UAV

aus SecuPedia, der Plattform für Sicherheits-Informationen

Anzeige
Wechseln zu: Navigation, Suche
Quadrocopter (Bild: AirRobot)])
Hexacopter mit Fotoausrüstung. (Bild ©: AERO Friedrichshafen)

In den letzten Jahren hat die Entwicklung und Nutzung von unbemannten Fluggeräten (unmanned aerial vehicle, UAV, im Luftverkehrsgesetz zusammen mit der Bodenstation als unbemannte Luftfahrtsysteme unmanned aircraft system, AUS bezeichnet) erheblich zugenommen.

Bisherige Entwicklung

Neben Flugmodellen, die zum Zwecke der Sport- und Freizeitgestaltung genutzt werden, sowie denen der militärischen und behördlichen Verwendung ist insbesondere im Rahmen der gewerblichen Nutzung eine rasante Entwicklung dieser Geräte zu verzeichnen. Auf der Internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung (ILA) 2014 in Berlin wurden diese UAVs als der global am schnellsten und stärksten wachsende Bereich der Luft- und Deutschsprachiger Interessenverband beschrieben. Schätzungsweise 300.000 UAVs werden weltweit monatlich verkauft. Für UAVs gibt es mittlerweile eigene Bereiche auf Luftfahrtmessen[1], Interessenverbände[2] und Angebote bei Universal-Versandhändlern und speziellen Shops[3].

Im Sicherheitsbereich sind einerseits die Risiken zu beachten, die mit den Fluggeräten verbunden sein können, andererseits wird zunehmend der Nutzen erkannt, den sie für die Unternehmenssicherheit bieten können.


Sicherheitsvorkommnisse

Hierzu einige aktuelle Beispiele von Sicherheitsvorkommnissen mit UAVs: An der US-amerikanischen-mexikanischen Grenze konnten die amerikanischen Behörden den Drogenschmuggel mittels Transport durch ein UAV als ein neues Verfahren der Drogenkartelle erkennen. Im Januar 2015 sorgte ein UAV des populären chinesischen Herstellers DJI für Aufsehen, als es auf dem Gelände des Weißen Hauses in Washington D.C. abstürzte. Auch in deutschen Justizvollzugsanstalten (JVA) in Hamburg und Bremen kam es Anfang 2015 zu Sicherheitsvorkommnissen mit UAVs. Mit diesen wurde beabsichtigt, Drogen und Mobiltelefone in die JVA zu schmuggeln. Während einer Wahlkampfveranstaltung der CDU im Jahr 2013 in Dresden, steuerten Aktivisten ein kleines UAV in den unmittelbaren Nahbereich von Bundeskanzlerin Merkel sowie Innenminister de Maizière. In Frankreich kam es seit Oktober 2014 zu bisher insgesamt 60 durch UAVs verursachten Sicherheitsvorfällen. Dort wurden Atomkraftwerke, Atomwaffenlager und Kritische Infrastrukturen sowie weitere sensible Bereiche illegal durch UAVs überflogen. Derart ungenehmigte Überflüge von Kernkraftwerken oder anderen kerntechnischen Anlagen sind laut Bundesregierung in Deutschland noch nicht vorgekommen[4]. Grundsätzlich besteht jedoch in Deutschland die identische Bedrohung kerntechnischer Anlagen wie in Frankreich. Als jüngstes Beispiel ist ein Sicherheitsvorfall in Tokio zu nennen. Am 22.04.2015 konnte ein UAV auf dem Dach des Amtssitzes des japanischen Ministerpräsidenten in Tokio landen. Das UAV war mit einer Kameraausstattung ausgerüstet und transportierte einen kleinen Flüssigkeitsbehälter. Die ersten Untersuchungsergebnisse der Flüssigkeit durch die japanischen Behörden ergaben einen erhöhten Strahlungsmesswert durch das radioaktive Alkalimetall Cäsium. Die Aktion wurde durch einen Einzeltäter als Protest gegen die japanische Atomkraftpolitik durchgeführt.

Die verschiedenen Beispiele von Sicherheitsvorkommnissen mit UAVs verdeutlichen die potenziellen Möglichkeiten von UAVs zur Umsetzung von kriminellen oder terroristischen Absichten. Die Sicherheitsbehörden sind gegen diese neue Bedrohung derzeit noch machtlos. Effektive Gegenmaßnahmen gegen UAVs sind behördlich in Deutschland derzeit noch nicht vorhanden. Durch diese unbemannten Fluggeräte ergeben sich für kritische Infrastrukturen sowie insbesondere auch für Wirtschaftsunternehmen ernstzunehmende Gefahren, Bedrohungen und Risiken.


Eigenschaften

Grundsätzlich handelt es sich bei unbemannten Fluggeräten (UAV) um unbemannte Fahrzeuge (Unmanned Vehicle/ UV), die im Allgemeinen ohne Personenbesatzung entweder eigenständig, programmgestützt durch einen Computer operieren oder über eine Fernsteuerung betrieben und gesteuert werden. Im deutschen Sprachgebrauch wird umgangssprachlich häufig der pauschale Begriff „Drohne“ als Synonym verwendet. Die technische Definition als „Multicopter“ ist ebenfalls gängig. Aufgrund der fortschreitenden Weiterentwicklung der Fluggeräte zum automatisierten, programmgesteuerten Flug und deren Mehrzweckeinsatz in verschiedenen Aufgabenbereichen, werden UAVs zunehmend als Roboter bzw. Flugroboter bezeichnet.


Klassifizierung

Klasse 1: Beinhaltet alle hochleistungsfähigen, militärischen UAVs wie z.B. RQ-4 „Global Hawk“, MQ-9 „Reaper“, MQ-1 „Predator“, u.a.

Klasse 2: Hier finden sich alle hochleistungsfähigen zivilen UAVs, die über mehr als 50kg Gesamtgewicht verfügen und in der Regel durch einen Verbrennungsmotor angetrieben werden. Im Rahmen des flugtechnischen Funktionsprinzips handelt es sich dabei um unbemannte leistungsstarke Hubschrauber mit zwei übereinanderliegenden Rotoren, die über eine sog. Vertical Take-off and Landing (VTOL)-Fähigkeit verfügen und daher als Drehflügler senkrecht landen und starten. Diese Systeme können mehrere Stunden eingesetzt werden und werden über 100 km/h schnell. Ihre Gesamtlänge beträgt ca. 2 bis 4 m. Die UAVs werden vorwiegend behördlich, aber auch gewerblich eingesetzt. Modelle hierbei sind z.B. der Camcopter S-100 des Herstellers Schiebel oder der NEO S-300 der Firma UMS Aero Group.

Klasse 3: In dieser Klasse werden alle modernen Multicoptersysteme zusammengefasst, die über 4 (Quadrocopter), 6 (Sextacopter) oder 8 (Octacopter) Karbonrotoren und über ein Gesamtgewicht von 10 bis 50 kg verfügen.

Klasse 4: Hier finden sich alle UAVs zur Freizeit- und Sportgestaltung sowie zum gewerblichen Einsatz bis 10 kg.


Leistungsfähigkeit

Die meisten UAVs können wie ein Hubschrauber senkrecht landen und starten, ihre Position halten und Gegenwinde oder Transportlasten ausgleichen. Eine Windstabilität der Systeme der UAV Klasse 2 und 3 bei bis 40 km/h Windgeschwindigkeit ist bereits möglich. Des Weiteren ist es den UAVs als Drehflügler möglich, präzise Flugmanöver bei hoher und niedriger Geschwindigkeit durchzuführen. Die UAVs der Klasse 3 und 4 sind durchschnittlich bis zu 50 km/h schnell, Hochleistungssysteme der Klassen 2 können teilweise jedoch auch bis zu 100 km/h schnell sein und abrupt in den Schwebeflug übergehen. Mit diesen besonders präzisen Flugeigenschaften sind insbesondere auch boden- oder hindernisnahe Flüge möglich.

Teilweise werden leistungsstarke Doppelflügler oder sog. Quadrocopter, mit vier unabhängigen gegenüberliegend angebrachten Rotoren, eingesetzt. Aufgrund der zunehmenden Anforderungen an Windstabilität, Präzision, Redundanzfähigkeit der Rotoren sowie Transport- und Tragfähigkeit, ist ein Trend von Plattformtechnologien zu Mehrrotorsystemen wie z.B. Hexacopter (sechs Rotoren) und Octacopter (acht Rotoren) zu erkennen.

Mit steigender Größe und Leistungsfähigkeit nimmt auch die Transport- und Tragfähigkeit der UAVs zu. Durchschnittliche Systeme der Klasse 4 können derzeit durchschnittlich ca. 2 kg transportieren. Leistungsstärkere Systeme der Klasse 3 besitzen teilweise eine Tragfähigkeit von bis zu 15 kg. Die professionellen UAVs der Klasse 2 können teilweise bis zu 30 kg Nutzlast transportieren.

Die Mehrzahl der verfügbaren UAVs wird elektrisch über eine Batterie betrieben. Diese bestimmt meistens auch das Gesamtgewicht der fliegenden Plattform. Die Einsatzdauer dieser UAVs ist folglich begrenzt. Grundsätzlich kann von 20 bis 90 Minuten akkubetriebener Einsatzdauer der UAVs der Klasse 3 und 4 ausgegangen werden. Größere Hochleistungs-UAVs der Klasse 2 werden meist mit Verbrennungsmotoren angetrieben und erreichen dadurch eine Einsatzdauer von mehreren Stunden.


Steuerung

Neben Größe und Leistungsfähigkeit ist auch eine rasante technologische Weiterentwicklung der UAVs zu erkennen. Dabei werden insbesondere die Bodenkontrollstationen (BKS) ständig verbessert, um einfachere und bedienungsfreundlichere Steuerungsmöglichkeiten, Command & Control (C2), zu gewährleisten. Zwar ist rechtlich der Flug im Sichtbereich des Steuerers (sog. Sichtflug) vorgeschrieben, jedoch orientieren, steuern und lenken die meisten Steuerer ihr UAV über die optischen Kameraaufnahmen, die über die Funkdatenübertragung auf ein Display an der BKS zugesendet werden.

Direkt damit verknüpft sind die bereits vorhandenen Fähigkeiten zum automatisierten Flug der UAVs über mehrere Kilometer nach vorgegebenen GPS-Koordinaten, sogenannter Waypoints, sowie der programmgesteuerte Flug nach einer vollständig vorgegeben Missionsplanung. Auch die kontinuierliche und präzise Verfolgung von Referenz- oder Positionsgeräten, z.B. angebracht an Fahrzeugen oder Personen, ist bereits serienreif.

Aufbauend auf den programmgesteuerten Möglichkeiten sind bereits sogenannte intelligente UAVs vorhanden, die auf Grundlage von Algorithmen ihren Flug reaktiv auf äußere Einflüsse anpassen können. Darüber hinaus können sich mehrerere dieser UAVs als Schwarm verhalten und ein Flugverhalten als Team bzw. Gruppe durchführen. Diese innovative Nutzungsmöglichkeit wird derzeit in Labors erprobt und wird „Swarming“ oder auch „Unmanned-Teaming“ genannt.


Nutzung

Neben militärischen und behördlichen (Verkehrsüberwachung, Rettungsdienst, Grenzschutz, Polizei, Naturschutz u. Ä.) ergeben sich auch gewerbliche Nutzungsmöglichkeiten der UAV: Filmaufnahmen, Vermessung, Landwirtschaft, Inspektionen, Transport und Zustellung.


Gefahren- und Bedrohungspotenziale

Grundsätzlich muss zwischen dem Gefahrenpotenzial von UAVs durch die fahrlässige private Nutzung im Sport- und Freizeitbereich und den Bedrohungspotenzialen durch kriminelle oder schädigende Verwendung der UAVs unterschieden werden. Die Bedrohungen durch Kriminelle, Spione und Terroristen werden in einer Studie von LUCIUS Consulting[5]behandelt, die auf SecuPedia für privilegierte Nutzer erreichbar ist[6]


Abwehr- und Gegenmaßnahmen

Empfehlungen für Abwehr- und Gegenmaßnahmen befinden sich in der vollständigen LUCIUS-Studie Counter Hostile Unmanned Aerial Vehicle (CHUAV), die für privilegierte SecuPedia-Nutzer kostenfrei verfügbar[7] ist. Bei Kritischen Infrastrukturen und bei konkreter Bedrohung kann sich darüber hinaus eine individuelle Bestandsaufnahme und Maßnahmen-Beratung empfehlen.


Eigene Einsatzmöglichkeiten im Rahmen der gewerblichen Sicherheit

Beim Einsatz von UAVs im gewerblichen Sicherheitsbereich und im Rahmen des Wach- und Sicherheitsdienstes eines Unternehmens gelten die gleichen gesetzlichen Rahmenbedingungen wie für andere gewerbliche Nutzer von UAVs. Dies schränkt den Einsatz von UAVs im Bereich der gewerblichen Sicherheit im Vergleich zu der behördlichen und militärischen Nutzung deutlich ein. Aufgrund der Notwendigkeit einer Aufstiegsgenehmigung, dem grundsätzlichen Sichtfluggebot und Nachtflugverbot sowie der damit verbundenen Einschränkungen des automatisierten Fluges sehen derzeit viele Unternehmen und auch Sicherheitsdienstleister von der grundsätzlichen Nutzung der UAVs im Sicherheitsbereich ab.

Darin sehen Fachleute jedoch einen grundsätzlicher Fehler, da gesetzlich mögliche Einsatzbereiche der UAVs im Rahmen der Sicherheit dadurch pauschal verworfen werden. Des Weiteren wird dadurch die gesetzliche Entwicklung zur Nutzung gewerblicher UAVs im Sicherheitsbereich nicht weiter gefördert bzw. indirekt forciert. Dennoch ist aufgrund der internationalen Entwicklung zukünftig davon auszugehen, dass automatisierte Flüge einschließlich Nachtflüge erforscht und mittelfristig möglich sein werden. Der Gesetzgeber wird vermutlich aber auch in naher Zukunft, aufgrund der zunehmenden Gefahr durch die fast uneingeschränkte Nutzung der UAV und Fluggeräte, den Bereich der Freizeit- und Sportgestaltung gesetzlich weiter einschränken müssen. Hieraus können sich Chancen für die allgemeine gewerbliche Nutzung und insbesondere für den gewerblichen Sicherheitsbereich ergeben.

Derzeitige Einsatzmöglichkeiten

Trotz der derzeitigen Rahmenbedingungen können, auch unter den oben dargestellten Einschränkungen, UAVs in bestimmten Einsatzbereichen für Aufklärungs-. Erkundungs- und Überwachungsaufgaben in der gewerblichen Sicherheit verwendet werden. Zivile Sicherheitsdienstleister oder der Werkschutz eines Unternehmens können mit einer entsprechenden Begründung im Rahmen der Aufstiegsgenehmigung UAVs nutzen, um aus der Luft eine vorangehende Erkundung bei anstehenden sicherheitsrelevanten Vorgängen wie z. B. Demonstrationen, Großveranstaltungen, Jahreshauptversammlungen, Sportereignissen u.a. durchzuführen. Auf diese weise kann das Sicherheitspersonal den eigenen Verantwortungsbereich sowie das Gelände bzw. die Infrastruktur im Nahbereich hinsichtlich ihrer Bedeutung und Nutzung im Rahmen der Sicherheit bewerten und beurteilen. Wie bei der behördlichen und militärischen Nutzung sind diese Auswertungen von großer Bedeutung für die sicherheitsrelevante Planung.

Überprüfung von Sicherheitskonzepten

Durch die Erkundung aus der Luft können zudem eigene Schwachstellen der baulichen Sicherheitsmaßnahmen erkannt oder das Gesamtsicherheitskonzept bewertet werden. Auf Grundlage dieser Erkundungsergebnisse sind Penetrationstests möglich, aus denen sich dann, zusammenfassend mit den Erkundungsergebnissen der UAV, ein fehlerfreies und effektives Sicherungskonzept ableiten lässt. Diese Aufgabe wird für Anlagen und Liegenschaften von Wirtschaftsunternehmen auch als Beratungsleistung angeboten.

Eigene Aufklärung

Der Einsatz von UAVs im zivilen Sicherheitsbereich ist grundsätzlich auch im Rahmen der Aufklärung möglich und sinnvoll. Hierbei empfiehlt sich insbesondere der Einsatz der UAVs als flexibles Auge des Wachschutzes. Die einzelnen Streifen des Wachschutzes können eine UAV der Klasse 3 mobil in ihrem Fahrzeug transportieren und bei Bedarf im Sichtflug zur Überwachung Ihres Nahbereiches oder von Streifenwegen einsetzen. Dabei können auch die Streifen zu Fuß mit einer leichteren UAV der Klasse 4 ausgestattet werden, die in einem Rucksacktragegestell transportiert bzw. mitgeführt werden kann. Für diese Einsatzform der gewerblichen Sicherheit kann grundsätzlich eine Daueraufstiegsgenehmigung durch die zuständigen Behörden erteilt werden. Eine klare Formulierung der Rahmenbedingungen, eindeutig definierte Parameter des Fluges sowie die sachliche Begründung des Sicherheitsinteresses können dies ermöglichen. Insbesondere in Industrie- und Fertigungsanlagen oder bei weitläufigen urbanen Firmengeländen ist diese Einsatzform der UAVs als Auge der Streifen zweckmäßig. Meist sind es nur die nächsten 150 m, die nächstgelegene Waldkante oder Hausecke, die im Rahmen der Aufklärung eingesehen werden muss.

In bestimmten Anlagen kann eine stationäre Steuerung über einen hoch gelegenen Punkt oder einen Turm durchgeführt werden. Hierbei behält der Steuerer die Kontrolle über den Sichtflug und kann gleichzeitig weite Teile des Geländes mit dem UAV überwachen. Hierbei ist auch eine Teilautomatisierung des Fluges möglich, in dem der Steuerer in einen vorprogrammierten Streifenflug bei Gefahren oder Änderungen sofort eingreifen und das Programm übersteuern kann.

Ermittlungen bei Diebstahl und Sabotage

Im Rahmen von Diebstahlsdelikten oder Sabotageakten ist es für den Werkschutz oder Sicherheitsdienstleister möglich, durch Überprüfungen und Erkundungen aus der Luft den Operationsplan des Gegners sowie den Tatvorgang nachzuvollziehen, dadurch weitere eigene zielgerichtete Tatortbewertungen und Nachforschungen durchzuführen, um ggf. weitere Anhaltspunkte, Zeugen oder Beweise zu finden, mit denen die weiteren Ermittlungen der zuständigen Polizeibehörde unterstützt werden können.


Datenschutz

Risiken für die Privatsphäre und den Datenschutz können sich beim Drohneneinsatz durch eine mögliche Sammlung und Verarbeitung von Bild- oder Tonaufnahmen oder Ortungsdaten ergeben, wenn Personen, die durch eine Drohne (beabsichtigt oder unbeabsichtigt) erfasst werden, identifiziert werden oder identifizierbar sind. Die Problematik reicht von der Ahnungslosigkeit, dass man von einer Drohne überwacht wird, über das Unwissen, welche technische Ausstattung sie an Bord hat, bis hin zur Unkenntnis, ob und zu welchem Zweck persönliche Daten gesammelt werden und von wem. Besondere Herausforderungen ergeben sich aus der Eigenschaft von Drohnen, Hindernisse und Sichtbarrieren – wie Mauern oder Zäune – ohne Mühe und unbemerkt überwinden zu können. So ist es möglich, über einen längeren Zeitraum, ohne direkte Blicklinie und über eine grosse Fläche Daten zu sammeln.

Aus diesem Grund fordert die Artikel-29-Datenschutzgruppe in einer Stellungnahme die Schaffung eines gesetzlichen Rahmens für den Einsatz von Drohnen auf nationaler und europäischer Ebene und die Erarbeitung eines Regelwerks für den verantwortungsvollen Einsatz von Drohnen unter Wahrung der Privatsphäre. Die Gruppe empfiehlt unter anderem, die gesetzlichen Bestimmungen für die öffentliche Videoüberwachung auch auf die Nutzung von Drohnen anzuwenden, welche mit Aufnahmegeräten ausgestattet sind. Ebenfalls rät sie zur Aufklärung über die beabsichtigte Datennutzung und zur engeren Zusammenarbeit zwischen den Datenschutz- und Zivilluftfahrtbehörden. Zur leichteren Identifikation der Betreiber von Drohnen wären beispielsweise elektronische Kontrollschilder oder die Publikation von Drohnenbetreibern auf einer öffentlichen Website zweckdienlich.[8]

Die Nutzung von Drohnen mit einer eingebauten Kameras durch Private ist nur unter Beachtung enger rechtlicher Grenzen möglich. In einem Beschluss hat der Düsseldorfer Kreis der Datenschutzbeauftragten am 15./16.09.2015 diese Grenzen formuliert (Information: Nutzung von Kameradrohnen durch Private)


Rechtslage

Die rechtlichen Voraussetzungen für die Nutzung von Drohnen sind nicht einheitlich und nicht eindeutig[9].

Die Bundesregierung teilte am 26.10.2015 in einer Antwort auf eine Kleine Anfrage der Fraktion die Linke optimistisch mit, unbemannte Fluggeräte (Drohnen) seien nach dem bestehenden Luftrecht unabhängig von ihrem Gewicht Luftfahrzeuge, soweit es sich nicht um Spielzeug handele. Da unbemannte Luftfahrtsysteme einer Aufstiegserlaubnis bedürften, seien die Steuerer dieser Geräte bekannt, so dass mögliche Verstöße gegen die Bestimmungen bei Bekanntwerden geahndet werden könnten.[10]

Das Europäische Parlamen verabschiedete am 29.10.2015 mit großer Mehrheit eine Entschließung, in der Drohnen mit einem ID-Chip ausgestattet und registriert sein sollten, damit die Rückverfolgbarkeit, die Rechenschaftspflicht und die ordnungsgemäße Umsetzung der Vorschriften über die zivilrechtliche Haftung sichergestellt sind.

Das Parlament forderte die EU-Kommission auf, die Forschung zur Entwicklung von Technologien wie der Erkennungs- und Ausweichtechnologie zu unterstützen, um Kollisionen mit anderen Luftfahrzeugen oder auf dem Boden zu vermeiden. Drohnen, die außer Sichtweite fliegen, müssten mit der „Sehen und Ausweichen“-Technik ausgestattet sein, so die Abgeordneten. Zudem solle eine "Geofencing"-Technologie entwickelt und genutzt werden, damit Drohnen Flugverbote über kritischen Infrastruktureinrichtungen (z.B. Atomkraftwerke) einhalten.[11]

Der deutsche Flughafenverband ADV und der europäische Dachverband ACI fordern auf europäischer Ebene eine zentrale Registrierung aller zivilen Drohnen, technische Leistungseinschränkungen und Erwerb einer Drohnen-Lizenz, um Störungen und Gefährdungen des zivilen Luftverkahrs zu vermeiden. Sie betonen zugleich das technische und wirtschaftliche Potanzial der unbemannten Fluggeräte, auch auf und bei Flughäfen[12]

Am 18. Januar 2017 hat das Kabinett eine Verordnung des Bundesverkehrsministers mit umfangreichen Reglementierungen[13] beschlossen. Sie differenziert nach Gewicht der Drohne, enthält einige generelle Verbote (Flüge über 100 m Höhe, in der Nähe von Flughäfen und über Wohngebieten) aber auch Erleichterungen für die gewerbliche Nutzung[14]

Am 16. Juni 2017 stellte die EU-Kommission ihre Pläne zur Ergänzung des europäischen Luftfahrtrechts vor: Bis 2019 sollen alle Drohnen und deren Betreiber registriert, elektronisch identifiziert und ihr Betrieb räumlich eingegrenzt werden können. Der Vorschlag umfasst Drohnen mit einem Gewicht bis zu 150 kg in einer Höhe von bis zu 150 m reichenden Luftraum („U-Space“). Schwerere Drohnen unterliegen bereits geltendem EU-Recht[15].

Einzelnachweis

  1. RPAS EXPO auf der AERO in Friedrichshafen
  2. z. B. UAV D A C H e.V.
  3. z. B. UAV Store für Fluggeräte und Zubehör
  4. SecuPedia Aktuell: Frankreich: Drohnen über Kernkraftwerken
  5. http://www.lucius-consulting.de/leistungen/uav-abwehr/
  6. SecuPedia Aktuell: Drohnenkunde für Sicherheitsprofis (zugangsbeschränkter Text)
  7. SecuPedia Aktuell: Drohnenangriffe: BKA warnt. LUCIUS Consulting stellt bisher geheime Studie zur Verfügung - Fassung für privilegierte Nutzer (zugangsbeschränkter Text)
  8. Secupedia Aktuell: Drohnen und der Datenschutz
  9. SecuPedia Aktuell: Das müssen Unternehmen bei der gewerblichen Nutzung von Drohnen wissen
  10. SecuPedia Aktuell: Bundesregierung zu Rechtsverstößen mit Drohnen
  11. SecuPedia Aktuell: Drohnen: Europäisches Parlament will Sicherheit gewährleisten
  12. SecuPedia Aktuell: Forderung nach Drohnen-Betriebsvorschriften auf EU-Ebene
  13. SecuPedia Aktuell: Dokumentation: Verordnung zur Regelung des Betriebs von unbemannten Fluggeräten
  14. SecuPedia Aktuell: Drohnenverordnung im Bundesrat
  15. SecuPedia Aktuell: Registrierung von Drohnen soll EU-weit Pflicht werden


Weblinks


Siehe auch



Diese Seite wurde zuletzt am 17. Juni 2017 um 15:02 Uhr von Peter Hohl geändert. Basierend auf der Arbeit von Team LUCIUS Consulting.

Anzeigen