Sachkundeprüfung

aus SecuPedia, der Plattform für Sicherheits-Informationen

Anzeige
Wechseln zu: Navigation, Suche

Es ist zu unterscheiden zwischen der Waffen-Sachkundeprüfung und der Sachkundeprüfung für in bestimmten Bereichen tätiges gewerbliches Sicherheitspersonal

§ 34a Gewerbeordnung

Seit 1. Januar 2003 ist nach § 34a Gewerbeordnung (GewO) in Deutschland für gewerbliche Tätigkeiten von Wach- und Sicherheitsunternehmen in folgenden Bereichen eine Sachkundeprüfung erforderlich:

Betroffene Tätigkeiten

Von Anfang an war die Sachkundeprüfung nach § 34a GewO für drei Arten von gewerblichen Sicherheitstätigkeiten vorgeschrieben

  • Kontrollgänge im öffentlichen Verkehrsraum oder in Hausrechtsbereichen mit tatsächlich öffentlichem Verkehr (Citystreifen)
  • Schutz vor Ladendieben (Kaufhausdetektive)
  • Bewachungen im Einlassbereich von gastgewerblichen Diskotheken (Türsteher)

Nach dem am 1. Dezember 2016 in Kraft getretenen "Gesetz zur Änderung bewachungsrechtlicher Vorschriften" müssen weitere Personen vor Aufnahme ihrer Tätigkeit einen Sachkundenachweis erbringen:

  • Bewachungsunternehmer und leitende Angestellte in Bewachungsunternehmen (dafür ist das bisher vorgeschriebene 80stündige Unterrichtungsverfahren entfallen)
  • Personen, die in leitender Funktion bei der Bewachung von Flüchtlingsunterkünften (laut Gesetz: Aufnahmeeinrichtungen sowie Gemeinschaftsunterkünften des Asylgesetzes oder anderen Immobilien und Einrichtungen, die der auch vorübergehenden amtlichen Unterbringung von Asylsuchenden oder Flüchtlingen dienen) eingesetzt werden.
  • Personen, die in leitender Funktion bei der Bewachung von zugangsgeschützten Großveranstaltungen eingesetzt werden. Als Großveranstaltungen gelten organisierte Ereignisse insbesondere sportlicher, kultureller, kirchlicher, wirtschaftlicher oder gesellschaftlicher Art, ohne Versammlung im Sinne des Artikels 8 Grundgesetz zu sein. Von einer zugangsgeschützten Veranstaltung unter freiem Himmel ist in der Regel ab 5.000 Besucher auszugehen.

Zweck der Sachkundeprüfung ist der Nachweis, dass die in den genannten konfliktgeneigten Bereichen tätigen Personen Kenntnisse über die rechtlichen Vorschriften und fachspezifischen Pflichten und Befugnisse sowie deren praktische Anwendung erworben haben, die für die Ausübung dieser Tätigkeiten notwendig sind.

Kaufhausdetektive können ab 2015 eine Zusatzqualifikation als „Sicherheitskraft im Handel (IHK)“ erwerben[1]


Prüfungsstoff

Die Unterrichtungsverfahren der Sachkundeprüfung erstrecken sich inhaltlich auf die Sachgebiete Gegenstand der Prüfung sind folgende Sachgebiete:

  1. Recht der öffentlichen Sicherheit und Ordnung einschließlich Gewerberecht und Datenschutzrecht
  2. Bürgerliches Gesetzbuch
  3. Straf- und Strafverfahrensrecht einschließlich Umgang mit Waffen
  4. Unfallverhütungsvorschrift Wach- und Sicherungsdienste
  5. Umgang mit Menschen, insbesondere Verhalten in Gefahrensituationen und Deeskalationstechniken in Konfliktsituationen sowie interkulturelle Kompetenz unter besonderer Beachtung von Diversität und gesellschaftlicher Vielfalt
  6. Grundzüge der Sicherheitstechnik

Die Prüfung besteht aus einem schriftlichen und einem mündlichen Teil. Schwerpunkte der mündlichen Prüfung sollen die Sachgebiete 1,2,3 und 5 sein.


Ausnahmen

Prinzipiell ist die Sachkundeprüfung vor Aufnahme der Tätigkeit abzulegen.

Für die Tätigkeit in Flüchtlingsunterkünften und bei Großveranstaltungen gibt es eine Übergangsfrist bis 30. November 2017.

Die Sachkundeprüfung für Unternehmer ist nicht erforderlich für Personen, die am 1. Dezember 2016 bereits berechtigt als Bewachungsunternehmer tätig waren.

Vom Sachkundenachweis dauerhaft befreit ist, wer einen für das Bewachungsgewerbe einschlägigen Aus- oder Weiterbildungsabschluss (siehe zum Beispiel §§ 53, 56 Berufsbildungsgesetz) nachweisen kann, zum Beispiel Fachkraft für Schutz und Sicherheit
Servicekraft für Schutz und Sicherheit
Geprüfte Schutz- und Sicherheitskraft
Geprüfte(r) Meister(in) für Schutz und Sicherheit

Außerdem ist befreit, wer erfolgreich Abschlüsse im Rahmen einer Laufbahnprüfung zumindest für den mittleren Polizeivollzugsdienst, auch im Bundesgrenzschutz, für den mittleren Justizvollzugsdienst, für den mittleren Zolldienst (mit Berechtigung zum Führen einer Waffe) sowie für Feldjäger in der Bundeswehr erworben hat. Der zuständigen Erlaubnisbehörde ist dieser Befreiungstatbestand durch Vorlage der entsprechenden Zeugnisse nachzuweisen. Auch diese Befreiung gilt auf Dauer.


Schriftliche Prüfung

Bei der schriftlichen Prüfung geltend folgende bundeseinheitliche Vorgaben:

  • Die Prüfung wird nach dem „Multiple-choice-System“ durchgeführt.
  • Die Aufgaben werden von einem Fachgremium erstellt. Der jeweilige Aufgabensatz wird kurzfristig der prüfenden Industrie- und Handelskammer überstellt.
  • Die Prüfungsaufgaben sind in neun Sachgebiete aufgeteilt.
  • Zurzeit besteht ein Aufgabensatz aus 22 Seiten mit 72 Aufgaben sowie zwei Auswertebögen (B1 und B2).
  • Richtige Lösungen zu den Sachgebieten Recht der öffentlichen Sicherheit und Ordnung, Bürgerliches Recht sowie Straf- u. Verfahrensrecht werden doppelt bewertet. Alle anderen Lösungen werden einfach bewertet.
  • Die Antworten sind nur durch Ankreuzen auf den Auswertebögen einzutragen.
  • Zu jeder Multiple-choice-Frage sind mehrere Antwortmöglichkeiten vorgegeben.
  • Mindestens eine Antwortmöglichkeit ist richtig, maximal sind zwei Antwortmöglichkeiten richtig.
  • Die Aufgabe wird nur dann als richtig bewertet, wenn alle richtigen Antworten angekreuzt sind. Ist eine falsche Antwortmöglichkeit angekreuzt oder eine richtige Antwortmöglichkeit nicht angekreuzt, ist die Aufgabe insgesamt falsch beantwortet. Es gibt keine Teilpunkte.
  • Die Aufgaben sind mit Bezug auf das jeweilige Sachgebiet zu lösen.
  • Die Bearbeitungszeit beträgt maximal 120 Minuten.[2]

Mündliche Prüfung

Bei der mündlichen Prüfung gelten folgende bundeseinheitliche Vorgaben:

  • In der mündlichen Prüfung können gleichzeitig bis zu fünf Teilnehmer geprüft werden; sie soll für jeden Teilnehmer etwa 15 Minuten dauern.
  • In der mündlichen Prüfung ist ein Schwerpunkt auf die in Ziffer 1 und 5 der oben genannten Sachgebiete zu legen (§ 5a Abs 3 BewachV)..[2]


Literatur:

Lehrbücher für die Vorbereitung auf die Sachkundeprüfung: http://buchshop.secumedia.de Vorbereitungskurse: http://www.sicherheitstermine.de Material für Ausbilder: Lehrpaket Sachkundeprüfung


§ 7 Waffengesetz

Nach § 7 Waffengesetz ist in Deutschland eine bestandene Sachkundeprüfung vor der zuständigen Bezirksregierung oder ein anderer Nachweis der Sachkunde Voraussetzung für die Erteilung einer Waffenbesitzkarte. Die Allgemeine Waffengesetz-Verordnung (AWaffV) regelt in den §§ 1-3 die Einzelheiten.

Prüfungsstoff

Danach umfasst die nachzuweisende Sachkunde mindestens ausreichende Kenntnisse

  • über die beim Umgang mit Waffen und Munition zu beachtenden Rechtsvorschriften des Waffenrechts, des Beschussrechts sowie der Notwehr und des Notstands,
  • auf waffentechnischem Gebiet über Schusswaffen (Langwaffen, Kurzwaffen und Munition) hinsichtlich Funktionsweise, sowie Innen- und Außenballistik, Reichweite und Wirkungsweise des Geschosses, bei verbotenen Gegenständen, die keine Schusswaffen sind, über die Funktions- und Wirkungsweise sowie die Reichweite,
  • über die sichere Handhabung von Waffen oder Munition einschließlich ausreichender Fertigkeiten im Schießen mit Schusswaffen.

Die Prüfung besteht aus einem theoretischen und einem praktischen Teil. Sie kann bei Nichtbestehen auch mehrmals wiederholt werden.

Ausnahmen

Ohne Prüfung gilt die Sachkunde zum Beispiel dann als nachgewiesen, wenn der Antragsteller die Jägerprüfung oder eine ihr gleichgestellte Prüfung oder die Gesellenprüfung für das Büchsenmacherhandwerk bestanden hat. Auch andere Nachweise (z.B. eine behördlich oder staatlich anerkannte Ausbildung oder Kenntnisnachweis für Sportschützen anerkannter Schießsportverbände) sind möglich.

Bedürfnisnachweis bei Bewachern

Gemäß § 28 WaffG wird ein Bedürfnis zum Erwerb, Besitz und Führen von Schusswaffen bei einem Bewachungsunternehmer (§ 34a der Gewerbeordnung) anerkannt, wenn er glaubhaft macht, dass Bewachungsaufträge wahrgenommen werden oder werden sollen, die aus Gründen der Sicherung einer gefährdeten Person im Sinne des § 19 (Erwerb und Besitz von Schusswaffen und Munition, Führen von Schusswaffen durch gefährdete Personen) oder eines gefährdeten Objektes Schusswaffen erfordern. Satz 1 gilt entsprechend für Wachdienste als Teil wirtschaftlicher Unternehmungen.

Führen der Schusswaffe

Die Schusswaffe darf nur bei der tatsächlichen Durchführung eines konkreten Auftrages nach Absatz 1 geführt werden. Der Unternehmer hat dies auch bei seinem Bewachungspersonal in geeigneter Weise sicherzustellen.

Personenüberprüfung

Wachpersonen, die auf Grund eines Arbeitsverhältnisses Schusswaffen des Erlaubnisinhabers nach dessen Weisung besitzen oder führen sollen, sind der zuständigen Behörde zur Prüfung zu benennen; der Unternehmer soll die betreffende Wachperson in geeigneter Weise vorher über die Benennung unter Hinweis auf die Erforderlichkeit der Speicherung und Verarbeitung personenbezogener Daten bei der Behörde unterrichten. Die Überlassung von Schusswaffen oder Munition darf erst erfolgen, wenn die zuständige Behörde zugestimmt hat. Die Zustimmung ist zu versagen, wenn die Wachperson nicht die persönlichen Zuverlässigkeits-Voraussetzungen erfüllt oder die Haftpflichtversicherung des Bewachungsunternehmers das Risiko des Umgangs mit Schusswaffen durch die Wachpersonen nicht umfasst.


Einzelnachweis

  1. SecuPedia Aktuell: Erster Lehrgang Sicherheitskraft im Handel (IHK) startete Anfang 2015
  2. 2,0 2,1 J.M. Weger: Leitfaden Sachkundeprüfung nach § 34a GewO, Rechtliche Grundlagen, S. 11 ff http://buchshop.secumedia.de


Weblinks


Siehe auch



Diese Seite wurde zuletzt am 30. Dezember 2016 um 12:41 Uhr von Peter Hohl geändert. Basierend auf der Arbeit von Thomas Lowien und Admin.

Anzeigen