Kriminalstatistik 2013: Mecklenburg-Vorpommern

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Quelle: IM MVP
Veröffentlicht von SecuMedia am 25. März 2014; zuletzt aktualisiert am 26. März 2014.

Schwerin, 25.3.2014. Innenminister Lorenz Caffier hat heute die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) für das Jahr 2013 vorgestellt. Die wichtigsten Eckdaten:

  • Die Zahl der Straftaten insgesamt ist mit 120.484 auf dem niedrigsten Niveau.
  • Die Straßen- und Gewaltkriminalität hat erheblich abgenommen.
  • Die Strategie zur Bekämpfung der Computerkriminalität wird weiterentwickelt

"Erfreulicherweise hat sich die positive Entwicklung der Polizeilichen Kriminalstatistik auch im Berichtsjahr 2013 fortgesetzt. So ist die Zahl der erfassten Straftaten weiter zurückgegangen, auch die Aufklärungsquote liegt wie im Vorjahr mit 58,3 % auf einem hohen Niveau. Deutliche Rückgänge sind im Bereich der Straßen- und Gewaltkriminalität zu verzeichnen. Hier gingen die Fallzahlen um 11,4 % bzw. 9,8% zurück", sagte der Minister für Inneres und Sport Lorenz Caffier.

Im Jahr 2013 wurden insgesamt 120.484 Straftaten registriert. Die Fallzahl hat im vergangenen Jahr gegenüber 2012 um ca. 6.200 Straftaten bzw. um rund 5 % abgenommen. Die Häufigkeitszahl sank um 354 Fälle auf 7.529 Straftaten pro 100.000 Einwohner.

Die Aufklärungsquote verringerte sich zwar geringfügig von 58,5 % im Jahr 2012 auf 58,3 % im Jahr 2013, bleibt damit aber nach wie vor auf hohem Niveau. Insgesamt wurden 70.251 Straftaten aufgeklärt. Die höchsten Aufklärungsergebnisse wurden wie in den Jahren zuvor bei den Straftaten gegen das Leben erreicht. Hier konnten alle 59 Straftaten aufgeklärt werden.

Im letzten Jahr wurden 45.175 Tatverdächtige ermittelt. Dabei ist die Zahl der unter 21-jährigen Tatverdächtigen deutlich zurückgegangen. Insgesamt wurden im vergangenen Jahr 8.523 junge Straftäter registriert. Das sind 11,5 % (- 1.107) weniger junge Menschen, die straffällig geworden sind, als noch im Vorjahr. Erheblich weniger unter 21-jährige Tatverdächtige wurden wieder in den jugendtypischen Deliktsbereichen wie der Straßenkriminalität und der Gewaltkriminalität registriert. Hier nahm die Zahl der Jungtäter um 21,7 % (- 477 Tatverdächtige) bzw. um 18,9 % (- 223 Tatverdächtige)
ab.

Bei den nichtdeutschen Tatverdächtigen wurden mit 3.874 Personen 163 mehr als im Vorjahr festgestellt. Ihr Anteil an der Gesamtzahl der Tatverdächtigen ist von 7,8 % auf 8,6 % gestiegen. Der Wert ist trotz des Anstieges aber im Vergleich zum Bund (24 % im Jahr 2012 - bundesweite Zahlen für das Jahr 2013 liegen noch nicht vor) gering. Dabei darf nicht außer Acht gelassen werden, dass  Mecklenburg-Vorpommern Transitland an einer offenen EU-Binnengrenze ist. Der Zuwachs an nichtdeutschen Tatverdächtigen resultiert aber nicht aus einem Zuwachs an polnischen Tatverdächtigen. Diese Zahl ging vielmehr erneut um 1,5% auf 881 Personen zurück.

Bei einer näheren Betrachtung der nichtdeutschen Tatverdächtigen fällt auch auf, dass 28,9 Prozent von ihnen (etwa 1.120 Tatverdächtige) ihren Wohnsitz im Ausland hatten. Das sind lediglich ein Drittel der registrierten nichtdeutschen Tatverdächtigen. Die anderen zwei Drittel, nämlich über 2.600 Personen, hatten dagegen ihren Wohnsitz in Deutschland.

Entwicklung in einigen Kriminalitätsbereichen:

Die meisten Straftaten (37,8 %) wurden auch im Jahr 2013 im Bereich des Diebstahls registriert. Wie in den Vorjahren ging die Fallzahl aber um 6,9 % bzw. 3.394 Fälle auf insgesamt 45.586 Straftaten zurück. Von der rückläufigen Fallentwicklung sind beide Diebstahlsbereiche, der einfache und der schwere Diebstahl betroffen: So ging die Zahl der Straftaten des einfachen Diebstahls um 6,0 % bzw. um 1.302 Fälle auf 20.483 Fälle zurück. Beim schweren Diebstahl wurden ca. 2.100 weniger Straftaten erfasst, was einem Rückgang um 7,7 % entspricht (2013 ca. 25.100 schwere Diebstähle, 1993 waren es noch 125.984 derartige Delikte - also das Fünffache gegenüber 2013).

Der zum schweren Diebstahl gehörende Wohnungseinbruchdiebstahl war im vergangenen Jahr allerdings nicht rückläufig. Die Zahl dieser Fälle erhöhte sich vielmehr um 108 auf 1.521 Einbrüche.

Die im Zusammenhang mit Wohnungseinbrüchen registrierten Schäden beliefen sich im vergangenen Jahr auf 4,7 Mio. Euro. Im Jahr 2012 betrug der Schaden noch rund 2,9 Mio. Euro.

Der Anteil professioneller überregionaler Wohnungseinbruchstäter, ist in Mecklenburg-Vorpommern geringer als in vielen anderen Bundesländern. Dies zeigt sich auch daran, dass über 90% der aufgeklärten Wohnungseinbrüche in Mecklenburg-Vorpommern durch einheimische Täter begangen wurden. Auch hat das Land eine im Vergleich zur bundesweiten Aufklärungsquote, die im Jahr 2012 bei 15,7 % lag, mit 30,2 % eine etwa doppelt so hohe Aufklärungsquote.

Neben dem Wohnungseinbruch erhöhte sich auch der Diebstahl von Kraftwagen leicht - um 39 auf 1.182 Fälle.

Ein deutlicher Rückgang ist bei den Vermögens- und Fälschungsdelikten um 648 Fälle bzw. 2,9 % auf insgesamt ca. 22.000 Straftaten zu verzeichnen, vor allem weil die Zahl der Straftaten im Bereich der Leistungserschleichung um 1.632 Fälle zurückging.

Zuwächse waren dagegen bei den Straftaten gegen das Leben festzustellen. Bei den Straftaten gegen das Leben stieg die Fallzahl im vergangenen Jahr um 6 auf 59 Fälle. Sie liegt damit aber immer noch deutlich unter dem in den letzten zehn Jahren überwiegend bestehenden Niveau von jährlich 70 bis 80 Fällen. Der Fallzuwachs von 2013 resultiert hauptsächlich aus der Entwicklung beim Totschlag und bei der fahrlässigen Tötung. So erhöhte sich die Fallzahl beim Totschlag um 4 auf 35 Verbrechen und bei der fahrlässigen Tötung um 7 auf 19. Fälle des Mordes gingen dagegen von 10 auf 5 Verbrechen zurück. Sowohl beim Totschlag als auch beim Morden handelt es sich vielfach um Versuche (Totschlag: 30, Mord: 2).

Erhöht hat sich auch die Computerkriminalität, und zwar mit 48,5 % beträchtlich. Die Fallzahl stieg damit in diesem Bereich auf 2.479 Straftaten.

Erhebliche Rückgänge gibt es bei der Gewaltkriminalität (-9,8 % bzw. -353 Fälle) und bei der Straßenkriminalität (-11,4 % bzw. -3.191 Fälle).

Kriminalitätsentwicklung in der Grenzregion (Landkreis Vorpommern-Greifswald):

"Die Landespolizei hat die Sorgen der Bürgerinnen und Bürger im Zusammenhang mit der Kriminalitätsentwicklung in der Grenzregion von Anfang an sehr ernst genommen und zum Beispiel schwerpunktmäßig ihre Präsenz erhöht. Ich freue mich, dass wir gerade in diesem Bereich Erfolge aufweisen können", so Innenminister Caffier.

Die Zahl der Straftaten hat sich dort im vergangenen Jahr um 340 auf etwas über 18.000 erhöht. Im Ergebnis dessen erhöhte sich auch die Häufigkeitszahl. Mit 7.523 Fällen auf 100.000 Einwohner liegt diese aber immer noch knapp unter dem Landesdurchschnitt von 7.529. Angestiegen sind im Grenzkreis vor allem die Wohnungseinbrüche und damit die schweren Diebstahlsdelikte. 154 mehr Einbrüche in Wohnungen und damit insgesamt 399 dieser Straftaten mussten wir im vergangenen Jahr registrieren. Der Landkreis weist damit landesweit mit Abstand die höchste Fallzahl aus. Die danach am stärksten Betroffenen, die Hansestadt Rostock und der Landkreis Rostock, folgen erst mit 229 bzw. 174 Fällen - jeweils ca. 200 Straftaten weniger als Vorpommern-Greifswald.

Der massive Anstieg der Wohnungseinbrüche hat teilweise für heftige Unruhe in den besonders betroffenen Regionen des Grenzkreises geführt. In der Hansestadt Greifswald gab es 79 Einbrüche, in Heringsdorf 77 und im Amt Usedom-Süd 55. Damit konzentriert sich über die Hälfte der Wohnungseinbrüche des Landkreises auf diese drei Regionen. "Mit Blick auf die Wohnungseinbrüche, aber auch auf die Kriminalität insgesamt, ist es mir wichtig, einmal mehr darauf hinzuweisen, dass Straftaten am meisten durch Einheimische begangen werden. So wurden im Grenzkreis zu den Wohnungseinbrüchen lediglich 20 Nichtdeutsche und dem gegenüber 68 Deutsche als tatverdächtig registriert", berichtet Caffier.

Caffier weiter: "Zur Bekämpfung der Wohnungseinbrüche wurde bereits im vergangenen Jahr 2013 eine spezielle Ermittlungsgruppe beim Kriminalkommissariat Anklam eingerichtet. Die Fahndungs- und Kontrollmaßnahmen im Grenzgebiet werden durch Beamte der Bereitschaftspolizei und der aus Landespolizei, Bundespolizei und Zoll bestehenden Gemeinsamen Diensteinheit unterstützt. Die Maßnahmen sollen insgesamt dazu beitragen, den Wohnungseinbrüchen noch wirksamer zu begegnen."

Präsentation PKS 2013 (1,01 MB)
 

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) Mecklenburg-Vorpommern sieht keinen Grund für eine Entwarnung. Statt dessen bestätige die PKS einmal mehr die Befürchtungen der GdP. So sei z.B. die Entwicklung der Wohnungseinbrüche in einigen Regionen besorgniserregend.

Der Landesvorsitzende der GdP Christian Schumacher erklärte dazu: „Mit 37,8 Prozent nimmt die Diebstahlskriminalität noch immer die traurige Spitze der heute veröffentlichten polizeilichen Kriminalstatistik ein. Sorgenkind für die Gewerkschaft der Polizei ist und bleibt dabei die gestiegene Anzahl von Wohnungseinbrüchen. Diese führen zu einer erheblichen Beeinträchtigung des Sicherheitsgefühls der Bürgerinnen und Bürger unseres Landes.“

Auch die Entwicklung der Computerkriminalität sei mehr als besorgniserregend. Steigerungsraten von 48,6 Prozent zum Vorjahr sprächen eine deutliche Sprache. Noch bedenklicher sei allerdings, dass zugleich die ohnehin schon schlechte Aufklärungsquote noch weiter gesunken sei.

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