Wohnungseinbrüche

aus SecuPedia, der Plattform für Sicherheits-Informationen

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Bis 2015 sind die Wohnungseinbrüche laut der Polizeilichen Kriminalstatistik [1] stark angestiegen: Zuletzt 2015 stiegen die Wohnungseinbruchdiebstähle gegenüber dem Vorjahr um +9,9% auf 167.136 Fälle[2]. Den deutschen Versicherern wurden 2015 rund 160.000 versicherte Wohnungseinbrüche gemeldet. Damit erreicht die Zahl der versicherten Einbrüche den höchsten Stand seit 2003. Für diese Einbrüche leisteten die Versicherungen eine Rekordsumme von 530 Millionen Euro an ihre Kunden. Allein in den letzten fünf Jahren hatten nach der Statistik des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungeswirtschaft (GDV) die Einbrüche um über 30 Prozent zugenommen, der Schadenaufwand um über 50 Prozent[3].

Von massiven Rückgängen beim Einbruchdiebstahl (-19%) berichtet bereits für 2015 das Bundesamt für Statistik der Schweiz[4].

2016 wirkten sich dann auch in Deutschland die massiven Anstrengungen der Polizei aus, die sich vor allem auf die Bekämpfung osteuropäischer Banden konzentrierte. Die bundesweite Polizeiliche Kriminalstatistik verzeichnet beim Wohnungseinbruchdiebstahl einen Rückgang um -9,5 Prozent auf 151.265 Fälle[5]. Auch die Versicherer stellten 2016 einen Rückgang der Fallzahlen beim Wohnungseinbruch um ca. 10% und eine Reduzierung des Schadenaufwandes von 530 auf 470 Millionen Euro fest[6].

Auch 2017 zeichnete sich nach dem ersten Quartal ein zum Teil deutlicher weiterer Rückgang ab: In NRW um 30%[7].

Detaillierte Erkenntnisse über Wohnungseinbrüche ergeben sich in Deutschland hauptsächlich aus der Kölner Studie [8] Sie wurde zuletzt 2011 erhoben und 2012 veröffentlicht. Urheber ist die Kriminalpolizeiliche Beratungsstelle des Polizeipräsidiums Köln, die auch für Leverkusen zuständig ist.


Schaden

Laut einer Studie der deutschen Versicherer wurden im Jahr 2014 für Verluste und Schäden in insgesamt 150.000 versicherten Fällen von Wohnungseinbruch 490 Millionen Euro bezahlt[9]. 2016 stieg die Summe auf 530 Millionen. 2016 berichteten die Versicherer von einem Schadenaufwand von 470 Millionen[10].


Tatzeiten

Wann wird am häufigsten eingebrochen? Blau: Leverkusen; gelb: Köln (Quelle "Kölner Studie", 2011 - Polizeipräsidium Köln)
Bei der letzten Erhebung erwies sich die Aussage „Urlaubszeit ist Einbruchszeit“ zumindest in Köln und Leverkusen als falsch. Die meisten Einbrüche werden vielmehr während der „dunklen Jahreszeit“ verübt (November bis März). Beliebteste Wochentage bei den Tätern sind Samstag, Freitag und Sonntag. Bevorzugte Tageszeit ist 14-22 Uhr – mit einem deutlichen Hoch zwischen 18 und 20 Uhr.

Laut einer Studie des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen im Auftrag des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft GDV wird ebenfalls in der dunklen Jahreszeit am häufigsten eingebrochen - und zwar zwischen 10.00 und 18.00 Uhr in Erdgeschosswohnungen und Einfamilienhäusern[9].


Schwachstellen

Einfamilienhäuser

Schwachstellen bei Einfamilienhäusern (Quelle "Kölner Studie", 2011 - Polizeipräsidium Köln)
Zu den Schwachstellen, die von Einbrechern ausgenutzt wurden, bemerkt das Polizeipräsidium Köln: Der einfachste Weg, in ein Einfamilienhaus einzusteigen, ist immer noch der über die ebenerdigen Terrassen- bzw. Balkontüren und über die Fenster. Auch im Jahre 2011 suchten knapp 80 Prozent der Täter diesen Weg, um in die Häuser zu gelangen. In über 30 Prozent der Fälle ließen sich die Täter nicht davon abhalten, in Fenster einzusteigen, die nach vorne zur Straße hin lagen. In diesem Zusammenhang erinnert die Polizei daran, dass es lediglich einige Sekunden dauert, ein nicht gesichertes Fenster aufzubrechen.

Obwohl die Anzahl der Einbrüche durch Fenster und Fenstertüren in Obergeschossen leicht rückläufig ist, sollte nach Meinung der Kripoberater nach wie vor ein verstärktes Augenmerk auf Kletterhilfen gerichtet werden.

Während die Anzahl der Einbrüche über die Hauseingangstüren stagnieren, stiegen die Einbrüche über den Kellerbereich von 5,25 Prozent auf 7,24 Prozent.

Einbrüche bei Anwesenheit haben um ca. 20 Prozent abgenommen.

Mehrfamilienhäuser

Schwachstellen bei Mehrfamilienhäusern (Quelle "Kölner Studie", 2011 - Polizeipräsidium Köln)
Bei Mehrfamilienhäusern hat die Kripo Köln einen deutlichen Anstieg der Angriffe auf die Wohnungsabschlusstüren festgestellt. Waren in der Studie 2006 die Angriffe auf Türen noch rückläufig, so haben die Einbrüche über die Wohnungsabschlusstüren im Jahre 2011 zugenommen und liegen jetzt bei knapp 47 Prozent (eine Steigerung um knapp 30 Prozent). Dass Täter hier bevorzugt die oberste Etage nutzen, kann nicht bestätigt werden, denn dies war lediglich in 7,09 Prozent der Fälle so. Das bedeutet, dass die Einbrecher auch Wohnungstüren im Erdgeschoss oder den anderen unteren Etagen nutzen (z. B. EG 8,94 Prozent, 1. OG 9,99 Prozent, 2. OG 8,66 Prozent). Es hat im Jahre 2011 Einbrüche in Mehrfamilienhäuser gegeben, die dadurch begünstigt wurden, dass die Wohnungsabschlusstüren nachts bei Anwesenheit nicht abgeschlossen sondern nur zugezogen waren. Insgesamt hat die Anzahl der Einbrüche bei Anwesenheit der Geschädigten im Verhältnis nicht zu-, sondern abgenommen.

Über 50 Prozent der Täter gelangen in Mehrfamilienhäusern immer noch über die Fenster bzw. Fenstertüren in die Wohnungen. Der Anteil der Einbrüche in Obergeschosswohnungen ist leicht rückläufig.


Täterarbeitsweisen

Modi operandi bei Einbrüchen durch Türen (Quelle "Kölner Studie", 2011 - Polizeipräsidium Köln)
In mehr als 77 Prozent der Fälle gelang es den Tätern, Haus-, Wohnungs- und Nebeneingangstüren aufzuhebeln, zum Beispiel mit einem Schraubendreher. Dieser Anteil hat leicht zugenommen. Angriffe auf Schließzylinder sind dagegen deutlich zurückgegangen. Als Hauptursache hierfür sieht die Polizei die hochwertigeren Schließzylinder und die immer häufiger montierten Schutzbeschläge mit Zylinderabdeckung.

Angriffe auf das Türblatt (Durchbruch, Angriffe auf Glasfüllungen) schlagen lediglich mit 0,5 Prozent zu Buche. Die Angriffe auf Glas im Türblatt wurden 2011 erstmalig ausgewertet.

Modi operandi bei Einbrüchen durch Fenster und Glastüren (Quelle "Kölner Studie", 2011 - Polizeipräsidium Köln)
Beim Aufhebeln von Fenster, Balkon- und Terrassentüren ist eine Steigerung von 73,68 Prozent auf 76,20 Prozent zu verzeichnen. Um über 36 Prozent rückläufig sind dagegen die Einbrüche durch gekippte Fenster/Fenstertüren; hier sehen die Kölner Kriminalberater Früchte der Aufklärungsarbeit der vergangenen Jahre.

Angriffe auf Glas, die bisher eine untergeordnete Rolle spielten, haben nicht unerheblich zugenommen. Diesem Umstand soll bei der Beratungstätigkeit zukünftig verstärkt Rechnung getragen werden.


Wirkung von Sicherheitsmaßnahmen

Der Versuchsanteil an der Gesamtzahl der Wohnungseinbrüche ist mit 42,24 Prozent gegenüber der Auswertung 2006 um fast 7 Prozentpunkte gestiegen. Betrachtet man nur diese Versuche, kann man feststellen, dass über 43 Prozent der Täter an vorhandenen Sicherungen gescheitert sind. In fast 26 Prozent der Fälle wurden die Täter bei Tatausführung gestört. In Rund 31 Prozent der Fälle war der Grund des Scheiterns nicht erkennbar.


Erfolgreiche Sicherungen

Erfolgreiche Sicherungstechnik (Quelle "Kölner Studie", 2011 - Polizeipräsidium Köln)

In 58 Prozent der Fälle scheiterten Täter an Sicherungen, die vor, in oder auf Fenstern/Fenstertüren, in 25 Prozent an Sicherungen, die in oder auf Türen installiert waren.

An sonstigen Sicherungen, z. B. Überfall- und Einbruchmeldeanlagen oder Hunde, scheiterten 17 Prozent.

Eine Zunahme der abgebrochenen Einbruchsversuche wegen Pilzkopfverriegelungen (auf 25,38 Prozentpunkte), Querriegelschlössern (auf 4,73 Prozentpunkte) und Mehrpunktverriegelungen (auf 6,88 Prozentpunkte) zeigt, dass wirksame Sicherungstechnik zunimmt und auch erfolgreich ist.

Erstmalig wurden in die Auswertung geprüfte einbruchhemmende Türen und Fenster/ Fenstertüren mit aufgenommen. Diese Techniken verhinderten in 4,3 Prozent bzw. 6,45 Prozent der Fälle den Erfolg.

Durch Rollladensicherungen verhinderte Einbrüche sind zurück gegangen. Bedauerlich ist der Rückgang bei Überfall- und Einbruchmeldeanlagen (ÜEA). Allerdings musste unberücksichtigt bleiben, wie oft Täter sich durch sichtbare Signalgeber einer Einbruchmeldeanlage von vornherein von der Ausführung der Tat haben abhalten lassen.

Um die Wirksamkeit von Präventionsmaßnahmen aufzuzeigen, haben auch die kriminalpolizeilichen Beratungsstellen in Banden-Württemberg sämtliche Einbrüche des Jahres 2013 ausgewertet, die dank Sicherungstechnik und aufmerksamer Bürgerinnen und Bürger verhindert wurden. Insgesamt 2.554 Einbrüche konnten so vereitelt werden, in 103 Fällen konnte die Polizei die Täter sogar auf frischer Tat festnehmen. Auffällig ist, dass die Täter weitaus häufiger an den mechanischen (2.223 Mal) als an den elektronischen Sicherungen (292 Mal) scheiterten. Bemerkenswert ist zudem auch, dass rund 400 Einbrüche durch das richtige Verhalten aufmerksamer Zeugen, meist im Zusammenspiel mit vorhandener Sicherheitstechnik, vereitelt wurden. In über 100 Fällen war es ausschließlich der Zivilcourage aufmerksamer Bürgerinnen und Bürger zu verdanken, dass ein Einbruch verhindert wurde.[11]


Überwundene Sicherungen

In 46 Fällen wurden Pilzkopfverriegelungen überwunden. Ursache waren eine unzureichenden Anzahl von Pilzkopfzapfen oder falsche oder falsch montierte Schließstücke, bei denen die Pilzköpfe nicht ordnungsgemäß eingreifen konnten.

In 19 Fällen wurden Zusatzsicherungen an Fenstern und Fenstertüren überwunden, die entweder in zu geringer Anzahl oder auf falsche Weise montiert waren. In fünf Fällen wurden mangelhaft befestigte Fenstergitter überwunden und achtmal wurden Kunststoffrollläden aus den seitlichen Führungsschienen herausgerissen. 42 Wohnungseinbrüche/Versuche wurden trotz vorhandener Einbruchmeldeanlagen verübt; wobei offen bleibt, ob diese Anlagen auch bestimmungsgemäß ausgelöst haben.


Konsequenzen für die Betroffenen

Ein Wohnungseinbruch wird von den Betroffenen meist als massiver Eingriff in ihre Lebensqualität empfunden und führt nicht selten zu einschneidenden Konsequenzen. Rund ein Viertel der Einbruchsopfer mag nach einer Umfrage[12] nicht mehr in der betroffenen Wohnung leben und zieht um. Andere schaffen sich einen Hund an oder investieren zumindest in Sicherheitstechnik.

Laut einer Studie des BKA und des Freiburger Max-Planck-Instituts (MPI) für ausländisches und internationales Strafrecht ("Deutscher Viktimisierungssurvey 2012") bewerten Einbruchsopfer das Risiko eines nochmaligen Einbruchs in ihrer Wohnung sieben Mal höher als Personen, die bisher nicht von einem Einbruch betroffen waren. Zugleich erhöht das Einbruchserlebnis wie kein anderes Delikt die Furcht, auch Opfer anderer Straftaten wie Körperverletzung, Raub und sexueller Belästigung zu werden.[13]

Auch eine Studie des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen im Auftrag des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft GDV kam zu dem Ergebnis, "dass Einbruchopfer noch Monate, zum Teil Jahre unter der Tat leiden[9]".


Polizeireaktionen

Die Polizei setzt angesichts der Internationalität der Täter ebenfalls auf internationale Zusammenarbei. So hat die bayerische Polizei unter dem Namen 'Danube Property Crime Project' ein neues EU-Projekt gegen internationale Einbrecherbanden auf den Weg gebracht: es umfasst:

  • verbesserte länderübergreifende Zusammenarbeit
  • gemeinsame Lagebilder
  • den Aufbau eines internationalen Expertennetzwerks und
  • regelmäßigen Informationsaustausch.[14]

Die Bundesländer Bayern, Baden-Württemberg, Hessen und Rheinland-Pfalz haben am 16.06.2016 ein gemeinsames Acht-Punkte-Programm zur Bekämpfung des Wohnungseinbruchs - insbesondere mit Zielrichtung "reisende osteuropäische Banden" vereinbart:

  1. intensiverer Informationsaustausch
  2. länderübergreifende Fahndungen und Ermittlungen
  3. gemeinsames Bekämpfungskonzept gegen reisende Intensivtäter und osteuropäische Täterbanden,
  4. länderübergreifende Schwerpunktkontrollen
  5. Kriminaltechnik: länderübergreifende Spurenabgleiche, beispielsweise bei Schuh- und Werkzeugspuren
  6. Präventionsnetzwerk, um über Sicherungstechnik zu beraten
  7. internationale Zusammenarbeit
  8. gemeinsamer Ansatz für 'Predictive Policing' durch spezielle Prognosesoftware[15]


Gesetzesverschärfung

Am 10. Mai 2017 hat das Bundeskabinett den Entwurf eines Gesetzes zur Änderung des Strafgesetzbuches – Wohnungseinbruchdiebstahl beschlossen. Danach sollen Einbrüche in eine ständig genutzte Privatwohnung künftig mit einem bis zu zehn Jahren Freiheitsstrafe bestraft werden. Einen strafmildernden "minder schweren Fall" soll es nicht mehr geben. Außerdem sollen die Strafverfolgungsbehörden mehr Möglichkeiten zur Ermittlung der Täter bekommen. So ist künftig auch die Abfrage von verpflichtend gespeicherten Verkehrsdaten, sogenannten Vorratsdaten, möglich, wenn ein Einbruch in eine dauerhaft genutzte Privatwohnung vorliegt[16].


Einzelnachweis

  1. https://www.bka.de/DE/AktuelleInformationen/StatistikenLagebilder/PolizeilicheKriminalstatistik/pks_node.html
  2. SecuPedia Aktuell: Kriminalstatistik 2015 vorgestellt
  3. SecuPedia Aktuell: Einbruchsbilanz der Versicherer
  4. SecuPedia Aktuell: Kriminalstatistik Schweiz: Deutlicher Rückgang
  5. SecuPedia Aktuell: Po­li­zei­li­che Kri­mi­nal­sta­tis­tik 2016
  6. SecuPedia Aktuell: Versicherer: 10 Prozent weniger Einbrüche
  7. SecuPedia Aktuell: Wohnungseinbrüche auch 2017 weiter rückläufig
  8. "Kölner Studie 2011 – Modus operandi beim Wohnungseinbruch",
    Herausgeber: Polizeipräsidium Köln, E-Mail: info@polizei-koeln.de Internet: http://www.polizei-koeln.de, © Polizeipräsidium Köln
    Stand: Juni 2012.
  9. 9,0 9,1 9,2 SecuPedia Aktuell: Hausratversicherer leisteten 490 Millionen Euro für Wohnungseinbrüche
  10. SecuPedia Aktuell: Versicherer: 10 Prozent weniger Einbrüche
  11. SecuPedia Aktuell: Sicherungstechnik und aufmerksame Bürger verhindern über 2.500 Einbrüche
  12. SecuPedia Aktuell: 27 Prozent der Deutschen ziehen nach einem Einbruch um
  13. SecuPedia Aktuell: "Deutscher Viktimisierungssurvey 2012"
  14. SecuPedia Aktuell: Neues EU-Projekt gegen internationale Einbrecherbanden
  15. SecuPedia Aktuell: 8-Punkte-Programm gegen Wohnungseinbrecher
  16. SecuPedia Aktuell: Das neue Gesetz gegen Wohnungseinbrecher


Siehe auch



Diese Seite wurde zuletzt am 10. Mai 2017 um 14:28 Uhr von Peter Hohl geändert. Basierend auf der Arbeit von Katharina Köth und Harald Schmidt.

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