militärischen Konflikten ausgeht, heute als höher wahr als in den vergangenen Jahren, heißt es. "Die Bundesbürger erkennen, dass Deutschland nicht mehr nur am Hindukusch verteidigt wird. Sie befürchten, dass kriegerische Konflikte uns auch direkt in Deutschland erreichen können", erklärt Prof. Dr. Klaus Schweinsberg, geschäftsführender Gesellschafter des Centrums für Strategie und Höhere Führung.

Der derzeit gefährlichste internationale Krisenherd ist aus Sicht der Bevölkerung der Konflikt zwischen den Vereinigten Staaten und dem Iran. 61 Prozent halten diesen Konflikt laut der Erhebung für so gefährlich, dass er auch die Sicherheit Deutschlands gefährden könnte. Gleichzeitig werden die USA und der Iran auch am häufigsten als jene Länder gesehen, von denen in den kommenden Jahren die größte Bedrohung für den Weltfrieden ausgeht. Auch zweifle die Mehrheit an der Verlässlichkeit der Vereinigten Staaten: Nur 21 Prozent halten die USA für einen zuverlässigen Bündnispartner Deutschlands, 53 Prozent würden das ausdrücklich nicht sagen.


Sorgenkatalog der Bevölkerung: Weitere Ergebnisse

  • Gesundheitsrisiken: 42 Prozent machen sich große Sorgen, dass sie im Alter zum Pflegefall werden und unter Demenz leiden könnten, 35 Prozent fühlen sich durch gefährliche Krankheiten wie Krebs besonders bedroht.
  • Furcht vor Auswirkungen des Klimawandels: Im Westen Deutschlands sind diese Klimaängste dabei deutlich verbreiteter als im Osten.
  • Wirtschaftliche Sorgen der Bevölkerung sind in den letzten sieben Jahren kontinuierlich zurückgegangen: So machte sich 2013 noch rund die Hälfte der Bevölkerung große Sorgen über mögliche Einkommensverluste, aktuell belastet dies nur noch rund ein Viertel. Ebenso ist die Furcht vor Arbeitslosigkeit kontinuierlich gesunken.

(Quelle: PM von Centrum für Strategie und Höhere Führung - glh GmbH vom 12.02.2020)

Weitere Ergebnisse / Schaubilder unter: www.sicherheitsreport.net

 

Zur Erhebung:
Im neunten Jahr in Folge hat das Institut für Demoskopie Allensbach im Rahmen des Sicherheitsreports die Bevölkerung zu persönlich empfundenen Gefahren und Risiken sowie zu Themen der inneren und äußeren Sicherheit befragt. Zwischen 9. und 22.Januar wurden dazu im Auftrag des Centrums für Strategie und Höhere Führung 1.273 mündlich-persönliche Interviews mit einem repräsentativen Querschnitt der deutschen Bevölkerung ab 16 Jahren durchgeführt.

 

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