Luftsicherheitsassistent/Luftsicherheitskontrollkraft

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Die Anschläge vom 11. September 2001 und andere sicherheitsrelevante Ereignisse, wie die Drohung eines verwirrten Motorseglers im Januar 2003, sein Flugzeug in eines der Hochhäuser in Frankfurt am Main stürzen zu lassen, haben zu wichtigen gesetzlichen Veränderungen im Bereich der Luftsicherheit geführt. Das derzeit gültige Luftsicherheitsgesetzes (LuftSiG). wurde am 15. Januar 2005 in Kraft gesetzt und berücksichtigte insbesondere die Vorgaben des Europäischen Parlaments.

Broschüre "Partner für Aviation" des Bundesverbandes der Sicherheitswirtschaft BDSW, erschienen 2014
Das LuftSiG verpflichtet Luftsicherheitsbehörden (§ 5 LuftSiG), Flughafenbetreiber (§ 8 LuftSiG) und Fluggesellschaften (§ 9 LuftSiG) zu umfangreichen Sicherheitsmaßnahmen, um auf diese Weise u. a. der Gefahr möglicher Terroranschläge vorzubeugen. Feste Bestandteile dieser Sicherheitskomponenten sind neben weiteren Regelungen die Fluggast- und Gepäckkontrollen. Bereits die Einführung der Verordnung (EG) 2320/2002 vom 16. Dezember 2002 zielte auf eine Erhöhung der Sicherheitsstandards im Luftverkehr ab. Seit 1. Februar 2016 ist die "Durchführungsverordnung (EU) 2015/1998 der Kommission zur Änderung der Verordnung (EU) Nr. 185/2010 der Kommission in Bezug auf Handgepäckkontrollen"[1] maßgeblich.

Auch im operativen Bereich gab es Veränderungen durch Innovationen in der Sicherheitstechnik. Dadurch haben sich ebenso die Anforderungen an die Personalauswahl sowie die Ausbildungs- und Fortbildungsverfahren verändert, die durch private Sicherheitsdienstleister umgesetzt werden. Dies führte zu einer weiteren Spezialisierung im Bereich der Luftsicherheit.

Der versuchte Paketbombenanschlag via Luftfrachtversendung aus dem Jemen im Oktober 2010 stellt ein weiteres sicherheitsrelevantes Ereignis dar, das zur Erweiterung der „Luftfrachtsicherheit“ führte. Die wichtigsten Änderungen betreffen die Einführung der sicheren Lieferkette bzw. der Zertifizierung durch das Luftfahrt-Bundesamt (LBA) für Reglementierte Beauftragte oder behördlich anerkannte „Bekannte Versender“. Weiterhin wurde die LBA-Zertifizierung für den Einsatz von Sprengstoffspürhunden als zusätzliches Hilfsmittel zur Frachtkontrolle eingeführt.

Ausbildung

Flughafensicherheit erfordert umfassendes Fachwissen. Eine spezielle Qualifikation ist deshalb Voraussetzung für eine Tätigkeit in diesem sensiblen Bereich. Gemäß Nummer 11.2.1.3 des Anhangs der VO (EU) 185/2010 müssen Inhalte für die Schulung von Sicherheitspersonal von der zuständigen Behörde festgelegt oder genehmigt werden. Am 1. November 2013 wurde durch das Bundesministerium des Innern (BMI) und das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS) das neue „Modulare Schulungssystem“ verbindlich festgelegt, so dass eine gesonderte Genehmigung von Schulungsprogrammen nicht mehr erforderlich ist. Ausbildern gibt dies die Möglichkeit, für die jeweils zu schulenden Personengruppen selbständig Schulungsinhalte zusammenzustellen. Dieses Modulsystem unterliegt einer vorläufigen Erprobungsphase bis zum 31. Juli 2014 und kann danach Anpassungen oder Änderungen erfahren. Daher stellt der BDSW auf Anfrage stets die neuesten Informationen zur Verfügung. In diesem Zusammenhang werden entsprechend der EU-Vorgaben die zu schulenden Personengruppen nach Kapiteln der VO (EU) 185/2010 wie folgt auszugsweise benannt:

  • 11.2.3.1a: Kontrollkräfte für Personen, Handgepäck, mitgeführte Gegenstände und aufgegebenes Gepäck, entspricht dem § 5 LuftSiG]. Berufsbezeichnung: Luftsicherheitsassistent
  • 11.2.3.1b: Kontrollkräfte für Personal- und Warenkontrolle sowie Fahrzeugkontrollen, entsprechen zusammen dem § 8 LuftSiG
  • 11.2.3.2: Kontrollkräfte für Fracht und Post, entspricht dem § 9 LuftSiG

Tätigkeiten nach 11.2.3.1a

Kontrollen für Personen, Handgepäck, mitgeführte Gegenstände und aufgegebenes Gepäck

  • Passagierkontrollen
  • Handgepäck- und Reisegepäckkontrollen
  • Kontrolle der Zulässigkeit von Handgepäckinhalten
  • Abwehr der Einbringung von gefährlichen /verbotenen Gegenständen
  • Einsatz von technischen Hilfsmitteln, wie z. B. Sprengstoffspürgeräten, Handsonden und Körperscannern


Tätigkeiten nach 11.2.3.1b

Kontrollkräfte für Personal- und Warenkontrolle sowie Fahrzeugkontrolle

  • Personal- und Warenkontrollen
  • Bordkartenkontrollen
  • Alarmverfolgungen
  • Kontrollgänge / Streifen und Festposten
  • Rücklaufverhinderungen
  • Fahrzeugkontrollen
  • Sicherheitsbegleitungen für Flughafenanlieferungen und Überwachung von Externen, z. B. Bauarbeitern, Lieferanten, Handwerkern usw.


TÄTIGKEITEN NACH 11.2.3.2

Kontrollkräfte für Fracht und Post

  • Röntgenkontrollen von Frachtgut, Post und Warenpaketen Im Auftrag von Luftfahrtunternehmen
  • Flugzeug- bzw. Kabinendurchsuchung und Flugzeugversiegelung
  • Sicherung abgestellter Flugzeuge vor unberechtigtem Zugang
  • Zugangskontrollen zum Luftfahrzeug
  • Kontrollen von Bordvorräten und Versiegelung


Schema: Tätigkeitsfelder der Aviation Security. Quelle: Broschüre "Partner für Aviation" des BDSW

Sonstige Dienstleistungen

An den deutschen Flughäfen sind neben den Tätigkeiten gemäß LuftSiG viele weitere Dienstleistungen für einen reibungslosen und angenehmen Ablauf notwendig – sei es bei den internen Abläufen des Flughafens oder im direkten Kontakt mit den Fluggästen. Viele Sicherheitsunternehmen bieten daher ihren Service auch in folgenden Bereichen an:

  • VIP-Service für Fluggäste (Annahme des Reisegepäcks und Abgabe beim Check-in bzw. der Sperrgepäckannahme, Orientierungshilfen und Quick Check-in)
  • Begrüßungs- und Orientierungshilfen für Fluggäste in der jeweiligen Landessprache
  • Klassische Bewachungstätigkeiten der Airport-Hotels und Shops, wie zum Beispiel die Alarmverfolgung und Diebstahlsicherung
  • Parkplatzbewirtschaftung
  • Fahrdienste auf dem Rollfeld (z. B. der Transport von Fluggästen vom Terminal zum Flugzeug)
  • Flugzeugeinweisung
  • Push-Back (Schleppen von Luftfahrzeugen)
  • Sonstige Groundhandler-Tätigkeiten
  • Dokumentenberatung im Auftrag der Fluggesellschaft um Einreisestrafen für Luftfahrtunternehmen zu vermeiden
  • Passagierdatenerfassung und Profiling der Reiseabsicht und Aufenthaltsberechtigung
  • Line-Management für ein geordnetes Zuführen zum Check-in oder zur Sicherheitskontrolle


Qualifizierung der Ausbilder

Für die Schulung der verschiedenen Personengruppen dürfen nur behördlich zertifizierte Ausbilder eingesetzt werden, die für die unterschiedlichen Kapitel der VO (EU) 185/2010 eine Zulassung haben. Die Aufsichtspflicht der einzelnen Behörden schließt auch eine Dienst- und Fachaufsicht sowie Hospitationen im Unterricht der Ausbildung mit ein.


Schulungsinhalte

  • Kenntnis der Rechtsvorschriften für die Luftsicherheit
  • Methodikwissen zur Identifizierung verbotener Gegenstände
  • Erlernte Verhaltensweisen zur angemessenen Reaktion auf sicherheitsrelevante Zwischenfälle
  • Kenntnis der Möglichkeiten zum Verstecken verbotener Gegenstände
  • Fertigkeiten zur korrekten Deutung der von der Sicherheitsausrüstung angezeigten Bilder
  • Kenntnis über frühere unrechtmäßige Eingriffe in die Zivilluftfahrt, Terroranschläge und aktuelle Bedrohungen[2]


Fortbildung und Tests im Echtbetrieb

Das Thema Mitarbeiterfortbildung hat auch nach der Ausbildung weiter zentrale Bedeutung: So wird der Qualitätsstandard durch regelmäßige Weiterbildung gewährleistet. Diese Fortbildungsstunden sind für die Personengruppen nach 11.2.3.1a mit 40 Stunden, für die nach 11.2.3.1b mit 36 Stunden und für die nach 11.2.3.2 mit 28 Stunden vorgeschrieben. Zudem werden Überprüfungen des Qualitätsstandards der Luftsicherheitskontrollen von den jeweils zuständigen Behörden durch Testpersonen im Echtbetrieb durchgeführt.


Einzelnachweis

  1. DURCHFÜHRUNGSVERORDNUNG (EU) 2015/187 DER KOMMISSION vom 6. Februar 2015
  2. Broschüre PARTNER FÜR AVIATION des Bundesverbandes der Sicherheitswirtschaft BDSW


Siehe auch



Diese Seite wurde zuletzt am 18. August 2016 um 20:26 Uhr von Peter Hohl geändert. Basierend auf der Arbeit von E F und Cornelia Okpara.

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