Supply Chain Security Videosysteme

aus SecuPedia, der Plattform für Sicherheits-Informationen

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In einer Supply Chain (Lieferkette) durchlaufen Produkte und Waren aller Art viele Stationen (Prozessschritte), bis sie an ihrem Bestimmungsort angeliefert werden. Während des Transports (Luft, Wasser, Bahn, Straße) und innerhalb der einzelnen Prozessschritte bestehen Risiken, dass Waren beschädigt, fehlverladen oder entwendet werden. Zur Sicherung der Lieferkette werden weltweit Supply Chain Security Videosysteme eingesetzt. Diese Systeme werden stationär überall dort genutzt, wo Waren für einen Weitertransport vorbereitet, gelagert, verladen oder in Empfang genommen werden. Es beginnt bei der Kommissionierung im Versand des Herstellers, führt über Umlade-Stationen der Transportdienstleister, über Bahnhöfe, Häfen, Flughäfen und endet im Wareneingang des Empfängers.

Bestandteile

Ein Supply Chain Security Videosystem besteht aus einem oder mehreren DVR- (Digital Video Recorder) oder NVR-Systemen (Network Video Recorder) und hochauflösenden Videokameras (z.B. Megapixel IP-Kameras), die flächendeckend jede Warenbewegung erfassen. Diese Rekorder-Systeme verfügen über spezialisierte Software-Komponenten mit Schnittstellen zum Einlesen von Metadaten, wie Barcode-, RFID- (Radio-Frequency Identification), Wiege- und Scanner-Informationen, sowie Schnittstellen zu Warenwirtschaft- und Tracking-Systemen. Zusätzlich kommen Videoanalyse-Programme zur Nummernschild- und Trailer-Nummern-Erkennung wie auch zur Bewegungserkennung zum Einsatz.


Aufgabe

Die Aufgabe der Supply Chain Security Videosysteme ist, alle Waren-Bewegungen in den Stationen (Sprachgebrauch in der Logistikbranche: Schnittstellen) der Lieferkette automatisch mit aufgezeichneten Videobildern zu dokumentieren, diese Videobilder mit Lieferdaten (Barcode, etc.) zu verknüpfen und zu archivieren, um im Nachherein den Zustand der Waren über die gesamte Lieferkette kontrollieren zu können.


Kommissionierung

Scannen (Grafik: Geutebrück GmbH)
Die Herstellung und Kommissionierung von Waren ist der Anfang einer Lieferkette. Hier werden Produkte für den Versand zusammengestellt, verpackt und mittels Barcode- oder RFID-Kennungen einem Versandauftrag im Warensystem (Inhouse-System, SAP, Navision, etc.) zugewiesen.

Ein Versandauftrag enthält im Ausdruck einen eindeutigen Barcode (optoelektronisch lesbarer Strichcode), der als Aufkleber bei der Kommissionierung auf der Warenverpackung angebracht wird. Dieser Barcode dient zur Identifizierung der verpackten Ware in der gesamten Lieferkette und kann vom jeweiligen Bearbeiter mit einem kabelgebundenen (RS-232 Schnittstelle) oder mobilen (WLAN) Datenerfassungsgerät (Barcodescanner) gelesen (gescannt) werden. Über die Schnittstelle wird der Barcode an das Warenwirtschaftssystem (Inhouse-System) übermittelt und verifiziert dort die Abarbeitung der einzelnen Arbeits-Schritte des Versand- und Transportauftrags. Das Supply Chain Security Videosystem „hört“ mit und nutzt die Barcode-Information zur Steuerung und zum Markieren (Metadaten) der Videoaufzeichnungen.

Ein moderner Kommissionier-Platz ist mit mehreren hochauflösenden, meist an der Decke montierten, Kameras ausgerüstet, die diesen Arbeitsplatz aus verschiedenen Blickwinkeln von oben erfassen.

Kommissionierung (Grafik: Geutebrück GmbH)
Die Videoaufzeichnung der Kommissionierung wird durch den Barcodescanner des Mitarbeiters gesteuert. Die Barcode-Informationen sowie Ortsangaben des Scanners werden automatisch zugeordnet und in der Datenbank des digitalen Rekorders gespeichert. Dabei können Einzelbilder automatisch exportiert und zusätzlich in der Dateiablage des Inhouse-Systems als Dokumentation der Kommissionierung gespeichert werden.

Diese Einzelbildspeicherung hat zur Einhaltung des Datenschutzes eine Verzögerung von wenigen Sekunden und sorgt so dafür, dass die scannende Person Zeit hat, aus dem Bild herauszutreten.

Manche Systeme verfügen über spezialisierte Videoanalyse-Programme, die sowohl feste als auch bewegliche, sogenannte Privatzonen im Videobild ermöglichen. In diesen Zonen werden Gesichter zum Schutz der Privatsphäre des Mitarbeiters automatisch live verpixelt (unscharf verwischt).

Die so entstandenen Videobelege (Prozessvisualisierungen) lassen sich einfach und schnell über die Eingabe von Barcodes oder RFID recherchieren.


Warenausgang

Warenausgang (Grafik: Geutebrück GmbH)

Die kommissionierten Waren erreichen den Warenausgang, werden gescannt (Barcode) und hier mit anderen Waren für den Transportweg vorbereitet.

Der Warenausgang ist mit hochauflösenden Kameras bestückt, die alle Flächen wie Zwischenlager, Transportbänder, Verladerampen, Tore etc. abdecken.

Auch hier wird mit jeder Barcodescannung eine Videoaufzeichnung gesteuert und den bereits vorhandenen Aufzeichnungen mit der Ortsangabe des Scanners zugeordnet. Bei jeder Umlagerung der Waren bis zur Verladung wird jeweils neu gescannt und aufgezeichnet. So kann der gesamte Weg der Waren bis zur richtigen Verladung nachverfolgt werden und dient dem Lieferanten als Beweis für den fehlerfreien Versand.


Paketverfolgung

Paketverfolgung (Grafik: Geutebrück GmbH)

Der weltweite Waren-Transport wird heutzutage bis nahe an den Ort des Empfängers meist auf festen Transport-Routen über diverse Umlade-Stationen realisiert. So kann es vorkommen, dass z.B. ein Paket auf dem Weg zum Empfänger mehrfach auf ein anderes Transportmittel umgeladen wird.

In diesen Umlade-Stationen durchläuft die Ware einen Wareneingang, eine Zwischenlagerung, die Verteilung auf weitere Transport-Routen und einen stationären Warenausgang. Alle Flächen, auf denen die Waren bewegt, zwischengelagert und verladen werden, werden hier lückenlos mit hochauflösenden Kameras beobachtet.

Jede Warenbewegung wird durch die Mitarbeiter gescannt und vom System mit den entsprechenden Scanner-Daten (inkl. Ortsangaben) aufgezeichnet. Dabei werden die Bilder nur der Kameras aufgezeichnet, die den Standort des jeweiligen Barcodescanners einsehen können. So kann sehr einfach nachvollzogen werden, welchen Weg das Transportgut in der Umlade-Station genommen hat und ob es der richtige Weg war.


Stückgut-Ortung

Ortung (Grafik: Geutebrück GmbH)

„Just in time“ – alles so schnell wie möglich. Da kann viel passieren. Falsch abgestellte Waren können die Lieferkette erheblich behindern.

Ein Supply Chain Security Videosystem zeigt an seinem Revisionsplatz, auf dem Tablet oder dem Smartphone mit Hilfe der eingegebenen Barcode-Informationen alle aufgezeichneten Videobilder inklusive der Ortsangaben und ermöglicht so das schnelle Auffinden der Ware.

In bestimmten Anlagen werden zusätzlich Videoanalyse-Programme (Videobewegungserkennung) eingesetzt. Durch sie werden parallele Ereignis-Aufzeichnungen gestartet, die durch die Entnahme von Transportgütern z.B. aus gekennzeichneten Zwischenlagern (oft an farbigen Bodenmarkierungen erkennbar) ausgelöst werden. Anhand dieser Ereignis-Aufzeichnungen können beispielsweise nicht gescannte Warenbewegungen aufgedeckt und analysiert werden.


Kennzeichenerkennung und Zufahrtskontrolle

Zufahrtskontrolle (Grafik: Geutebrück GmbH)

In professionellen Supply Chain Security Videosystemen werden alle Fahrzeugbewegungen auf dem Gelände kontrolliert und dokumentiert. Bereits bei der Zufahrt eines Fahrzeugs werden Nummernschild- und Trailer- oder Container-Nummern von Spezialkameras erfasst und von der Videoanalyse erkannt. Die Kennzeichendaten können im Abgleich mit den im System parametrierten Zufahrtsberechtigungen zur automatischen Schrankensteuerung genutzt werden. Bekannte Fahrzeuge fahren vor, das Kennzeichen wird erkannt, die Schranke öffnet automatisch. Zur vollständigen Dokumentation aller Fahrzeugbewegungen werden die Außenkameras auf dem Gelände in die Aufzeichnung einbezogen.

Ein sogenannter Vehicle Access Manager zeigt dem Bediener an, welche Fahrzeugbewegungen stattfanden und welche Fahrzeuge sich momentan auf dem Gelände befinden. Eine integrierte Suche mittels der Kennzeichendaten führt direkt zu den verknüpften Video-Aufzeichnungen. Im Rahmen der sicheren Lieferkette kann auf diese Weise eindeutig nachgewiesen werden, wann und mit welchem Fahrzeug bestimmte Waren transportiert wurden.


Waren-Röntgen und Scannen

Röntgen (Grafik: Geutebrück GmbH)

Bei Luftfrachtsendungen sind die gesetzlichen Anforderungen an die Dokumentation der Frachtkontrolle besonders hoch (Aviation Security).

Das Supply Chain Security Videosystem überwacht den kompletten Kontrollvorgang mit mehreren Kameras aus unterschiedlichen Blickwinkeln. Dabei werden die Bilder des Röntgen-Scanners und das Sniffing (Kontrolle mit Sprengstoff Partikelspürgeräten) simultan mit in die Aufzeichnung und die Archivierung in der Datenbank des Rekorders einbezogen, so dass bei einer späteren Auswertung alle aufgezeichneten Kamera- und Röntgen-Bilder synchron wiedergegeben werden können. Es entsteht ein lückenloser Nachweis über den durchgeführten Kontrollvorgang. Alle archivierten Aufzeichnungen sind durch ein umfangreiches Benutzermanagement gegen Datenmissbrauch geschützt.


Wareneingang

Wareneingang (Grafik: Geutebrück GmbH)

Im Wareneingang des Empfängers endet die Lieferkette. Der Zustand der angelieferten Ware wird geprüft. Ist die Transport-Verpackung oder die Ware selbst beschädigt oder gar unvollständig oder falsch? Das Supply Chain Security Videosystem dokumentiert die Wareneingangs-Kontrolle und erstellt so Nachweise (Videobelege, Prozessvisualisierungen) für Prozessbeteiligte (Mitarbeiter) und die Versicherung. Gleichzeitig kann die Ware gescannt (Barcode), mit den aufgezeichneten Bildern im lokalen Warenwirtschaftssystem gebucht und in der weiteren Verwendung überwacht werden.


Bilddokumentation und Recherche

Recherche (Grafik: Geutebrück GmbH)

Professionelle Supply Chain Security Videosysteme bieten Schnittstellen-Anbindungen zu Warenwirtschaftssystemen (Inhouse-Systeme wie z.B. SAP, Navision, etc.). Je nach Integrationstiefe kann direkt in den Bedienoberflächen der Inhouse-Systeme das aufgezeichnete Videomaterial über zugewiesene Referenznummern ausgewählt und gesichtet werden.

Auch der direkte Zugriff auf die verschiedenen Rekorder z.B. in geografisch verstreuten Umlade-Stationen ist über das Netzwerk (VPN, Web) möglich. Über diesen Fernzugriff können Videoaufzeichnungen, gesteuert über eine Barcodesuche, aus allen Stationen der Lieferkette zentral ausgewertet werden.


Supply Chain Security Videosysteme in der Logistikbranche

Bedingt durch die zunehmende Globalisierung und die veränderte internationale Sicherheitslage gelten zahlreiche Verordnungen und Vorschriften für eine sichere Lieferkette, die von Herstellern und allen in der Logistikbranche tätigen Unternehmen eingehalten werden müssen. Um national wie international konkurrenzfähig zu bleiben oder in bestimmte Länder überhaupt liefern zu dürfen, müssen bestimmte Zertifizierungen nachgewiesen werden. Hier einige Beispiele:

  • TAPA - Transported Asset Protection Association
  • s.a.f.e - Schutz- und Aktionsgesellschaft für die Entwicklung von Sicherheitskonzeption in der Spedition mbH
  • DIN ISO 28000 -Sicherheitsstandard für alle Unternehmen, die an einer Lieferkette beteiligt sind
  • Vorschriften für Zollabwicklungen
  • Sanktionslisten

Supply Chain Security Videosysteme werden in nahezu allen Unternehmen, die einer Lieferkette angeschlossen sind, eingesetzt. Erst mit diesen Systemen und adäquat ausgebildeten Mitarbeitern werden die nötigen Voraussetzungen sicher erreicht, um die vielfältigen Vorschriften und Verordnungen erfüllen zu können. Viele Unternehmen nutzen ihr Supply Chain Security Videosystem auch in ihrer täglichen Arbeit, z.B. zur Beweisermittlung im Retouren-Management, zur Qualitätskontrolle oder zur Optimierung von Arbeitsabläufen und internen Transportwegen.


Siehe auch



Diese Seite wurde zuletzt am 10. August 2015 um 14:36 Uhr von Peter Hohl geändert. Basierend auf der Arbeit von Katharina Geutebrück.

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