Zutrittskontroll-Zentrale

aus SecuPedia, der Plattform für Sicherheits-Informationen

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Zutrittskontrollanlagen werden nicht nur aus Sicherheits- und Sicherungsgesichtspunkten betrieben, sie erfüllen in hohem Maße auch organisatorische Belange. Deshalb werden bereits während der Planung neben der Festlegung der apparativen Ausführung der Anlage auch Fragen der Betriebsabläufe, des Komforts der berechtigten Benutzer und der Bediener und damit der Akzeptanz der Anlage in die Überlegungen einbezogen. Die Entscheidung, ob ein Zutrittswunsch angenommen oder abgelehnt wird, trifft die Zutrittskontrollzentrale. Sie wird damit zum Herz und Hirn der Zutrittskontrollanlage.

In der Praxis werden viele unterschiedliche Zutrittskontrollzentralen am Markt angeboten, die aber trotz ihrer unterschiedlichen "Philosophie" bzw. Gestaltung durchaus norm- und anwendungsgerecht sein können. Zutrittskontrollzentralen können für den Betrieb eines einzigen Ausweislesers und das Management einer einzigen Tür ausgelegt sein, sie können aber auch mehrere Leser und mehrere Zutrittspunkte bearbeiten, steuern und überwachen. Die Vielfalt der angebotenen Zentralen lässt sich auf drei Grundtypen zurückführen, die je nach Umfang oder Größe des Sicherungsbereichs ( Anzahl zu überwachender Türen und/ oder Anzahl berechtigter Nutzer) und nach Höhe und Anspruch des Sicherungsbedarfs und des Bedienungskomforts ausgewählt werden.

Grundtyp 1: Stand alone-Systeme für einzelne Zutrittspunkte

Bild 1: Grundtyp 1 einer Zutrittskontrollzentrale (Stand alone-Anlage für einzelne Zutrittspunkte) (Alle Grafiken: BHE)

Die kleinste Einheit ist ein System für eine Tür, das vor Ort die Entscheidung über Annahme oder Ablehnung einer Zutrittsbuchung trifft. (siehe dazu auch Stand-alone-Zutrittskontrollsystem)

Bis auf Ausweise, Türöffner und Verdrahtung können die Funktionseinheiten in einem (gestrichelte Linie) oder mehreren Gehäusen untergebracht sein.

Wird das System z. B. an einer Außentür eingesetzt, macht es Sinn, die Komponenten zu trennen, damit die Zentrale (ZKZ) mit dem Kontakt für den Türöffner und die Energieversorgung im gesicherten Bereich untergebracht sind.

Größere Objekte können durch Installation mehrerer dieser Zutrittskontrollzentralen realisiert werden. In diesem Fall wird von sogenannten Offline- oder Stand alone-Lösungen gesprochen, da zwischen den einzelnen Zutrittskontrollzentralen kein Datenaustausch stattfinden kann. Sämtliche funktionellen Komponenten, die notwendig sind zur Identifikation des Ausweises, zum Öffnen der Tür und zur Entscheidung, ob Zutritt gewährt wird, befinden sich in direkter Nähe des Zutrittspunktes. In diesen Systemen müssen die Entscheidungsdaten vor Ort in jede Zentrale geladen werden, sie müssen also entsprechende Anzeige- und Bedieneinheiten aufweisen oder ihren zeitweiligen Anschluss ermöglichen.


Vorteile der Stand alone-Systeme

  • geringer Installationsaufwand
  • keine raumübergreifende Verdrahtung
  • überschaubare Kosten


Beispiele

Neben den stand alone-Ausweis- oder -PIN-Code-Terminals fallen die neuerdings verstärkt angebotenen mechatronischen Schließzylinder oder Türbeschläge in diese Gruppe, sie zeigen alle oder die meisten der genannten Eigenschaften. Allerdings bieten einige Hersteller und Systemintegratoren gerade diese Produkte integriert in online-Lösungen vom Grundtyp 2 oder besonders vom Grundtyp 3 an. Dabei wird die Anbindung an die übergeordneten Zentralen nicht über eine Verkabelung, sondern über im Ausweis hinterlegte Berechtigungsdaten, also praktisch über Net on Card geschaffen. Die Zutrittsentscheidung erfolgt dabei aufgrund neuester Berechtigungsdaten, die meist täglich an online-Terminals auf den neuesten Stand gebracht werden. Ein Gültigkeits- oder Verfallsdatum dieser Berechtigungsdaten verhindert ihren Missbrauch. Allerdings gilt das nur für die Zutrittsentscheidung, Alarme oder Zustandsmeldungen werden auch weiterhin nur direkt vor Ort angezeigt.


Grundtyp 2: Zentral gesteuerte Anlagen ohne Entscheidungsintelligenz am Zutrittspunkt

Bild 2: Grundtyp 2 einer Zutrittskontrollzentrale (Zentral gesteuerte Anlage ohne Entscheidungsintelligenz am Zutrittspunkt)

Lassen sich an einer Zentrale mehrere Ausweisleser und damit auch mehrere Türen anschließen, spricht man von Online-Lösungen, bei denen die Zentrale "zentral" und damit meist nicht an den zu überwachenden Türen installiert wird.

Bei reinen Online-Systemen werden alle Entscheidungen in dieser "zentralen" Zentrale getroffen. Auch diese ZKZ kann im Prinzip von einer übergeordneten Zutrittskontroll-Zentrale (ÜZKZ) mit Daten gespeist werden, sodass eine komfortable Eingabe der Stammdaten und schnelles Sperren von verlorenen Ausweisen möglich ist. In der Praxis bilden aber ZKZ und ÜZKZ meist eine bauliche Einheit. Eine Karte kann bei Verlust schnell und komfortabel an der Zentrale für alle Türen gleichzeitig gesperrt werden. Damit ist eine komfortable Bedienung gegeben. Auch können bei der Zutrittsentscheidung vorangegangene Ereignisse am gleichen oder an anderen Zutrittspunkten berücksichtigt werden. Beim Ausfall einer Verbindungsleitung fällt jedoch die Kontrolle über die betroffene Tür aus, bei Ausfall der Zentrale steht die gesamte Anlage still.


Vorteile der zentral gesteuerten Anlagen ohne Entscheidungsintelligenz am Zutrittspunkt

  • schnelles Sperren von verlorenen Karten
  • komfortable Eingabe der Daten
  • komfortable Weiterverarbeitung der gespeicherten Zutrittsdaten
  • komfortable Veränderungen in der Berechtigungsstruktur auch im nachhinein möglich
  • raumübergreifende Funktionen, wie: Wegeüberwachung, automatische Steuerungen von zentraler Stelle, Raumzonenkontrolle usw. möglich
  • funktionsfähig auch bei Ausfall der ÜZKZ (nicht wenn ÜZKZ und ZKZ in einem Gerät vereint sind) oder z.B. Kabelbruch an einem Leser
  • geringerer Kostenaufwand gegenüber Systemen vom Grundtyp 3


Beispiele

Zutrittszentralen (oft PC-basiert), an die für jede Tür Tastaturen bzw. Ausweisleseköpfe und Türsteuerungsmodule angeschlossen werden. Dazu können aber auch im Rahmen von Grundtyp 3 so genannte Zutritts- oder Access-Manager zählen, die zwar dezentral zu ihrer übergeordneten Zentrale ihre eigenen Entscheidungsdaten besitzen, die ihnen zugeordneten Zutrittspunkte aber über Tastaturen bzw. Ausweisleseköpfe und Türsteuerungsmodule bedienen. Hier fällt bei einer Störung der gesamte vom Zutrittsmanager überwachte Bereich aus.


Grundtyp 3: Dezentrale Systeme mit Entscheidungsintelligenz am Zutrittspunkt und zentraler Bedienung

Bild 3: Grundtyp 3 einer Zutrittskontrollzentrale (Anlage mit Entscheidungsintelligenz am Zutrittspunkt und zentraler Bedienung)

Alle Daten, die zur Funktion der Gesamtanlage notwendig sind, werden an der ÜZKZ, meist einem PC, eingegeben, die sie in die angeschlossenenen ZKZ hinunterlädt. Eine "echte" ÜZKZ trifft keine Entscheidung bei aktuellen Buchungen. Sie versorgt die angeschlossenen ZKZen mit Entscheidungsdaten, kann Alarme verarbeiten oder weiterleiten und wertet bei Bedarf Meldungen über Buchungsentscheidungen ihrer ZKZen aus. Am Markt werden aber auch Systeme angeboten, bei denen die ÜZKZ auch ZKZ-Funktionen ausübt. Die in Bild 3 gezeigte Konfigurationsmöglichkeit bietet ein sehr hohes Maß an Funktionssicherheit. Bei Ausfall der ÜZKZ oder bei einer Leitungsunterbrechung werden die anfallenden Daten in den einzelnen ZKZen im Normalfall solange gespeichert, bis der Steuerrechner wieder funktionsbereit ist. Sobald die Verbindung wieder hergestellt ist, können die Daten automatisch und lückenlos abgerufen werden. Die aktuellen Entscheidungen über Zutrittswünsche werden aber auch im Offline-Fall ohne ÜZKZ weiterhin korrekt getroffen, auch wenn einzelne übergreifende Funktionen wie z.B. bereichsgesteuerte Zutrittswiederholkontrolle nicht im vollen Umfang gewährleistet sind. Bei der Planung wird berücksichtigt, dass auch bei Ausfall der ÜZKZ Alarme z.B. über Kontakte der ZKZ signalisiert werden.


Vorteile der dezentralen Systeme mit Entscheidungsintelligenz am Zutrittspunkt und zentraler Bedienung

  • schnelles Sperren von verlorenen Karten
  • komfortable Eingabe der Daten
  • komfortable Weiterverarbeitung der gespeicherten Zutrittsdaten
  • komfortable Veränderungen in der Berechtigungsstruktur auch im nachhinein möglich
  • raumübergreifende Funktionen, wie: Wegüberwachung, automatische Steuerungen von zentraler Stelle, Raumzonenkontrolle usw. möglich
  • funktionsfähig auch bei Ausfall der ÜZKZ oder Kabelbruch
  • von einem Ausfall ist höchstens ein Zutrittspunkt betroffen
  • höhere Sicherheit bei partiellem Systemausfall


Beispiele

Übergeordnete Zutrittskontrollzentralen (oft PC-basiert), an die pro Tür oder pro zusammengehöriger Funktionseinheit Zutrittsterminals (ZKZ) angeschlossen sind, die über ein eigenes Türmanagement und über eigene Entscheidungsmöglichkeiten aufgrund heruntergeladener Berechtigungsdaten verfügen.

Alle dargestellten Systeme sind vom Prinzip her praxisgerecht und erfüllen je nach Anspruch ihre Aufgaben, vom Sicherheits- und Organisationsgesichtspunkt sind aber eindeutig dezentrale Systeme mit Entscheidungsintelligenz am Zutrittspunkt und zentraler Bedienung zu bevorzugen.


Anmerkung: Im vorhergehenden Text sind unter "Ausweisleser" alle Arten von Identifikationsmerkmalserfassungseinheiten zu verstehen, also neben den Ausweislesern auch PIN-Tastaturen und biometrische Erkennungssysteme. Mit "Türen" sind alle Arten von Sperren an Zutrittskontrollpunkten gemeint.


Siehe auch



Diese Seite wurde zuletzt am 23. Oktober 2014 um 11:24 Uhr von Peter Hohl geändert. Basierend auf der Arbeit von Admin und Jürgen Junghanns.

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