Sicherheitsnebel

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Sicherheitsnebel (in der Schweiz "Schutznebel") wird von Zusatzgeräten zu Einbruchmeldeanlagen freigesetzt. Diese Nebelgeräte füllen bei Alarmauslösung innerhalb von Sekunden einen Raum vollständig mit undurchsichtigen Aerosolen (Nebel) aus, sodass ein Eindringling die Orientierung verliert und Gefahr läuft seinen Fluchtweg nicht mehr wiederzufinden. Dieser Umstand verhindert möglicherweise den Einstieg in das Objekt, es bleibt also beim Versuch. Der Nebel bleibt über eine halbe Stunde bis zu einer Stunde bestehen, so dass die Polizei oder ein Sicherheitsdienst Gelegenheit zur Intervention erhalten. Sollte der Eindringling dennoch erneut versuchen in die Räumlichkeiten einzudringen, wird der Sicherheitsnebel erneut aktiviert.

Anwendungsgebiete

Wohn- und Büroräume oder kleinere Shops bis ca. 60m² werden in weniger als 20 Sekunden, bei manchen Systeme in nur 5 Sekunden eingenebelt. Hier eine beispielhafte Auswahl der bereits mit Sicherheitsnebel ausgestatteten Branchen und Bereiche:

  • Verkaufsräume von Juweliere & Optikern
  • Kassenbereiche von Supermärkten & Tankstellen
  • Büroräume
  • Geschützte Sicherheitsbereiche in Unternehmen
  • Schalterräume von Banken
  • Lagerhallen
  • Spielhallen
  • Private Haushalte
  • Zigarettenlager
  • Elektrofachmärkte.


Funktionsweise

Die Nebel-Technologie ist mehr als 50 Jahre alt. Die trockenen und harmlosen Substanzen, die traditionell als Rauch-Effekt in Diskotheken und im Theater eingesetzt werden, sind gut geprüft und bewährt: Ein Flüssigkeitsgemisch aus Wasser und Glykol wird durch ein sehr heißes Heizelement gepresst. Dadurch wird sie zu einer weißen und sehr dichten Wolke, die sich gleichmäßig im gesamten Raum ausbreitet. Der Nebel ist trocken und völlig harmlos. Er hinterlässt keine Rückstände und ist für Menschen und Tiere unbedenklich. Er beschädigt nicht die Kleidung, Möbel oder elektrische Geräte, also auch keine IT-Hardware.

Sicherheitsnebelsysteme sind grundsätzlich mit allen auf dem Markt vorhandenen Alarmanlagen kompatibel. Die intelligenten Geräte können mit verschiedenen Timings eingestellt werden und mit oder ohne Pulsfunktion betrieben werden, je nach Größe des Raumes. Der Sicherheitsnebel, auch Nebelfluide genannt, verbreitet sich mit einer Geschwindigkeit von 10 km/h und reduziert die Sichtweite auf 20 bis 30 cm.


Anforderungen

Gemäß VdS Richtlinie 2525 muss die Anlage in dem vom Hersteller spezifizierten Raumvolumen die Sichtweite für mindestens 20 Minuten auf maximal 30 cm herabsetzen. Der Nebel muss gesundheitlich und in Bezug auf Sachen aller Art (z.B. Nahrungs- und Genussmittel, Kunstgegenstände, Bekleidung, Leder, Pelze, Teppiche) unbedenklich sein und darf beim Einsatz keine Rückstände hinterlassen. Dem Nebel soll (Polizeiempfehlung) bzw. darf (VdS 2525) kein Reizstoff (z.B. CS) beigemischt werden.

Die einschlägige Norm für Nebelsysteme ist DIN EN 50131-8:2010-03; VDE 0830-2-8:2010-03 Alarmanlagen - Einbruch- und Überfallmeldeanlagen - Teil 8: Nebelgeräte/Nebelsysteme für Sicherungsanwendungen.


Projektierung und Installation

VdS und Polizei weisen übereinstimmend darauf hin, dass Nebelgeräte auf keinen Fall durch einen Überfallalarm ausgelöst werden dürfen. Außerdem müssen Nebelgeräte so projektiert und installiert werden,

  • dass ein Täter durch den Nebel möglichst frühzeitig bereits am Betreten des Objekts gehindert wird,
  • dass im Alarmbereich keine Rauchmelder installiert sind,
  • dass der Nebel weder von Hausbewohnern noch von Passanten für Brandrauch gehalten werden kann (um unnötige Alarmierung der Feuerwehr oder Panikreaktionen zu vermeiden),
  • dass Polizei und Feuerwehr über das Vorhandensein des Nebelgeräts informiert sind, um bei Alarmen sachgerecht reagieren zu können,
  • dass Interventionskräfte den Raum schnell und ausreichend lüften können.


Betriebssicherheit

Werden Vernebelungsgeräte an Einbruchmeldeanlagen mit Anschluss bei der Polizei (ÜEA) betrieben, ist eine vorherige Genehmigung durch die Polizei erforderlich. Auch Einbruchmeldeanlagen ohne Polizeianschluss sollten erhöhten Anforderungen an Betriebssicherheit und Falschalarmfreiheit genügen. Die Polizei empfiehlt den Anschluss insbesondere an Anlagen der Klassen B und C nach dem "Pflichtenkatalog für Errichterunternehmen von Überfall- und Einbruchmeldeanlagen"[1]

Der Einsatz von Reizmittelsprühgeräten in Verbindung mit Überfall - und Einbruchmeldeanlagen ist nicht zulässig. Für Nebelgeräte gilt zusätzlich:

  • Ansteuerung von Nebelgeräten nur über hochwertige EMA der Klasse B oder C mit Fernalarmierung an eine Notruf- und Serviceleitstelle (NSL).
  • Grundsätzlich kein Einsatz von Nebelgeräten in Objekten, die von mehreren Mietern/Eigentümern genutzt werden oder gar in Objekten mit mehreren Stockwerken oder in Objekten, die vorwiegend zu Wohnzwecken genutzt werden (z.B. Geschäfte in größeren Wohnblocks. Es besteht u. a. die Gefahr, dass Bewohner an einen Brand glauben und womöglich aus einem Fenster springen).
  • Es macht bei einer Reihe von Schutzobjekten Sinn, die Auslösung von Nebelgeräten, die von einer EMA angesteuert werden sollen, von einer zusätzlichen manuellen Freigabe nach der Übertragung von Videobildern aus dem Objekt in eine NSL über einen Schaltbefehl von dort abhängig zu machen. Dies setzt jedoch voraus, dass die Auslösung der EMA erfolgt, bevor Täter die durch Nebelgeräte geschützten Bereiche erreichen können und das Bedienpersonal der NSL die Örtlichkeiten gut kennt, über Video ausreichend einsehen und das System ordnungsgemäß bedienen kann.
  • Wichtige Bedieneinrichtungen (z.B. Entrauchung bei Nebelgeräten, Stromabschaltung und Gas-Abstellhähne bei Notfall- und Gefahren-Reaktions-Systemen) müssen in Bauplänen vermerkt sein.


Einzelnachweis

  1. Bundeseinheitlicher Pflichtenkatalog der Kommission polizeiliche Kriminalprävention. Bundeseinheitliche Richtlinie für Überfall-/Einbruchmeldeanlagen bzw. Anlagen für Notfälle/Gefahren mit Anschluss an die Polizei (ÜEA- Richtlinie vom 1.7.2017)



Siehe übergeordnetes Stichwort



Diese Seite wurde zuletzt am 9. August 2017 um 15:42 Uhr von Peter Hohl geändert. Basierend auf der Arbeit von Klaus Kapinos.

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