Schließzylinder

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"Am Schlosskasten zu befestigende, austauschbare Baugruppe, bestehend aus Zylindergehäuse, Zylinderkern, mehreren Stiftzuhaltungen und dem Schließbart, die ein einfaches (Buntbart-) Schloss in ein höheren Sicherheitsbedürfnissen entsprechendes Zylinderschloss verwandelt. Das Zylindergehäuse kann rund, oval oder profiliert sein."(Definition nach DIN 18252:1999-09)

Eigenschaften

Als "Schließzylinder" wird demnach nur das Eingerichte bezeichnet, unter Zylinderschloss ist das gesamte Schloss (mit Riegel und Falle) einschließlich des Zylinders zu verstehen.

Schließzylinder werden in den verschiedensten Formen, Materialien und Abmessungen hergestellt (Rundzylinder, Ovalzylinder, Gewindezylinder, Profilzylinder etc.). Jedes Land hat eigene Normen und Vorschriften. Weltweit den größten Marktanteil hat der Profilzylinder im so genannten Europrofil (Hahnprofil).

Der Zylinder besteht aus einem feststehenden Körper (Gehäuse, Stator), einem drehbaren Innenteil (Kern, Rotor) der die Schließbewegung durch einen Mitnehmer (Schließbart) auf Riegel oder Sicherungseinrichtungen überträgt.
Zylinderprofile

Der Rotor wird durch Sperrelemente z.B. zylinderförmige Stifte (Kern-, Gehäusestifte), Plättchen, Schieber, Scheiben, Balken usw. blockiert.

Für die Schließbewegung wird ein Schlüssel benötigt, der die entsprechende Information der Sperrelemente enthält und der sich von einer möglichst großen Zahl anderer Schlüssel in der Information unterscheidet. Der mit der richtigen Information versehene Schlüssel hat die Fähigkeit, die Sperrelemente in die Entsperrstellung, d.h. auf Schließhöhe zu bringen, damit der Kern, Rotor mit der am Schlüssel angebrachten Handhabe (Griff, Schlüsselreide) gedreht werden kann.


Sicherheit

Mit ein Motiv für die Konstruktion der ersten Schließzylinder war das Bemühen, die Schlüssellöcher so klein wie möglich zu halten, um zu verhindern, dass mit Werkzeugen, Sperrhaken, usw. oder mit dem um 1850 bekannt gewordenen Hobbs'schen Aufsperrverfahren, das unter Ausnutzung der Herstelltoleranzen die Sperrelemente einzeln mit vorgerichteten Werkzeugen in einer bestimmten Reihenfolge entsperrt, darin gearbeitet werden konnte. Auch die Verformung der Schlüsselkanäle soll das Arbeiten mit Sperrwerkzeugen erschweren. Zusätzlich werden der Schlüsselkanalverformung in jüngerer Zeit auch neue Funktionen zugewiesen, z.B. in der Kombination verschiedener Profile im Aufbau von Schließanlagen.

Aufbau eines Schließzylinders
Der ursprüngliche Sicherheitswert der Profilierungen ist jedoch durch breite Information und Transparenz teilweise verlorengegangen. Einige Hersteller verzichten daher auf die Schlüsselkanalverformung und suchten nach anderen Methoden, die die Anwendung verschiedenster Aufsperrverfahren verhindern. Sie laufen im Allgemeinen darauf hinaus, die Anzahl der Sperrelemente zu erhöhen, die Sperrelemente zu verformen und die schließungsbeeinflussenden Spiele zu verkleinern.

Der Sicherheitswert eines Zylinders ist also von verschiedenen Sicherheitsfaktoren abhängig, jedoch gibt das "finish", d.h. das Zusammenwirken aller Komponenten den letzten Ausschlag. Vom "finish" werden insbesondere die Nachschließsicherheit, die Aufsperrsicherheit aber auch andere Sicherheitswerte wie die Betriebssicherheit entscheidend beeinflusst. Der Schließzylinder, der seinen Sicherheitswert also in erster Linie von der Herstellungsgenauigkeit erhält, benötigt daher in ganz besonderem Maße eine klar überlegte Fabrikation und eine sehr seriöse Montage.


Schließvarianten

Der ideale Schließzylinder hat sehr kleine schließungsbeeinflussende Spiele. Dadurch kann der Stufensprung (Abstufung der Bolzenlängen) klein gehalten werden, damit auf einem Schlüssel eine größtmögliche Zahl von echten Schließvarianten aufgebaut werden kann. Der Stufensprung muss echt sein, d.h. er muss größer als die Summe der schließungsbeeinflussenden Spiele sein. Die Zahl der Schließungsverschiedenheiten ist von der Zahl der Sperrelemente und der Zahl der Stufensprünge, die ein Schlüssel zulässt, abhängig.

Die Grundformel lautet V = nz, wobei V die Zahl der Schließungsverschiedenheiten, z die Zahl der Sperrelemente und n die Zahl der Stufensprünge bedeutet.

Je nach System kann diese Formel erweitert werden. Die theoretisch errechneten Schließungen sind je nach System verschiedenen Restriktionen unterworfen, die berücksichtigt werden müssen, d.h. die theoretisch errechneten Schließungen können nicht voll in die Praxis umgesetzt werden.
Zylinder mit Funktion für begrenzten Zutritt. (Bild: dormakaba)


Sonderfunktionen

Schließzylinder sind mit verschiedenen Sonderfunktionen erhältlich: Als elektronischer Schließzylinder, als Magnet- oder Motorzylinder, mit Wende- oder Partnerschlüssel. Es gibt Zylinder, die sich auch dann schließen lassen, wenn ein Schlüssel von der anderen Seite steckt, oder Zylinder, aus denen der Schlüssel in verschiedenen Positionen abgezogen werden kann, um auf einfache Weise begrenzte Zutrittsberechtigungen zu realisieren: So kann zum Beispiel ein Serviceschlüssel für Reinigungskräfte oder Servicepersonal realisiert werden, der nur schließt, wenn der normale Schlüssel nicht in der üblichen "Sechs-Uhr-Position", sondern in der "Acht-Uhr-Position" abgezogen wird.


Kriterien

Wichtige Punkte, die bei der Konstruktion eines Sicherheitszylinders berücksichtigt werden müssen:

Systemaufbau

  • Anzahl echter Schließungen
  • Schließanlagentauglichkeit
  • Aufbau von Schließanlagen ohne großen Sicherheitsverlust
  • Flexibilität im Aufbau von Schließanlagen
  • Schlüsselkanalverschiebung
  • Schlüsselkanalverformung
  • Anzahl Sperrelemente
  • Gehäusestifte, Kernstifte (Material, Durchmesser, Anphasung, Verformung)
  • Anzahl Stufensprünge
  • Anzahl verwendbarer Stiftreihen im System
  • Anzahl Bohrbilder
  • Kleine schließungsbeeinflussende Spiele
  • Schlüssel (Material, Form, Nummerierung)
  • Zylinder (Material, Form)


Betriebssicherheit

  • Verschmutzung, Verschleiß,
  • Service-Leistungen
  • Nachlieferung, Archivierung,
  • Nachschlüsseldienst und Überwachung.


Maßnahmen gegen Aufsperrmethoden

  • Nachschließ-Sicherheit
  • Aufsperr-Sicherheit
  • Abtast-Sicherheit
  • Verhinderung der Kamm-Methode


Sicherheit gegen mechanische Zerstörung

  • Scherfestigkeit der Zuhaltungen
  • Aufbohrschutz
  • Abbruchschutz
  • Durchschlag-Versuche (Rotor, Stator)
  • Ausreiß-Versuche (Kernziehen, Ziehwerkzeug)


Angriffsmethoden

Unter Nachschließen ist die Technik zu verstehen, die es ermöglicht, mit einem Hilfsschlüssel, welcher die richtige oder ähnliche Information wie der Originalschlüssel besitzt, den Zylinder mehrmals zu entsperren. Dies kann ein zufällig passender oder bewusst ausgesuchter Schlüssel sein, aber auch ein durch verschiedene Methoden präparierter Schlüssel.

Unter Nachsperren bzw. Aufsperren sind alle Methoden zu verstehen, die das Öffnen des Zylinders durch irgendeine Technik ohne Schlüssel ermöglichen. Beim Nachsperren wird die Öffnungstechnik jedesmal neu versucht und aufgebaut, im Gegensatz zum Nachschließen. Das bekannteste Verfahren ist das Hobbs'sche Aufsperrverfahren, das unter Ausnutzung der Herstelltoleranzen die Sperrelemente einzeln mit vorgerichteten Werkzeugen in einer bestimmten Reihenfolge entsperrt.

Unter Abtasten sind alle Maßnahmen zu verstehen, die durch Messungen Rückschlüsse auf die im Zylinder verwendete Schließkombination zulassen.

Die Kamm-Methode wird ermöglicht, wenn die Gehäusebohrung tiefer gebohrt ist als die zusammengedrückte Länge von Kernstift, Gehäusestift und Feder. Die Bolzenpaare lassen sich in diesem Fall auf einfache Art mit einer Kamm-ähnlichen Blattlehre gesamthaft oder einzeln mit Haken nach dem Hobb'schen Verfahren in das Gehäuse drücken.

Weitere Beschreibungen des Schließzylinders finden sich unter den Stichworten Magnetschloss und Schließanlage.


Vorschriften und Richtlinien

Maßgeblich ist die Norm DIN EN 1303, Ausgabe:2005-04 Baubeschläge – Schließzylinder für Schlösser – Anforderungen und Prüfverfahren; Deutsche Fassung EN 1303:2005-04.

Einschlägige VdS-Richtlinien: VdS 2156-1 Schließzylinder mit Einzelsperrschließung, Anforderungen und Prüfmethoden VdS 2156-2 Schließzylinder mit Einzelsperrsicherung, Anforderungen und Prüfmethoden, Teil 2: Elektronische Schließzylinder VdS 2201 und VdS 2201-S1 Zylinderschlösser, Anforderungen und Prüfmethoden VdS 3541 Schließzylinder und Schließsysteme für Haus und Wohnung, Anforderungen und Prüfmethoden VdS 5476 Schließzylinder

Für den Privatbereich vergibt VdS Sterne für anerkannte Schließzylinder:
   * 1 Stern:  Basissicherheit für einfache Anforderungen
  ** 2 Sterne: Erhöhte Sicherheit für mittlere Anforderungen
*** 3 Sterne: Hohe Sicherheit für besondere Anforderungen[1]


Einzelnachweis

  1. VdS: Schließzylinder mit VdS-Anerkennung


Siehe auch



Diese Seite wurde zuletzt am 7. Dezember 2017 um 15:59 Uhr von Peter Hohl geändert. Basierend auf der Arbeit von Tobias Wrenger, Admin, Astrid Jung und Urs Späni.

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