Schließanlage (mechanisch)

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Die Schließanlage ist - unter Berücksichtigung von Sicherheitsaspekten - ein Organisationsmittel, wobei Funktions- und Kompetenzabgrenzungen in der Regel umfangreich möglich sind. Statt einer Vielzahl werden nur wenige Schlüssel benötigt, die exakt abgegrenzte Schließbereiche erfassen.

Einsatz

Realisierbar (und kombinierbar) sind folgende Schließanlagen-Funktionen:

  • Zentralschlossanlage für den Mietwohnbereich: Es passen verschiedenartige Einzelschlüssel (z.B. für Wohnungstüren) gemeinsam auf bestimmte Türen, wie Haustüren, Kelleraußentüren, Waschraumtüren, Speichertüren usw., die die Hausgemeinschaft gemeinsam öffnen und verschließen muss.
  • Hauptschlüssel-Anlage für kleinere und mittlere Betriebe und Verwaltungen, für gewerbliche, handwerkliche und industrielle Betriebe ohne größere Organisation, für Eigenheime, kleine Museen usw.: Ein übergeordneter Schlüssel - der Hauptschlüssel - schließt die - meist verschieden schließenden - Zylinder der Anlage.
  • Generalhauptschlüssel-Anlage für größere Industrie- und Verwaltungsbauten, für Schulen, Hochschulen, Krankenhäuser, Museen, Pflegeheime und sonstige größere Bauten mit umfangreicher Organisation.: Ein Zusammenschluss von mehreren Hauptschlüssel-Funktionen (Gruppen) mit einem Generalhauptschlüssel, der fast immer alle Zylinder der Anlage schließt.

Wenn einzelne Schließungen für übergeordnete Schlüssel nicht zugänglich sein sollen, hat dies häufig rechtliche Gründe (Zimmer des Werksarztes - Arztgeheimnis; Räume der Personalvertretung - Arbeitsrecht). Dass eine Schließanlage außerdem Nachschließsicherungen und Bohrschutz-Elemente aufweist, und dass wichtige, exponierte Türen auch mit Sicherheitsbeschlägen ausgerüstet sind, kann vorausgesetzt werden.

Kombinationen der einzelnen Anlagen-Arten untereinander (z.B. kombinierte Hauptschlüssel- und Zentralschlossanlage) sind möglich.

Man unterscheidet nach Wichtigkeit der übergeordneten Schlüssel wie folgt:

  1. Generalhauptschlüssel
  2. Hauptgruppenschlüssel
  3. Gruppenschlüssel
  4. Untergruppenschlüssel


Systemvariationen

Folgende Systeme stehen zur Auswahl:

  • Buntbartschlösser (Zuhaltungsschloss),
  • Buntbartschlösser mit Besatzung und Reifen,
  • Zuhaltungsschlösser (Chubb-Schlösser), symmetrisch,
  • Zuhaltungsschlösser (Chubb-Schlösser), asymmetrisch
  • Zuhaltungsschlösser mit Doppelbartschlüssel,
  • Zylinderschlösser.

Die Variationsbreiten bei Buntbart- und Zuhaltungsschlössern symmetrischer Art sind sehr gering und für Schließanlagen-Zwecke kaum ausreichend; ganz abgesehen vom fehlenden Sicherheitswert bei den Standard-Typen.

Asymmetrische Zuhaltungsschlösser können u. U. je nach Fabrikat und zusätzlichen Sicherungs-Elementen eine begrenzt ausreichende Variationsbreite erreichen, wobei auch der Sicherheitsgrad wesentlich erhöht sein kann.

Eine für Zuhaltungsschlösser sehr hohe Variationsbreite wird bei Verwendung von Doppelbartschlüsseln erzielt. Der Sicherheitsgrad ist bei den Spitzenprodukten einiger bekannter Hersteller sehr hoch.

Zentralschlossanlage. Gleiche Ziffern bedeuten gleiche Schließungen.

An der Spitze der Variationsmöglichkeiten steht eindeutig das Zylinderschloss, daher eignet sich das System besonders gut für die Verwendung in Schließanlagen. Man unterscheidet dabei zwischen "reinen" Möbelschlossanlagen (in der Regel nur Hauptschlüsselanlagen) mit dem kleineren Zylinder und einem kleineren ("Industrie-") Schlüssel, und den Zylinderschließanlagen für Bauten; wobei - unter Verwendung von größeren Zylindern - auch Möbel einbezogen werden können.


Verfügbare Zylindersysteme

Z. Z. sind u.a. folgende Zylinder-Systeme auf dem Markt:

  • Konventionelle Stift-Zylinder (gefräste Schlüssel, gekerbt, z. T. mit zusätzlichen Sicherheitselementen)
  • Doppelflankenschlüssel-Zylinder
  • Wendeschlüssel-Zylinder (gebohrter Schlüssel, Muldenbohrungen oder Bahnen, Schlüsseleinführungs-Lage frei wählbar)
  • Magnet-System (Schlüssel mit Magnetfeldern, Zylinder teils mit Magnetfeldern, teils auch mit Magnet-Rotoren als Sperrelementen) (Magnetschloss)
  • Schließ-Zylinder mit überwiegend Stahlschließwerken (Eingerichte), z.T. mit rotierenden Scheiben-Zuhaltungen, Sperrnadeln usw.


Konventionelle Stift-Zylinder

Konventionelle Stift-Zylindersysteme haben 5, 6 oder 7 (in einem Einzelfall 10) Stiftzuhaltungen, die zweiteilig und gefedert sind. Zylinder mit Doppelflankenschlüssel besitzen 10 Stiftzuhaltungen, die zweiteilig und gefedert sind; die Schlüssel sind innen und außen an beiden Doppelflanken profiliert und ohne scharfe Kanten nach der sogenannten Ideallinie geschnitten. Wendeschlüssel-Systeme können 5, 8, 10 oder mehr zweiteilige, gefederte Stiftzuhaltungen besitzen. Magnetzylinder haben oft zusätzliche Sperrelemente herkömmlicher Art in Kombination.


Zusätzliches Sperrelement

Ein zusätzliches Sperrelement ist bei verschiedenen Wendeschlüssel-Systemen beweglich im Schlüssel untergebracht. Diese Technik wird bei verschiedenen Zylindersystemen angewendet und erhöht die Kopiersicherheit des Schlüssels


Gefahrenschlüssel

Bei fast allen Zylinderschloss-Systemen ist die Einrichtung eines sogenannten Gefahrenschlüssels möglich. Es werden dem Gefahrenschlüssel bestimmte Zylinder zugeordnet, die er im Falle einer Gefahr auch dann schließen kann, wenn von der anderen Seite ein Schlüssel steckt (Hotels, Altenwohnheime, Pflegeheime usw.); man nennt diese Version die Gefahrenschlüssel-Einrichtung, im Gegensatz zur Gefahrenfunktion, bei der alle zum Zylinder gehörenden Schlüssel, auch die übergeordneten, jederzeit schließen können. Die Gefahrenfunktion hat jedoch bei Schließanlagen untergeordnete Bedeutung, weil bei der Gefahrenschlüssel-Einrichtung eher gewährleistet werden kann, dass sie wirklich nur im Gefahrenfall eingesetzt wird.


Sonderverschlüsse

In Zylinder-Schließanlagen können außergewöhnlich viele Sonderverschlüsse eingeordnet werden, so z. B. abschließbare Fenstergriffe, Hebetür-Sicherungen, Hangschlösser, Notschlüssel-Kästen oder -Rohre, Tankverschlüsse, Aufzug- und Torsteuerungen, andere Elektroschalter, Briefkastenverschlüsse, Panik- und andere Fluchttürverschlüsse (z. B. auch Knaufzylinder), Schwenkhebelschlösser, Querriegel-, Panzerriegel- und Mehrriegelschlösser usw.

Für Schließanlagen nicht verwendbar sind Einbausicherungen (Schließelemente mit dem sogenannten Kreuzbart-Schlüssel, siehe Schließzylinder).


Sonderprofile

Schließanlagen werden fast immer in Sonderprofilen eingerichtet, die herstellerbezogen sind. Ob solche Profile oder Profilserien patentiert sind oder nicht: der Sicherheitswert hängt wesentlich davon ab, ob die Schlüssel Erschwernisse besitzen, die ein leichtes Nachahmen ausschließen. Die effektive Nutzungszeit von Patenten ist relativ kurz, wenn man die Lebensdauer einer Schließanlage berücksichtigt, daher sind Maßnahmen technischer Art wichtiger, die die Kompliziertheit eines Schlüssels ausmachen.


Organisatorisches

Grundsätzlich muss gesagt werden, dass jeder Schlüssel nachgeahmt werden kann, wenn der Originalschlüssel für eine gewisse Zeit in unbefugte Hände gerät. Die sichere Verwahrung und gewissenhafte Ausgabe von wichtigen Schließanlagen-Schlüsseln ist daher ausschlaggebend für die Sicherheit der Schließanlage. Selbstverständlich muss auch der Schließplan sicher aufbewahrt werden.

Wenn auch der Sicherungsschein, die Sicherungskarte oder der Berechtigungsschein nicht mehr ihre frühere Bedeutung haben, so ist eines doch gewährleistet: Ein Unbefugter kann nicht anhand der Schlüsselnummer oder -Bezeichnung (Codierung) oder anhand der auf dem Sicherungsschein usw. erkennbaren Codes einen Ersatzschlüssel beschaffen. Die Hersteller verlangen die Vorlage des Sicherungsscheins, und nur sie können gemäß dem Code die wirkliche Schließung entschlüsseln.

Sogenannte Sicherungskarten unterliegen zudem einem engen "Sicherheitskreislauf": Sie werden im Bestellfalle beim Händler (Schlüsseldienst) in einen Bestelldrucker eingelegt und nach Abdruck der Codierung dem Besitzer direkt wieder zurückgegeben. Neuerdings finden sich statt des Sicherungsscheins auch Sicherungsscheckhefte. Damit kann der Betreiber der Anlage einen einzelnen Schließberechtigten zum Bezug eines einzelnen Schlüssels bevollmächtigen, ohne sich selbst um die Beschaffung zu kümmern und ohne das Risiko, dass ein Beauftragter unbefugt zusätzlich Schlüssel bestellt.


Einschlägige Vorschriften, Richtlinien und Normen

  • DIN 18252 09.99
  • VdS 2386 11.04


Siehe auch



Diese Seite wurde zuletzt am 15. August 2011 um 15:25 Uhr von Admin geändert. Basierend auf der Arbeit von Astrid Jung und Jürgen Krühn.

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