Eine Welt in Unordnung

aus SecuPedia, der Plattform für Sicherheits-Informationen

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Quelle: ASW Nord
Veröffentlicht von Datakontext am 12. Mai 2022.

Den 7. Norddeutschen Sicherheitstag in der letzten Woche im Hamburger Volksparkstadion könnte man als „Weckruf von Hamburg“ bezeichnen. Die Resilienz und Widerstandskraft der Wirtschaft war das beherrschende Thema. Namhafte Experten stellten Strategien zur Gefahrenabwehr vor und appellierten an die Wirtschaft, mit proaktivem Krisenmanagement zu beginnen. Deutsche Wirtschaftsunternehmen können von der Ukraine lernen.
 
Die erste große Präsenzveranstaltung der Allianz für Sicherheit in der Wirtschaft Norddeutschland e.V. (ASW Nord) nach der Corona-Pandemie wurde von fast 110 Teilnehmern besucht. Der Sicherheitschef der HSV Fußball AG, Kurt Krägel, begrüßte als Hausherr im Namen vom HSV-Chef Bernd Wehmeyer die Konferenzteilnehmer und freute sich über die große Anzahl von Sicherheitsexperten in seinem Hause. Die langjährige hervorragende Zusammenarbeit der ASW Nord mit dem HSV lobte er ausdrücklich und brachte seine Hoffnung nach Lösungsstrategien in dieser besonderen Zeit zum Ausdruck.

Der Geschäftsführer der ASW Norddeutschland, Markus Wagemann, zeigte sich sehr zufrieden mit der Tagung. „Mit dem aktuellen Thema und Antworten, warum die Wirtschaft in der Ukraine während des Krieges immer noch funktioniert, haben wir und unsere Speaker Akzente, verbunden mit Appellen, an die deutsche Wirtschaft gesetzt. Die Tagung mit den vielen Kontakten und zehn Messeständen namhafter Sicherheitsunternehmen war ein voller Erfolg.“
 
Die Konferenz begann mit einem Vortrag von Frank Busch, Leiter der Konzernsicherheit in der Continental AG mit dem Thema „Eine Welt in Unordnung – Strategien zur Gefahrenabwehr“. Der Leitspruch seines Vortrags lautet „Heute das Morgen schützen“.  In der Vergangenheit stand Conti vor der Herausforderung unsicherer Lieferketten. Dieses Problem konnte durch den Einsatz eines ganzheitlichen Risikomanagements mit reaktiven Lagebildern gelöst werden. Bekannte Bedrohungsfaktoren müssen periodisch neu lokalisiert werden. Mit diesen konsequenten Methoden kann ein Wirtschaftsunternehmen widerstandsfähig werden.
 
Der Hamburger Polizeipräsident Ralf Martin Meyer referierte dem gegenüber aus der öffentlichen Executive. Bis auf hohe Fallzahlen im Bereich Internetkriminalität, mit einem erheblichen Dunkelfeld, verzeichnet die Polizei seit Beginn der Corona-Pandemie fallende Statistikzahlen der Kriminalität, sowohl in der Eigentums- als auch in der Gewaltkriminalität. Die Rolle der Polizei in der Pandemie war schwierig; Einschränkungen von Versammlungen und umfangreiche Überwachungen führten zu einer steigenden Gewalt gegen Sicherheitskräfte. Der Krieg in der Ukraine stellt für seine Polizei bislang, bis auf den Objektschutz, wenige Herausforderungen dar. Um die Polizei zukunftssicher zu machen, erfolgt derzeit eine Modernisierung der digitalen Infrastrukturen bei POL 2020 durch Vereinheitlichung der Prozesse, MOBIPOL, PERLE und auch der App Mydak. Die Frage aus dem Podium, was macht die Polizei gegen Gewalt gegenüber Sicherheitskräften, beantwortete  Meyer mit den Maßnahmen: Deeskalationsausbildung sowie eine flächendeckende Einführung von Bodycams und Tasern. Meyer wünscht sich eine Diskussion über die Ursachen in unserer Gesellschaft.
 
Großes Interesse der versammelten Sicherheitsexperten fand der Beitrag von Prof. Dr. Sven Eisenmenger vom Forschungsinstitut FORSI in der Akademie der Polizei Hamburg. Für ein geplantes Gesetzgebungsverfahren zur Modernisierung der Sicherheitsbranche schlägt er ein „Sicherheitswirtschaftsgesetz“ vor. Dieses sollte alle Aspekte aus der Gewerbe- und Bewachungsverordnung enthalten. Als Alternative für den Streitpunkt „Inhouse-Security“ hält  Eisenmenger die Übertragung der gesetzlichen Pflichten auf die „Inhouse-Security“ in Wirtschaftsunternehmen der gefährdeten kritischen Infrastrukturen für möglich.Überraschenderweise hat das Bundesinnenministerium in einer Ankündigung nach der Konferenz einen Gesetzentwurf für ein „Sicherheitsgewerbegesetz“ angekündigt. Die Branche und auch FORSI werden diese Entwicklung mit Interesse verfolgen.
 
Ganz klassisch und interaktiv, ohne PowerPoint Präsentation und nur mit einem Kurbelradio auf dem Podium,  machte Albrecht Broemme als Ehrenpräsident des THW wunderbar deutlich, dass ein funktionierender Bevölkerungsschutz Resilienz voraussetzt. Mit einem Zitat von Lenin: „Schlimmer als blind ist nichts sehen zu wollen!“ beklagt er das bisherige Desinteresse der Verantwortlichen in Politik und Verwaltung, aber auch der Wirtschaft. Humorig empfahl er allen Teilnehmern die Anschaffung eines unabhängigen Kurbelradios für den Fall eines  „Blackouts“.
 
Das Kunststück, Teilnehmer einer Konferenz, bis Schluss zu begeistern, brachte der gebürtige Ukrainer und Sicherheitsmanager Felix Timtschenko fertigt. In seinem Vortrag „Krisenmanagement in Extremsituationen“ führte er den Experten mit Tatsachenberichten aus der Ukraine vor Augen, wie die Wirtschaft sich auf Krisen vorbereiten muss, um bestehen zu können. Nach seinen Worten ist Timing alles: Krisenteams in Firmen einrichten, Krisenkommunikation praktizieren und regelmäßig Übungen zur Krisenbewältigung durchführen.
 
Der „Munich Security Report 2022“ beschäftigt sich mit dem, aus der stetig anwachsenden Flut sich wechselseitig verstärkender Krisen, erwachsenden Gefühl "kollektiver Hilflosigkeit" und regt die Debatte darüber an, wie wir den empfundenen Kontrollverlust überwinden können. Diese Konferenz gab dazu deutliche Impulse für eine widerstandsfähige Wirtschaft.
 

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