Kriminalstatistik 2013: Nordrhein-Westfalen

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Quelle: IM NRW und BDK
Veröffentlicht von SecuMedia am 10. März 2014.

Düsseldorf, 10.03.2014. Innenminister Jäger legte am Montag die  Kriminalitätsstatistik 2013 für Nordrhein-Westfalen vor. Sein Fazit: Die Initiativen der NRW-Polizei bei der Kriminalitätsbekämpfung wirken.

Demgegenüber nimmt der Bund Deutscher Kriminalbeamter das Zahlenwerk zum Anlass für kritische Anmerkungen.

Die statistischenFeststellungen: Im vergangenen Jahr hat die Straßenkriminalität abgenommen, es gab zum vierten Mal in Folge weniger Gewalttaten, die Zahl der schweren und gefährlichen Körperverletzungen ging ebenfalls erneut zurück und bei der Kinder- und Jugendkriminalität wurde der niedrigsten Stand seit zehn Jahren registriert. Auch bei den Wohnungseinbrüchen gab es nur einen leichten Anstieg. Die Gesamtzahl der Straftaten ging um 2,2 Prozent (- 33.400) auf 1,48 Millionen zurück. „Das sind gute Nachrichten. Die Bilanz zeigt, dass unsere Polizistinnen und Polizisten engagiert und motiviert für die Sicherheit in NRW arbeiten“, sagte Innenminister Ralf Jäger heute (10.3.) in Düsseldorf.

Die Aufklärungsquote bleibt mit 48,9 Prozent nahezu unverändert. „Das ist ein Wert, der uns nicht zufrieden stellt. Daher investieren wir pro Jahr alleine mehr als vier Millionen Euro in zusätzliche DNA-Untersuchungen, damit die Täter schneller identifiziert werden“, erklärte Jäger.

Die heute vorgestellte Bilanz zeigt: Bei der Einbruchskriminalität und der Cybercrime besteht weiter Handlungsbedarf.

Leichter Anstieg bei Wohnungseinbrüchen

Für das vergangene Jahr verzeichnete die Kriminalstatistik in NRW 54.953 Einbrüche in Häuser und Wohnungen. Das ist eine Zunahme von 1,5 Prozent (+ 786). „Vor dem Hintergrund europaweit deutlich steigender Zahlen ein Ansporn. Wir wollen die Zahl der Einbrüche auf Dauer verringern“, sagte der Innenminister. Die Aufklärungsquote beträgt nahezu unverändert 13,6 Prozent.

Der jüngste Baustein im Kampf gegen Einbrecher in NRW ist „Riegel vor! Mobile Täter im Visier.“ Mit diesem bundesweit einzigartigen Konzept hat die NRW-Polizei den Fahndungs- und Ermittlungsdruck auf überregional tätige Einbrecherbanden erhöht. In den letzten fünf Monaten brachten die Fahnder 72 Intensivtäter hinter Schloss und Riegel. Ihnen wurden allein 2.057 Straftaten nachgewiesen.

Effektiv sind auch die groß angelegten Kontrollen und Razzien der vergangenen Wochen. „Damit stellt sich die Polizei den Diebesbanden in den Weg“, erläuterte Innenminister Jäger. In den Regierungsbezirken Arnsberg, Detmold, Düsseldorf und Köln haben insgesamt 6.500 Polizisten 19.500 Fahrzeuge und 26.000 Personen kontrolliert. Dabei wurden 86 Täter festgenommen und Diebesgut sichergestellt.

Darüber hinaus erlangt die Polizei wichtige Erkenntnisse über Reise- und Fluchtwege sowie die Strukturen dieser Banden. „Die Ermittler können so schnell reagieren und sich auf die aktuellen Brennpunkte konzentrieren. Einbruchserien werden früher gestoppt und Einbrecher schneller gefasst. Wir schränken die Aktionsräume der reisenden Täter ein und nehmen ihnen die Fluchtmöglichkeiten über die Landesgrenzen“, machte Jäger deutlich. Die Polizei ermittelte 2.030 ausländische Wohnungseinbrecher. Das ist die höchste Zahl seit mehr als 30 Jahren. Im Vorjahr waren es 1.851.

In vier von zehn Fällen scheiterte der Einbruch bereits im Versuch, weil Riegel und Alarmanlagen die Täter aufgehalten haben. „Das zeigt, wie wichtig die gute Sicherung der eigenen vier Wände ist. Mit der Präventionskampagne „Riegel vor! Sicher ist sicherer.“ machen wir den Menschen deutlich, dass sich jeder gegen Einbruch schützen kann. Die Polizei berät kostenlos“, betonte Jäger.

Mit Kompetenz gegen Cybercrime

Einen deutlichen Anstieg gab es bei der Cyberkriminalität um 21,5 Prozent auf 27.016 (+ 4.788). Insbesondere die Straftaten der Datenveränderung und der Computersabotage nahmen um 63 Prozent auf über 6.713 Fälle (+ 2.595) zu. In der Mehrzahl der Fälle verschickten die Täter E-Mails mit einer angehängten Schaddatei. Sie spähen damit Nutzerdaten aus, um in Datennetze einzudringen oder Zugangsdaten zu stehlen.

Das Cybercrime-Kompetenzzentrum des Landeskriminalamtes ermittelt in herausragenden Verfahren in der Zentralen Internetrecherche, der Auswertestelle für Kinderpornografie sowie der Computerforensik und Telekommunikationsüberwachung. Hier arbeiten rund 100 spezialisierte Polizeibeamte, Wissenschaftler und Techniker. Die Experten unterstützten im vergangenen Jahr in 923 Fällen andere Dienststellen. Darunter waren 13 umfangreiche Ermittlungsverfahren. Die Spezialisten der Zentralen Internetrecherche initiierten im vergangenen Jahr 710 komplexe Ermittlungsverfahren, zum Beispiel im Spektrum politisch motivierter Kriminalität, Kinderpornographie und illegalem Handel mit Medikamenten und Betäubungsmitteln. „Das zeigt, dass wir bei der Cyberkriminalität weiter zupacken müssen“, sagte Minister Jäger. „Die Straftäter nutzen die weltweiten Informations- und Kommunikationstechniken auf nahezu allen Deliktfeldern. Die NRW-Polizei hat sich darauf eingestellt.“

Die LKA-Experten unterstützen Unternehmen und Behörden bei der Abwehr von Hacking- oder DDOS-Attacken. Im vergangenen Jahr gingen hier 605 Anfragen ein. Im Jahr davor waren es 198. Jäger: „Gerade bei den kleinen und mittelständischen Unternehmen genießt das Kompetenzzentrum einen hervorragenden Ruf. Die Unternehmer wissen, dass ihnen schnell und professionell geholfen wird.“

Jugendkriminalität: Niedrigster Stand seit 43 Jahren

Der positive Trend der vergangenen Jahre bei der Jugendkriminalität setzt sich fort. Immer weniger Kinder und Jugendliche geraten mit dem Gesetz in Konflikt. Im Vergleich zum Vorjahr sind fünf Prozent weniger Jugendliche (- 6.988) straffällig geworden. Von insgesamt mehr als 477.900 ermittelten Tatverdächtigen waren 108.011 jünger als 21 Jahre. Das ist ein Anteil von 22,6 Prozent und damit der niedrigste Stand seit 43 Jahren.

„Trotz der guten Entwicklung behalten wir die Kinder- und Jugendkriminalität fest im Blick“, machte der Innenminister deutlich. „Das gilt besonders für die jugendlichen Mehrfachtatverdächtigen, die fünf oder mehr Straftaten pro Jahr begehen.“ Deren Zahl ging um 4,1 Prozent auf 6.706 zurück (- 291). „Damit auch diese Jugendlichen die Kurve kriegen, kümmert sich die Polizei seit vielen Jahren erfolgreich mit individuellen Programmen um jugendliche Intensivtäter“, hob Jäger hervor. „Mit unserem bundesweit einmaligen Präventionsprojekt „Kurve kriegen“ setzen wir aber noch früher an. Wir verhindern, dass Kinder dauerhaft in die Kriminalität abgleiten.“

Weniger Gewalt- und Straßenkriminalität

Im vergangenen Jahr gab es einen Rückgang der Straßenkriminalität um sechs Prozent auf 389.000 Taten. Das ist ein Minus von 24.600 Fällen. Auch bei der Gewaltkriminalität setzt sich der positive Trend der Vorjahre fort. Die Statistik belegt 46.983 Taten, 4,4 Prozent weniger als im Jahr 2012 (- 2.176). Die Polizei klärte 70 Prozent der Gewaltdelikte auf. Bei den gefährlichen und schweren Körperverletzungen, die um sechs Prozent auf 30.062 (- 1917) zurückgingen, lag die Aufklärungsquote bei über 80 Prozent.

Mord und Totschlag: Hohe Aufklärungsquote

Die Anzahl der Straftaten gegen das Leben, einschließlich der Versuche, hat im vergangenen Jahr um 6,4 Prozent auf 452 Fälle zugenommen (+ 27). Das ist der zweitniedrigste Wert der vergangenen 20 Jahre. Die Ermittler klärten 94 Prozent der Taten auf. Die Kriminalpolizei ermittelte im Jahr 2013 in 122 Mordfällen und Mordversuchen. Das sind 17 Fälle mehr als im Jahr davor. Die Anzahl der Totschlagsdelikte einschließlich der Versuche stieg um 11 Fälle auf 225.
 

BDK: Polizeiliche Kriminalstatistik spiegelt nicht die Realität wieder

Unmittelbar nach der Veröffentlichung der Statistik meldete sich auch der Bund Deutscher Kriminalbeamter mit einer kritischen Wertung zu Wort:

Der Wohnungseinbruchsdiebstahl ist in NRW auch 2013 angestiegen. Mit etwa 55.000 Taten, einer erneuten Steigerung von 1,5% und einer wieder gesunkenen Aufklärungsquote auf 13,6% wird nur jeder neunte Einbruchsversuch oder vollendete Einbruch aufgeklärt. „Dies verunsichert die Menschen, die als Opfer in ihrem persönlichen Lebensumfeld sehr beeinträchtigt werden und lässt die Kriminalitätsfurcht im Wohnquartier ansteigen“, sagte heute in Düsseldorf Wilfried Albishausen, Landesvorsitzender des BDK in NRW anlässlich der Vorstellung der Landeszahlen. „Die seit Jahren forcierten Bemühungen, mit Ermittlungsgruppen und Sondereinsätzen wie der NRW-weiten Aktion  „Riegel vor“ die Lage in den Griff zu bekommen, sind zwar richtig, zeigen jedoch zu wenig Wirkung. Am Ende der Maßnahmenkette stehen einfach zu wenig Ermittler zur Verfügung, um die gewonnenen Erkenntnisse auch in Aufklärung umzusetzen. Die Zahlen in den Kreispolizeibehörden sind unterschiedlich angestiegen oder sogar auch gesunken. „Das darf aber nicht über die Gesamtentwicklung täuschen“, erklärte Albishausen weiter. „Die Täter grasen eine Stadt oder eine Region ab und ziehen weiter. Dies zeigt anschaulich die in Dortmund vor wenigen Wochen ermittelte Tätergruppe, die entlang der Hauptverkehrsachsen in NRW und darüber hinaus ihre Spuren hinterlassen hat.“

In NRW fehlen insgesamt bis zu 2000 Kriminalisten, die jung und als professionelle Ermittler ausgebildet sind. Deshalb fordert der BDK weiterhin eine frühe Spezialisierung in der Ausbildung von Kriminalisten im Rahmen des Bachelorstudienganges an der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung, so dass junge und gut ausgebildete Spezialisten für die professionelle Kriminalitätsbekämpfung zur Verfügung stehen. „Die unterschiedlichen Kernaufgaben der Polizei erfordern sicher gemeinsame, aber auch spezialisierende Studieninhalte wie Kriminalistik und Kriminologie, so Albishausen weiter. „Kriminalisten müssen keine Geschwindigkeiten messen können oder Verkehrsunfälle aufnehmen können. Sie müssen in der Anwendung kriminalistischer Methoden fit sein und die Bearbeitung schwieriger Ermittlungsverfahren beherrschen.“ 

„Besorgniserregend ist die Entwicklung bei den Fallzahlen der Internetkriminalität“, betonte Albishausen. „Das Internet als Tatmittel ist um ca. 30% auf mehr als 56700 Straftaten gestiegen. Hier darf die Kriminalpolizei nicht den Anschluss an die Entwicklung verpassen. Straftäter suchen sich zunehmend Opfer im Internet. „Sorge bereiten Betrugshandlungen, bei denen Datenveränderungen vorgenommen werden oder Betrüger illegal erworbene Daten von Zahlungskarten sowie gehackte E-Mail-Accounts nutzen und dabei die Anonymität des Internets ausnutzen. Bei diesen Straftaten sind umfangreiche Recherchen im Netz durchzuführen. Hier sollten neben den Kriminalisten vermehrt IT-Spezialisten eingestellt werden, die im Team mit den Ermittlern arbeiten können. Das Phishing (Ausspähen von Daten durch Schadsoftware auf dem Rechner des Betroffenen) stellt immer noch den Großteil der Straftaten bei der Internetkriminalität dar. „Hier unterstützt der BDK in NRW die Forderung des NRW-Innenministers nach der Wiedereinführung der Vorratsdatenspeicherung“, so Hermann-Josef Borjans, Sprecher für Kriminalprävention und Opferschutz im Bundesvorstand.  „Wenn den Kriminalisten die Möglichkeit fehlt, bei den Telefonanbietern zu recherchieren, verlaufen die Ermittlungen im „Off“.

„Die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) ist in ihrer heutigen Form nicht mehr zeitgemäß, um das Hell- und Dunkelfeld der Kriminalitätsbelastung in NRW und auch im gesamten Land realistisch darzustellen. Sie muss dringend evaluiert werden“, machte Borjans deutlich.  „Die PKS bildet ausschließlich polizeilich bearbeiteten Strafanzeigen ab.“ Für eine analytische, wissenschaftliche Auswertung fehlen konkrete Opferdaten. So könne etwa auf die demografische Entwicklung in unserer Gesellschaft und damit einhergehenden Straftaten wie dem „Enkeltrick“ nicht frühzeitig reagiert werden, da das Alter von Opfern nicht in die Statistik einfließt. Die Zahl der Straftaten gegen Senioren insbesondere im Bereich des Betruges hat sich in den letzten Jahren vervielfacht.

Auch die Tatsache, dass in der Statistik ausschließlich Fallzahlen veröffentlicht werden und nicht die Zahl der tatsächlich Geschädigten von Straftaten, verfälscht das Bild. So wird etwa bei Seriendelikten, die von einem Täter ausgehen, nur ein Fall erfasst, obwohl Dutzende Geschädigte betroffen sind.

„Eine analytische, kriminalistische und kriminologische Auswertung ist aber nach Meinung des Bund Deutscher Kriminalbeamter zwingend notwendig, um auf Entwicklungen frühzeitig reagieren zu können“, machte Borjans abschließend deutlich.

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