Schweiz: Jugendliche bei der Bekämpfung von Radikalisierung und Extremismus im Netz einbeziehen

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Quelle: Schweizerische Eidgenossenschaft/Der Bundesrat/BSV/EDI
Veröffentlicht von SecuPedia-Redaktion am 21. Januar 2020.

Bern, 21.01.2020 - Extremistische Internetpropaganda mit Gegennarrativen und alternativen Narrativen begegnen: Diesen Ansatz verfolgt die nationale Plattform Jugend und Medien des Bundesamtes für Sozialversicherungen (BSV). Die Narrative wurden im Rahmen von vier Pilotprojekten von Jugendlichen und jungen Erwachsenen aus der ganzen Schweiz erarbeitet und anschliessend wissenschaftlich evaluiert. Basierend auf den Ergebnissen der Evaluation wurde eine neue Broschüre erarbeitet, die für künftige Projekte zur Prävention von Radikalisierung als Wegweiser dient.

Das Internet gewinnt bei der Verbreitung politisch oder religiös motivierter extremistischer Inhalte weiterhin an Bedeutung. Jugendliche und junge Erwachsene sind für extremistische Botschaften besonders empfänglich und entsprechend gefährdet. Aus diesem Grund unterstützte die Plattform Jugend und Medien im Rahmen des von 2017 bis 2019 umgesetzten Schwerpunkts «Extremismus und Radikalisierung» vier Pilotprojekte, die Gegennarrative und alternative Narrative entwickelten.

Die Erarbeitung von Präventionsinhalten im Netz ist eine der 26 Massnahmen des Nationalen Aktionsplans zur Verhinderung und Bekämpfung von Radikalisierung und gewalttätigem Extremismus, der Teil der Strategie der Schweiz zur Terrorismusbekämpfung ist.


Narrative als geeignete Methode im digitalen Zeitalter

Weil extremistische Propaganda unterschiedliche Formen annehmen kann, braucht es auch bei der Prävention vielfältige Ansätze. Eine Möglichkeit im digitalen Raum bieten Narrative, die extremistischen Inhalten auf die gleiche mediale Weise entgegenwirken, indem sie ihre Botschaften und propagandistischen Ziele dekonstruieren (Gegennarrative) oder mittels positiver Botschaften Vorurteile abbauen und ein differenziertes Denken sowie ein gesellschaftliches Miteinander fördern (alternative Narrative). So finden junge Menschen andere Sichtweisen, fundierte Informationen und Gegenargumente, die es ihnen erlauben, Online-Inhalte kritisch zu hinterfragen, wenn sie mit Propagandanarrativen konfrontiert sind.


Innovative Projekte

Die vier unterstützten Pilotprojekte erprobten den Ansatz der Gegen- und alternativen Narrative, für den in der Schweiz wenig Erfahrungswerte vorliegen. Bei den Projekten ging es zwar mehrheitlich um alternative Narrative im Bereich des islamistischen Extremismus. Dennoch konnten bei der Evaluation allgemeingültige Empfehlungen abgeleitet werden, welche auch auf andere Extremismusformen anwendbar sind, insbesondere politischen Rechts- und Linksextremismus.


Partizipation von jungen Menschen als Erfolgsfaktor

Die Evaluation der Pilotprojekte bestätigt das Potenzial des Ansatzes und liefert wichtige Erkenntnisse darüber, wie Nachfolgeprojekte anzugehen und umzusetzen sind. Die Partizipation von Jugendlichen und jungen Erwachsenen an den Projekten hat sich als einer der wichtigsten Erfolgsfaktoren herausgestellt. Die Authentizität der Narrative wurde durch die Beteiligung von Jugendlichen und jungen Erwachsenen gesteigert. Auch bei diesen selber fand ein Wissenszuwachs und eine Sensibilisierung für das Thema Radikalisierung statt. Namentlich bei jungen Musliminnen und Muslimen wurde indirekt eine weitere präventive Wirkung erzielt: Alternative Narrative können das Selbstwertgefühl steigern und die Integration fördern.


Broschüre ermutigt zu neuen Projekten

Die Broschüre Narrative zur Prävention von Online-Radikalisierung enthält die Qualitätskriterien und Empfehlungen, die sich aus der Evaluation der Pilotprojekte ableiten lassen. Sie richtet sich an Projektteams, Expertinnen und Experten, Geldgebende sowie Fachleute aus der Evaluation und versteht sich als praxisorientierter Wegweiser für die Ausarbeitung künftiger Projekte. Ausserdem zeigt sie Anwendungsmöglichkeiten für den Schulunterricht und die Jugendarbeit auf.

Die Broschüre ist in Deutsch, Französisch und Italienisch erhältlich und kann kostenlos bestellt werden via www.jugendundmedien.ch/publikationen.  

Die vier geförderten Projekte
• Das Projekt Winfluence (www.jugendinfo.win/winfluence) der Jugendinfo Winterthur hatte das Ziel, durch die Produktion und Verbreitung von Videoclips Vorurteile abzubauen, Toleranz zu fördern und das Verständnis für Andersdenkende zu wecken.
• Beim Projekt KnowIslam (www.knowislam.ch)  das unter der Federführung des Instituts für Interkulturelle Zusammenarbeit und Dialog in Zürich stand, wurden muslimische Jugendliche und junge Erwachsene angesprochen, um konstruktiv-kritisch über die eigene Religion nachzudenken und sich eine eigene Meinung zu bilden.
• Das Projekt SwissMuslimStories (www.swissmuslimstories.ch) unter der Trägerschaft des Vereins Ummah (Muslimische Jugend Schweiz) veröffentlichte kurze Videoporträts von Schweizer Musliminnen und Muslimen, um die Vielfalt muslimischen Lebens zu veranschaulichen und zu zeigen, dass verschiedene Identifikationen vereinbar sind.
• Das Projekt PositivIslam (www.positivislam.ch) des Schweizerischen Zentrums für Islam und Gesellschaft der Universität Freiburg schuf eine Plattform für junge Bloggerinnen und Blogger, deren Texte und Illustrationen zum Denken anregen und Diskurse anstossen sollten.

Jugend und Medien ist die nationale Plattform des Bundesamtes für Sozialversicherungen zur Förderung von Medienkompetenzen. Sie verfolgt im Auftrag des Bundesrates das Ziel, dass Kinder und Jugendliche sicher und verantwortungsvoll mit digitalen Medien umgehen. Weitere Informationen unter www.jugendundmedien.ch.   


Adresse für Rückfragen

Bundesamt für Sozialversicherungen
Kommunikation
+41 58 462 77 11
kommunikation@bsv.admin.ch


Herausgeber der Meldung:
Bundesamt für Sozialversicherungen http://www.bsv.admin.ch
Eidgenössisches Departement des Innern http://www.edi.admin.ch

 

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