Kriminalstatistik: Nordrhein-Westfalen

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Quelle: MIK NRW/BDK
Veröffentlicht von SecuMedia am 10. März 2016.

Düsseldorf, 09.03.2016. Insgesamt 1,51 Millionen Straftaten zählte die NRW-Polizei 2015 - rund ein Prozent mehr als im Vorjahr. Die Aufklärungsquote lag nahezu unverändert bei 49,6 Prozent. Das teilte Innenminister Ralf Jäger am Mittwoch bei der Veröffentlichung der Polizeilichen Kriminalitätsstatistik 2015 mit. Die Kriminalistengewerkschaft BDK reagierte in scharfer Form: "Die ersten Reaktionen der Beschäftigen der NRW-Kriminalpolizei reichen von Erstaunen bis zu Fassungslosigkeit."

Die Zahl der Wohnungseinbrüche ist um 18,1 Prozent auf 62.262 Fälle gestiegen. „Für die NRW-Polizei hat der Kampf gegen Einbrecher höchste Priorität“, unterstrich Jäger und stellte mit dem Einbruchsradar ein neues Instrument für mehr Transparenz und Sensibilität vor.
 
Alle 47 NRW-Polizeibehörden veröffentlichen ab Mitte April auf ihren Internetseiten Karten, die Wohnungseinbrüche und Einbruchsversuche aus der Vorwoche verzeichnen. Die Menschen können sich mit dem Radar zum ersten Mal ein eigenes Bild über Einbrüche in ihrem Viertel machen. „Noch mehr Sensibilität“ erhofft sich Jäger davon. „Und dass die Menschen ihre vier Wände besser schützen“. Bereits jetzt kommt es in 44 Prozent der Fälle nicht zur Tatvollendung - wegen guter Einbruchsicherungen und wachsamer Nachbarn. Die Aufklärungsquote lag bei 13,8 Prozent.
 
Vor allem international operierende mobile Einbrecherbanden aus Südosteuropa sind für den Anstieg verantwortlich. „Die Ermittlungen sind aufwändig und anspruchsvoll“, erläuterte Jäger. „Das sind Profis: straff organisiert und bestens vernetzt. Nicht selten bestehen Familienbande“, so der Minister weiter. Auf der Grundlage des Konzepts Mobile Täter im Visier (MOTIV) arbeiten hoch spezialisierte Fahnder daran, von Experten des LKA identifizierte Serientäter dingfest zu machen. Seit dem Start von MOTIV im August 2013 wurden 805 Täter auf diese Weise identifiziert. 515 davon sind oder waren in Haft. Aktuell werden 436 Intensivtäter von MOTIV-Ermittlern gesucht. „Wir haben den Fahndungs- und Ermittlungsdruck massiv erhöht. Und das werden wir weiter tun“, verdeutlichte Jäger.

Weniger Jugendkriminalität
Immer weniger Jugendliche geraten mit dem Gesetz in Konflikt. Die Kriminalitätsrate in diesem Bereich ist so niedrig wie seit 45 Jahren nicht. Von insgesamt 492.245 Tatverdächtigen war ungefähr jeder fünfte unter 21 Jahren. Die Zahl der jugendlichen Tatverdächtigen bei Gewaltdelikten wie Körperverletzung und Raub ist ebenfalls gesunken. Unter 41.715 als Tatverdächtigen ermittelten Personen waren 12.741 Jugendliche. „Trotz der guten Entwicklung werden wir uns weiter besonders um jugendliche Intensivtäter kümmern. Und unser Präventionsprojekt Kurve kriegen ist bundesweit einmalig“, hob Jäger hervor.
 
Mehr Taschendiebstähle
Beim Taschendiebstahl liegt der höchste Wert seit zehn Jahren vor. Landesweit 54.604 Fälle registrierte die Polizei. Das entspricht einer Steigerung von 1,6 Prozent. Die Aufklärungsquote beträgt 6,5 Prozent. 60 Prozent der ermittelten Tatverdächtigen stammen aus Rumänien, Bulgarien, Bosnien-Herzegowina, Marokko oder Algerien. „Gerade in belebten Fußgängerzonen bemerken Opfer den Diebstahl erst dann, wenn die Täter längst weg sind“, erklärte der Minister. „Das beste Mittel gegen Taschendiebstahl ist deshalb die Präventionsarbeit. Wir müssen noch eindringlicher aufklären und informieren.“ Gleichzeitig wird konsequent verfolgt - insbesondere durch Zivilbeamte.
 
Gewaltkriminalität unverändert
Die Gesamtzahl der Gewaltdelikte blieb mit 46.351 im Vergleich zum Vorjahr nahezu gleich, der Zuwachs betrug lediglich 0,4 Prozent. Gefährliche und schwere Körperverletzungen wurden zu 80,7 Prozent aufgeklärt, sonstige Gewaltdelikte zu 71,1 Prozent. Beim Straßenraub gab es im vergangenen Jahr im Vergleich zum Vorjahr einen deutlichen Rückgang von 7.419 Taten auf 6.709. Das entspricht 9,6 Prozent. Die Aufklärungsquote lag hier bei 35,9 Prozent.
 
Mord und Totschlag
Straftaten gegen das Leben befinden sich auf dem niedrigsten Stand seit 20 Jahren. Im Vergleich zum Vorjahr ist ein Rückgang um 6,2 Prozent auf 422 Fälle zu verzeichnen. 94,5 Prozent dieser Taten wurden aufgeklärt. Die Kriminalpolizei ermittelte 2015 in 1664 Fällen von Mord oder versuchtem Mord. Das sind 21,2 Prozent weniger als im Vorjahr. Es gab 231 Fälle von Totschlag oder versuchtem Totschlag, 3,6 Prozent mehr als 2015.
 



Düsseldorf, 10.03.2016. In scharfer Form kritisierte der Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK) die Äußerungen des Innenministers. Der BDK-Landesvorsitzende Sebastian Fiedler:
 
"Innenminister Ralf Jäger kommentierte gestern Auszüge der polizeilichen Kriminalstatistik 2015 und stellte einige Maßnahmen vor. Die komplette Statistik ist derzeit augenscheinlich noch nicht veröffentlicht. Die ersten Reaktionen der Beschäftigen der NRW-Kriminalpolizei reichen von Erstaunen bis zu Fassungslosigkeit.
 
Heute trifft sich daher in Düsseldorf der NRW-Landesvorstand des BDK und diskutiert in einer Sondersitzung die weiteren Schritte.
 
Die Kripo in NRW ist nicht mehr einverstanden mit dem Kurs des Innenministers und fühlt sich nachhaltig im Stich gelassen. Angesichts dieser dramatischen Kriminalitätsentwicklung der Bevölkerung vermitteln zu wollen, sie müsse selbst auf sich aufpassen, ist nicht nur eine Zumutung sondern auch ein kriminalpolitischer Stockfehler. Der aktuelle Negativtrend wird sich weiter fortsetzen. Warum? Weil wir nicht mehr leisten können als zurzeit. Die Ressourcen reichen hinten und vorne nicht mehr und das ist der wahre Grund dafür, warum wir mit der Kriminalitätsentwicklung nicht mehr Schritt halten können. Die Politik lässt die Bevölkerung, die für ihre Sicherheit viele Steuern zahlt, im Stich. Das wahre Ausmaß der Kriminalität wird noch immer genauso verschwiegen wie die echte Belastung der Kripo. Die 1,5 Millionen Straftaten aus der Statistik und die ca. 2 Millionen Geschädigten, die dort übrigens nicht auftauchen, sind nur ein kleiner Ausschnitt des tatsächlichen Ausmaßes der Kriminalität. In NRW fehlen tausende Kriminalbeamte. Das ist deswegen aktuell besonders schlimm, weil eine solche Politik den rechten Strömungen in die Karten spielt und zugleich ein Sozialgefälle der inneren Sicherheit produziert. Beides nehmen wir nicht hin."





 

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