Personenschutz

aus SecuPedia, der Plattform für Sicherheits-Informationen

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Unter Personenschutz versteht man die Gesamtheit der Maßnahmen, die zur Verhinderung oder Abwehr von Angriffen gegen Leib und Leben, also die körperlichen Unversehrtheit, sowie gegen die Willens- und Handlungsfreiheit von Einzelpersonen oder Personengruppen ergriffen werden (Entführung, Geiselnahme, Erpressung).

Gefährdete Gruppen

Eine Schwierigkeit besteht darin, die Zielpersonen oder die Zielgruppen von Angriffen oder Anschlägen zu definieren. Im Prinzip brauchen die als gefährdet bezeichneten Personen sich nicht unbedingt persönlich exponiert zu haben. Es kann genügen, dass sie Angehörige von Zielgruppen sind oder solchen sonst nahestehen, gegen die sich die Anschläge richten können. Zu Zielgruppen von Terroranschlägen oder Angriffen gehören im Prinzip alle in Staat, Politik, Wissenschaft oder Gesellschaft prominenten Personen, Funktionäre sowie leitende Beamte, Richter und mitunter führende Personen der Wirtschaft usw. Je nach Region kann die Gefahr vorrangig vom organisierten Verbrechen ausgehen (Lösegelderpressung) oder aber von politischen oder religiösen Fanatikern oder auch unberechenbaren Einzelpersonen.


Schwerpunkte des Schutzes

Falls nach eingehender gründlicher Lagebeurteilung eine konkrete Gefährdung für eine Person festgestellt wird oder wenigstens nicht ausgeschlossen werden kann, ist zu entscheiden, in welcher Weise der Gefährdete oder gegebenenfalls seine Familienangehörigen geschützt werden können. Dazu gehört die Überlegung, wann (zeitlicher Schwerpunkt) und wo (örtlicher Schwerpunkt) geschützt werden soll. Ein lückenloser Schutz aller gefährdeten Personen oder Personengruppen ist jedoch völlig unmöglich. Man darf wohl annehmen, dass es in der Welt mehr abstrakt gefährdete Personen als Polizei- und Sicherheitsbeamte gibt. Die Maßnahmen zum Schutze potenziell gefährdeter oder bedrohter Personen müssen deshalb auf ganz konkrete Einzelfälle beschränkt werden. Man wird aus arbeits- und personalökonomischen Gründen nicht darum herumkommen, in einem Sicherheitskonzept zeitliche und örtliche Schwerpunkte mit optimaler Mobilität der Kräfte zu bilden. Die öffentlichen Schutzorgane können sich aus Gründen der Personalökonomie nur auf den Schutz von Magistratspersonen und Personen, die aus völkerrechtlichen Gründen geschützt werden müssen, konzentrieren. Schon aus diesen Gründen erwächst hier dem private Sicherheitsgewerbe ein zusätzliches Betätigungsfeld.


Lagebeurteilung

Der Lagebeurteilung kommt wichtigste Bedeutung zu, wenn effizient geschützt werden soll. Die Entscheidung ob und in welcher Weise Personen, Personengruppen und damit automatisch auch Objekte zu schützen sind, ist unter anderem abhängig von

  • Art und Ausmaß der Gefahr (Bedrohungs- und Gefährdungslage)
  • Art der Ziele möglicher Tätergruppen (Zielgruppen)
  • Aufenthaltsorte und Reisevorkehrungen und -gewohnheiten der gefährdeten Personen
  • Politische, wirtschaftliche, soziale und kulturelle Situation im Land
  • Besonderheiten der Kriminalitätsentwicklung im Land.

Mögliche Aktionen

Für die Beurteilung einer Bedrohungslage müssen verschiedene Aktionsformen in Betracht gezogen werden. Aufgrund bisheriger Verhaltensweisen bekannter, aktiv gewordener Täter oder Tätergruppen haben sich folgende hauptsächliche Aktionsformen herauskristallisiert:

  • Attentate/Anschläge
  • Tötung oder Verletzung bei direkter Gewaltanwendung durch
    • Schuss- oder Stichwaffen
    • Sprengstoffanschläge mit konventionellem Sprengstoff, selbstgebastelten Sprengkörpern, wobei die Zündung unter Umständen durch entsprechende Manipulation des Opfers erfolgen kann (Zustellung anonymer Pakete, die beim Öffnen explodieren; Betätigung des Anlassers eines Autos usw.)
    • Brandsätze/Brandflaschen (Molotowcocktails)
    • Einwirken von Säuren (Wurf von säurehaltigen Gefäßen, Ablassen von Säuren usw.).
  • Entführungen (inkl. Geiselnahme)
  • Erpressungen
  • Sachbeschädigungen

Mögliche Täter

Als mögliche Täter kommen inländische und ausländische Terroristen in Betracht. Auch Psychopathen und Unzufriedene sind in den möglichen Täterkreis einzubeziehen. Es sind dies vor allem Leute, die Terrorakte begehen, um so ihren krankhaften Hass gegen Exponenten von Staat und Behörden abreagieren zu können.

Auch Kriminelle ohne politische Motive können sich zum Zweck der Mittelbeschaffung der bekannten Methoden bedienen.


Maßnahmen

In allen Fällen, in denen schon ein Verdacht für eine konkrete Gefährdung von Personen besteht, sollte unbedingt die Polizei eingeschaltet werden. Dadurch können unliebsame Kollisionen vermieden werden, denn möglicherweise ist die Polizei bereits in den Fall involviert.

Als Schutz- und Abwehrmaßnahmen können folgende präventive und repressive Vorkehrungen getroffen werden

  • ständige Begleitung der Schutzpersonen (Bodyguards)
  • Begleitung der gefährdeten Personen in besonderen Fällen (zu bestimmten Zeiten und aus besonderem Anlass)
  • ständiger Objektschutz durch Posten und/oder Ronde
  • Objektschutz durch Posten und/oder Ronde in besonderen Fällen
  • Rondentätigkeit im Bereich des Objektes der Schutzperson in unregelmäßiger Folge.

Die Schutzmaßnahmen sollen so disponiert werden, dass es Tätern auch durch langfristiges Beobachten der Zielperson nicht möglich ist, den Rhythmus und die Zeiten der Ronden zu erkennen und zu berechnen. Im Prinzip wird man also mit Vorteil die einzelnen Schutzmaßnahmen miteinander kombiniert anordnen. Dadurch wird das Risiko für einen potenziellen Attentäter unberechenbar.

Polizei und professionelle private Personenschützer befolgen eine weitgehend übereinstimmende Systematik, auf die Rainer Hannich hinweist: Jede potenziell gefährdete Person wird in ein mehrstufiges System eingegliedert. Dies ist abhängig von temporären Gegebenheiten (Hinweise auf Gefährdung z.B. durch Auswertung Untergrundliteratur, aktuell in den Schlagzeilen befindliche Geschäfte eines Unternehmens und somit des CEO) und ändert sich täglich. Darauf ausgerichtet sind dann die polizeilichen Schutzmaßahmen, die von Stufe 1 (Beobachten, Hinweise mit Person besprechen) bis zu Stufe 5 gehen (Rund-um-die-Uhr-Begleitschutz).

Diese Systematik kann zum Beispiel so aussehen:

Zuordnung: Gefaehrdungsklassen und Schutzmaßnahmen (Grafik: ZH-Security)

Siehe auch



Diese Seite wurde zuletzt am 22. Mai 2017 um 17:09 Uhr von Linda Baungartel geändert. Basierend auf der Arbeit von Peter Hohl, Admin, Simone Wolfsdorf und Heinz Hugi.

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