AKW Philippsburg: Stillstand von Block 2 dauert vorerst an

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Quelle: Umweltministerium BW
Veröffentlicht von SecuPedia-Redaktion am 7. Juni 2019.

Philippsburg / Stuttgart, 06.06.2019 - Am Mittwoch (05.06.) hat das Energieunternehmen EnBW den Block 2 des Kernkraftwerks Philippsburg vorsorglich heruntergefahren. Grund war laut Mitteilung der EnBW ein Schaden an einem der Notstromaggregate der Anlage. Festgestellt wurde bei einer ersten technischen Klärung eine „Rissbildung in einem der Turbolader des Dieselmotors, der das Aggregat antreibt“, so das Unternehmen am Tag darauf (Mitteilung vom 06.06.). Bis zur weiteren Ursachenklärung werde der Stillstand von Block 2 vorerst andauern. Die EnBW hat nach eigenen Angaben eine erste formale Bewertung des aktuellen Befunds vorgenommen und fristgerecht an die Aufsichtsbehörde - das Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg - gemeldet.

„Das Ereignis ist als sicherheitstechnisch bedeutsame Störung einzustufen“, erklärte das Umweltministerium Baden-Württemberg. Die Behörde berichtet: „Im Bedarfsfall wäre der Notstromdiesel nicht einsatzbereit gewesen. Da nicht auszuschließen ist, dass dieser Befund bereits seit längerem vorliegt, geht der Betreiber bei seiner Bewertung der Situation von einer Nichtverfügbarkeit dieses Notstromdiesels seit der letzten erfolgreichen Lastlaufprüfung am 22. Mai aus. Da im Zeitraum vom 22. bis zum 27. Mai ein weiterer Notstromdiesel wegen eines anderen Schadens ebenfalls nicht verfügbar war, standen über fünf Tage möglicherweise nur zwei von vier Notstromdieselmotoren des Notstromnetzes 1 für den Anforderungsfall bereit.

Ein Ereignis dieser Art muss nach der der Atomrechtlichen Sicherheitsbeauftragten- und Meldeverordnung AtSMV als Eilmeldung (E) eingestuft werden und nach der internationalen Bewertungsskala INES in der Stufe 1 (Störung mit sicherheitstechnischer Bedeutung). Das hat der Kraftwerksbetreiber getan.“

 

Maßnahmen des Kraftwerksbetreibers
Der Betreiber hat das Kernkraftwerk am 5. Juni vorsorglich abgefahren, um vor dem Hintergrund ähnlicher Schadensfälle der Vergangenheit zunächst eine vertiefte Überprüfung der Fehlerursache abzuschließen. Solange, bis ausgeschlossen werden kann, dass der gleiche Schaden auch an anderen Notstromdieseln auftreten könnte, bleibt die Anlage außer Betrieb.

Die betroffenen Notstromdiesel sind Teil des vierfach redundant aufgebauten Notstromnetzes D1 und damit Teil des Sicherheitssystems, das für die Beherrschung potenzieller Störfälle vorgesehen ist. Rückwirkend betrachtet war mit der Unverfügbarkeit von zwei Notstromdieseln für mehrere Tage nur noch die zur Störfallbeherrschung erforderliche Mindestanzahl von Notstromdieseln vorhanden. Es kam zwar seither zu keiner Anforderung der Notstromdiesel, aufgrund der fehlenden Reserven im Notstromnetz D1 ist das Ereignis aber als sicherheitstechnisch bedeutsame Störung einzustufen. Das Ereignis hatte keine Auswirkungen auf Mensch und Umwelt.

Das Umweltministerium wertet das Abfahren des Kernkraftwerks als sicherheitsgerichtete Maßnahme des Betreibers. Es wird die Aufklärung der Ursachen und die Sicherstellung der Verfügbarkeit aller Notstromdiesel vor einem erneuten Anfahren des Kernkraftwerks intensiv beaufsichtigen. (Quelle: Pressemitteilung von Umweltministerium Baden-Württemberg vom 06.06.2019)

 

 

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