Kriminalstatistik 2013: Berlin

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Quelle: Innensenator Berlin
Veröffentlicht von SecuMedia am 24. Februar 2014.

Berlin, 24.02.2014. Berlins Innensenator Frank Henkel hat heute anhand eines Kurzberichts zur Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) und einem Papier zur Politisch Motivierten Kriminalität (PKM) die wichtigsten Kriminalitätsdaten des vergangenen Jahres dargestellt. Rückläufig sind insbesondere die Zahlen bei Gewalttaten und Wohnungseinbrüchen.

Bei Gewaltverbrechen, insbesondere bei Mord und Totschlag, Raub und bei gefährlichen und schweren Körperverletzungen sind die ermittelten Fallzahlen für das Jahr 2013 deutlich gesunken. So ist die Zahl der Tötungsdelikte um 27,9% zurückgegangen, Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung um 6,6%, die Raubtaten um 3,1% und die gefährlichen und schweren Körperverletzungen um 7,1%. Letztgenannte gingen bei der Begehung auf öffentlichen Straßen, Wegen und Plätzen sogar um 13,5% zurück und damit auf den niedrigsten Wert der letzten 10 Jahre. Innensenator Henkel sieht darin eine Bestätigung der Bemühungen um mehr polizeiliche Präsenz im öffentlichen Raum.

Bei den Einbrüchen wurde eine Trendumkehr erreicht: Nach einem deutlichen Anstieg von 2010 bis 2012 ist im Jahr 2013 der Wohnraumeinbruchdiebstahl insgesamt um 5,9% zurückgegangen. So wurden 797 oder 8,2% weniger Wohnungseinbrüche registriert, wohingegen die Einbrüche in Villen/Einfamilienhäuser um 2,9% zugenommen haben. Die Aufklärungsquote bei diesem Phänomen konnte um 0,8 Prozentpunkte auf 7,3% gesteigert werden und knapp 40% aller Tathandlungen endeten im Versuchsstadium. Diese Erfolge sind auf eine Vielzahl von Maßnahmen zurückzuführen, die von polizeiorganisatorischen und länderübergreifenden Maßnahmen bis zu verstärkter Präventions- und Öffentlichkeitsarbeit der Polizei reichten.

Im Bereich der Straftaten im ÖPNV gibt es einen Rückgang bei den Delikte mit Gewaltcharakter zu verzeichnen (-1,7%). Auch der Bereich der Beförderungserschleichung ist erneut um 21% zurückgegangen. Insgesamt nahmen die im ÖPNV betrachteten ausgewählten Straftaten gegenüber dem Vorjahresvergleichszeitraum um 1.924 auf 19.542 Fälle zu (+10,9%). Maßgeblich für diese Entwicklung waren deutliche Steigerungen beim Taschendiebstahl (+27,4%) und beim sonstigen einfachen Diebstahl (+26,5%). Die Polizei hat 2013 im ÖPNV insgesamt 160.000 Einsatzkräftestunden geleistet, mehr als dreimal soviel wie 2006.

Erfreulich ist auch, dass sich der seit 2008 anhaltende Trend des Rückgangs der Jugendkriminalität fortsetzt, auch der Anteil an jungen Menschen an den insgesamt begangenen Straftaten nimmt weiterhin ab. Hingegen hat die Jugendgruppengewalt, d.h. Straftaten die von mindestens zwei Tatverdächtigen zwischen 8 und bis unter 21 Jahren begangen werden, zugenommen.

Ein weiteres Kriminalitätsphänomen, auf das Berlin ein besonderes Augenmerk legt, ist die so genannte Cyberkriminalität, also Straftaten unter Ausnutzung der Informations- und Kommunikationstechnik. An erster Stelle sind dabei Betrugsdelikte mittels Internet zu nennen, wobei Betrugsdelikte mit und ohne Internet mit 83% den Großteil der Vermögens- und Fälschungsdelikte ausmachen. Der überwiegende Teil der Betrugsdelikte (64,4%) wird wiederum mittels rechtswidrig erlangter Debitkarten mit und ohne PIN begangen. Die Cyberkriminalität, mit der sich bisher knapp 30 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Berliner Kriminalkommissariaten befassen, ist für die Berliner Polizei in Bezug auf die Gewinnung von fachlich qualifiziertem Personal und die organisatorische Aufstellung eine der Herausforderungen für die Zukunft. Um diese wichtigen Bereiche zu stärken, werden im Haushalt 2014/15 insgesamt vier neue Informatikerstellen geschaffen.

Den erfreulichen Entwicklungen in der Kriminalitätsstatistik für 2013 stehen insbesondere Zuwächse im Bereich der Diebstahlsdelikte gegenüber: Bei den Diebstählen haben jene an und aus Kfz (+16,8%), der Diebstahl von Kfz (+15,6%), Taschendiebstähle (+15,7%) und Kellereinbrüche (+15,1%) zugenommen. Auch im ÖPNV sind Diebstähle das vorherrschende Delikt.

Die Zahl der bekannt gewordenen Straftaten ist im Vergleich zum Vorjahr 2012 insgesamt um 1,6% gestiegen. Die Aufklärungsquote sank um einen Prozentpunkt auf 43,7%. Die deutliche Zunahme der Eigentumsdelikte ist mit Ursache für die Zunahme der Straftaten einerseits sowie für das Absinken der Aufklärungsquote andererseits, da nur etwa jedes fünfte Diebstahlsdelikt aufgeklärt wird. Trotz der Zunahme der registrierten Straftaten hat aber die Häufigkeitszahl, die die Anzahl der Straftaten auf die Einwohnerzahl bezieht, nur um 0,1% im Vergleich zum Vorjahr zugenommen (von 14.892 auf 14.908 je 100.000 Einwohner und Einwohnerinnen), da die Einwohnerzahl Berlins im vergangenen Jahr um knapp 50.000 angestiegen ist.

Im Rahmen des „Kriminalpolizeilichen Meldedienstes in Fällen Politisch motivierter Kriminalität“ wurden im Jahr 2013 3.091 Fälle gemeldet. Das ist ein Anstieg des Fallaufkommens im Vergleich zum Vorjahr um 10%. In 441 Fällen handelte es sich um Gewaltdelikte, was ein Anstieg gegenüber dem Jahr 2012 um 26 % bedeutet.

Während genauso viele Fälle der politisch motivierten Kriminalität (PMK) rechts festgestellt wurden wie 2012, nahmen die PMK-Fälle links um 18% und die der PMK-Ausländerkriminalität um 7% zu. Die Aufklärungsquote für das gesamte Fallaufkommen der PMK ist von 36% im Jahr 2012 auf 39% in 2013 gestiegen.

Ein Schwerpunktthema für die rechte Szene mit 64 Fällen im Jahr 2013 stellte die Eröffnung einer Gemeinschaftsunterkunft für Flüchtlinge dar, die die rechtsextreme Szene zu Propagandazwecken genutzt hat.

Die Fallzahlen im Phänomenbereich PMK-links erreichten im Berichtszeitraum den dritthöchsten Stand der letzten zehn Jahre. Vor allem Körperverletzungen und Landfriedensbrüche haben zugenommen.

Das Fallaufkommen im Phänomenbereich politisch motivierter Ausländerkriminalität ist leicht gestiegen. Vor allem bei den Fällen der Deliktsart Terrorismus ist ein Anstieg um 12 Fälle auf 16 Fälle zu verzeichnen. Dabei handelt es sich in 14 Fällen um Verstöße gegen den § 89a StGB (Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat). Hierunter fällt unter anderem auch die Aneignung von Wissen durch die Teilnahme an terroristischen Ausbildungslagern. Die Gewaltdelikte sanken hingegen um sieben Fälle auf 41 Fälle.

23 Mal waren Brandstiftungen gegen Kraftfahrzeuge politisch motiviert, bei insgesamt 249 Fällen mit 290 direkt angegriffenen Kfz. Dies entspricht ungefähr dem Niveau, von 2012, als es bei 243 Fällen 297 direkt angegriffene Kfz gab und 24 Fälle als politisch motiviert eingestuft worden waren.

Die Kurzberichte zur Polizeilichen Kriminalstatistik Berlin 2013 und der Lagebericht zur politisch motivierten Kriminalität 2013 sind als Download im Internet verfügbar unter:
http://www.berlin.de/sen/inneres/sicherheit/polizei/kriminalstatistiken-und-lagebilder/2013/artikel.84444.php
Die bisher üblichen Langfassungen der Jahresberichte mit ausführlichen Kommentierungen wird es weiterhin geben; sie sollen vor der parlamentarischen Sommerpause veröffentlicht werden.

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