Waffen- und Munitionsschränke

aus SecuPedia, der Plattform für Sicherheits-Informationen

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Waffenschrank entsprechend der Norm DIN/EN 1143-1 Widerstandsgrad I zur Aufbewahrung von mehr als 10 Kurzwaffen
Foto: Format Tresorbau GmbH & Co. KG, Hessisch Lichtenau

Der § 36 WaffG und der § 13 AWaffGV regeln, wie Waffen und Munition aufzubewahren sind. Allgemein heißt es im Waffengesetz: "Wer Waffen oder Munition besitzt, hat die erforderlichen Vorkehrungen zu treffen, um zu verhindern, dass diese Gegenstände abhanden kommen oder Dritte sie unbefugt an sich nehmen."

Schusswaffen dürfen nur getrennt von Munition aufbewahrt werden, sofern nicht die Aufbewahrung in einem Sicherheitsbehältnis erfolgt, das mindestens der Norm DIN/EN 1143-1 Widerstandsgrad 0[1] oder einer Norm mit gleichem Schutzniveau eines anderen Mitgliedstaates des Übereinkommens über den Europäischen Wirtschaftsraum (EWR-Mitgliedstaat) entspricht und dies durch eine Zertifizierung nachweist. Schusswaffen dürfen nur ungeladen aufbewahrt werden.

Das Waffengesetz (WaffG) und die Allgemeine Waffengesetzverordnung (AWaffV) haben Stahlschränke der Sicherheitsstufe B nach dem Einheitsblatt VDMA 24 992 (Stand: Mai 1995) bis 2017 als „gleichwertig“ mit Schränken nach DIN/EN 1143-1 Widerstandsgrad 0 bewertet.

Diese weniger widerstandsfähigen Sicherheitsbehältnisse, die nach früherer Gesetzeslage noch als gleichwertig anzusehen waren, dürfen künftig von neuen Waffenbesitzern grundsätzlich nicht mehr verwendet werden. Wer seine Waffe aber bereits in einem der bislang zulässigen Sicherheitsbehälter ordentlich verwahrte, darf dies auch weiterhin tun, da die neuen Anforderungen nur für Neubesitzer von Waffen gelten. Wird ein bislang zulässiges Behältnis in der häuslichen Gemeinschaft genutzt, darf es zudem auch von dazu gehörigen Neu-Waffenbesitzern verwendet und sogar im Erbfall weiter eingesetzt werden.

Verschiedene Sicherheitsbehältnisse zur Aufbewahrung von Waffen und Munition
Fotos: Tresorbau Gümbel, Siegbach
Wer bestmögliche Sicherheit anstrebt, sollte aber wissen, dass das im Gesetz genannte und für "Altbesitzer" weiterhin ausreichende Einheitsblatt VDMA 24 992 schon 2003 ersatzlos zurückgezogen wurde, weil es nicht mehr dem Stand der Technik entsprach und die dort beschriebenen Stahlschränke aus sicherheitstechnischer Sicht gerade nicht gleichwertig mit den Behältnissen nach DIN/EN 1143-1 sind. Sofern heute noch Schränke mit den Bezeichnungen A oder B nach VDMA 24 992 hergestellt und verkauft werden, hat der VDMA auch die stichprobenartige Überprüfung der Übereinstimmung mit den früheren Konstruktionsvorschriften eingestellt. Die Übereinstimmung wird nur noch vom Hersteller erklärt.


Tabellarisch die gesetzlichen Anforderungen:

Art der Waffen/Munition

Menge

Aufbewahrung
Schusswaffen, deren Erwerb von der Erlaubnispflicht freigestellt ist

mindestens in einem verschlossenen Behältnis

Munition, deren Erwerb nicht von der Erlaubnispflicht freigestellt ist

mindestens in einem Stahlblechbehältnis ohne Klassifizierung mit Schwenkriegelschloss oder einer gleichwertigen Verschlussvorrichtung oder in einem gleichwertigen Behältnis

Schusswaffen, deren Erwerb nicht von der Erlaubnispflicht freigestellt ist, und verbotene Waffen

unbegrenzte Zahl von Langwaffen und unbegrnzt Kurzwaffen


Sicherheitsbehältnis nach DIN/EN 1143-1 Widerstandsgrad I


Schusswaffen, deren Erwerb nicht von der Erlaubnispflicht freigestellt ist, und verbotene Waffen

unbegrenzte Anzahl von Langwaffen und bis zu 10 Kurzwaffen + Munition


Sicherheitsbehältnis nach DIN/EN 1143-1 Widerstandsgrad 0
oder für "Altbesitzer":
"gleichwertig" (z.B. VDMA 24 992 Sicherheitsstufe B)
Gewicht: mindestens 200 kg


Schusswaffen, deren Erwerb nicht von der Erlaubnispflicht freigestellt ist, und verbotene Waffen

unbegrenzte Anzahl von Langwaffen und bis zu 5 Kurzwaffen + Munition


Sicherheitsbehältnis nach DIN/EN 1143-1 Widerstandsgrad 0
oder für "Altbesitzer":
"gleichwertig" (z.B. VDMA 24 992 Sicherheitsstufe B)
Gewicht: weniger als 200 kg


Schusswaffen, deren Erwerb nicht von der Erlaubnispflicht freigestellt ist, und verbotene Waffen

Bis zu 10 Langwaffen


Nur für "Altbesitzer": VDMA 24 992 Sicherheitsstufe A


Schusswaffen, deren Erwerb nicht von der Erlaubnispflicht freigestellt ist, und verbotene Waffen + Munition

Bis zu 10 Langwaffen + bis zu 5 Kurzwaffen + Munition

Nur für "Altbesitzer" Langwaffen: VDMA 24 992 Sicherheitsstufe A. Kurzwaffen und Munition: Innenfach nach DIN/EN 1143-1 Widerstandsgrad 0 oder "gleichwertig"


Schusswaffen in einem Sicherheitsbehältnis der Sicherheitsstufe A oder B nach VDMA 24992 + Munition



Nur für "Altbesitzer": Zu den Waffen gehörige Munition: Innenfach aus Stahlblech ohne Klassifizierung mit Schwenkriegelschloss oder einer gleichwertigen Verschlussvorrichtung. Nicht zu den dort aufbewahrten Waffen gehörige Munition darf zusammen (ohne separates Innenfach) aufbewahrt werden.


Nur für "Altbesitzer": Im Falle der Aufbewahrung von Schusswaffen in einem Sicherheitsbehältnis der Sicherheitsstufe A oder B nach VDMA 24 992 ist es für die Aufbewahrung der dazugehörigen Munition ausreichend, wenn sie in einem Innenfach aus Stahlblech ohne Klassifizierung mit Schwenkriegelschloss oder einer gleichwertigen Verschlussvorrichtung erfolgt; nicht zu den dort aufbewahrten Waffen gehörige Munition darf zusammen aufbewahrt werden.





Waffen in einem nicht dauernd bewohnten Gebäude

Nur bis zu 3 Langwaffen


Mindestens der Norm DIN/EN 1143-1 Widerstandsgrad I entsprechendes Sicherheitsbehältnis.


Die zuständige Behörde kann Abweichungen in Bezug auf die Art oder Anzahl der aufbewahrten Waffen oder das Sicherheitsbehältnis auf Antrag zulassen.

Quelle: Peters/Weger, Waffenrecht und Waffenkunde, SecuMedia Verlag


Einzelnachweis

  1. SecuPedia Aktuell: Änderungen des Waffengesetzes ab morgen in Kraft


Weblinks



Diese Seite wurde zuletzt am 18. Juli 2017 um 18:55 Uhr von Peter Hohl geändert.

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