Österreich: Umfrage zu Gefahren von Keyless Entry Systemen in Kfz

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Quelle: BMI / BK Österreich
Veröffentlicht von SecuPedia-Redaktion am 7. Juli 2020.

Wien, 07.07.2020 - Moderne Fahrzeuge sind oft mit sogenannten Keyless Entry Systemen ausgestattet, das heißt mit Technologien, die ein schlüsselloses, automatisches Öffnen und Starten ermöglichen. Die Keyless-Technik sei jedoch auch anfällig für Diebstähle, so das Bundeskriminalamt (BK) Österreich. "Die zentrale Sicherheitslücke ist das Signal, mit dem der Transponder mit dem Fahrzeug kommuniziert. Dieses kann mit Hilfe eines in die Nähe des Schlüssels gebrachten Signalverstärkers vervielfacht und seine Reichweite auf mehrere hundert Meter ausgedehnt werden. Dieben ist es so beispielsweise möglich, ein Auto zu knacken, während der Besitzer nichtsahnend zu Hause fernsieht oder in einem Restaurant zu Abend isst", so Dr. Armin Kaltenegger, Leiter des Bereichs Eigentumsschutz im Kuratorium für Verkehrssicherheit (KFV). Das KFV führte jetzt eine repräsentative Umfrage unter 1.000 Fahrzeugnutzern zu diesen Systemen durch. Das BK Österreich berichtet über Ergebnisse und informiert über Schutzhinweise:


Nur kleiner Teil der Nutzer äußerte Sicherheitsbedenken
Laut der Umfrage ist demnach der Bekanntheitsgrad von Keyless Entry Systemen hoch: 91 Prozent der Befragten hätten angegeben, die Technologie zu kennen, 61 Prozent davon hätten bereits Erfahrungen damit gesammelt. Während die überwiegende Mehrheit von ihnen der Umfrage zufolge von der Sicherheit der schlüssellosen Zugangssysteme überzeugt sei, hätten nur 20 Prozent der befragten Nutzer Sicherheitsbedenken geäußert. Dementsprechend gering sei mit 22 Prozent daher auch die Anzahl jener Nutzer, die Schutzmaßnahmen treffe, indem sie etwa Schlüssel in möglichst großer Entfernung zum Fahrzeug aufbewahren (56 Prozent) oder die von Experten empfohlenen Sicherheitsboxen nutzen (37 Prozent) würden. "Die Mehrzahl der Nutzer ist sich der Risiken der Keyless Technologie nicht bewusst – hier besteht noch großer Aufholbedarf, insbesondere, weil in Zukunft mit einer Verschärfung der Problematik zu rechnen ist, da zunehmend mehr Fahrzeuge, auch Kleinwägen, serienmäßig mit schlüssellosen Systemen ausgestattet sind", so Kaltenegger.


Verbesserung der Produktsicherheit erforderlich
„Die Studienergebnisse haben gezeigt, dass die schlüssellosen Zugangssysteme einerseits erhebliche Sicherheitslücken aufweisen und andererseits vom durchschnittlichen User nicht erwartet werden darf, diese Gefahren zu erkennen. Deshalb wäre eine deutliche Verbesserung der Produktsicherheit erforderlich", so Kaltenegger. Das KFV fordert: „Hersteller und Händler müssen über die Gefahren des Missbrauchs deutlich aufklären und entweder auf sicherere Technologien umsteigen oder sichere Aufbewahrungsmöglichkeiten mit dem Artikel gemeinsam aushändigen.“

„Die Täter suchen bei jedem neuen System oder neuen Komfortlösungen nach Schwachstellen, um diese aushebeln zu können, so auch bei den Keyless Entry Systemen. Mit einem so genannten Funkstrecken-Verlängerer können die Diebe dem Auto vortäuschen, dass der Schlüssel in der Nähe ist, die Türen öffnen, einfach einsteigen und wegfahren. Am Fahrzeug finden sich nicht einmal Aufbruchspuren. Die Fahrzeugbesitzerin beziehungsweise der Fahrzeugbesitzer selbst sollte sich dessen bewusst sein und entsprechend sorgsam mit dem Schlüssel umgehen“, mahnt das BK Österreich.

 

Hinweise der Polizei zum Umgang mit Keyless Entry Systemen:

  • Der Schlüssel sollte nicht an den Außenseiten des Hauses und vor allem nicht im Vorzimmer in der Nähe von Haus- oder Wohnungstür beziehungsweise Fenster abgelegt werden.
  • Sie können das Funksignal durch geeignete Maßnahmen, wie zum Beispiel mit Aluminiumhüllen oder Blechdosen versuchen abzuschirmen. Testen Sie unbedingt vorab, ob die Schutzhülle wirkt, in dem Sie sich mit ihrem abgeschirmten Schlüssel direkt neben Ihr Auto stellen. Das Fahrzeug sollte sich nicht wie gewohnt öffnen lassen.
  • Achten Sie beim Verlassen Ihres Wagens auf Ihr Umfeld und insbesondere auf Personen mit Aktenkoffern, Umhängetaschen oder Rucksäcken, die in Ihrer unmittelbaren Nähe warten.

Ein Diebstahl, nicht nur bei Kfz mit Keyless Entry Systemen, sondern auch allgemein, kann den Tätern mit folgenden technischen Lösungen deutlich erschwert beziehungsweise die Fahndungsarbeit der Polizei erleichtert werden:

  • Lassen Sie sich einen Zündunterbrecher in Form eines versteckten Schalters zur Zwei-Faktor-Identifizierung in Ihrem Kfz einbauen.
  • Verlegen Sie den On-Board-Diagnose Stecker in Ihrem Kfz. Die On-Board-Diagnose, kurz OBD, ist ein Diagnosesystem in Fahrzeugen. Das System überwacht das Auto und kann der Fahrerin oder dem Fahrer beziehungsweise der Werkstatt Fehlermeldungen und Daten zugänglich machen. Das nutzen aber auch Täter aus, die somit Zugriff auf die Elektronik des Kfz haben und so in nur wenigen Sekunden einen neuen Schlüssel anfertigen lassen können.
  • Lassen Sie sich ein GPS-Ortungssystem in Ihr Kfz einbauen. So haben Sie Ihr Auto immer im Blick. Zudem hilft es der Polizei für Fahndungszwecke.

(Quelle: PM von BK Österreich vom 07.07.2020)

 

Diebstahl von Kraftahrzeugen in Österreich
Die Zahl der Anzeigen wegen Diebstahls von Kfz sind rückläufig: 2019 sind die Meldungen um 1,3 Prozent gegenüber 2018 gesunken (2019: 2.194 Anzeigen, 2018: 2.224 Anzeigen). Vor zehn Jahren wurden noch doppelt so viele Kfz als gestohlen gemeldet (2010: 4.402 Anzeigen). (Quelle: BK Österreich)


 

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