Kriminalprävention

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Da die Ursachen von Kriminalität vielschichtig sind und u.a. in der Persönlichkeit des Täters, den sozialen Lebensbedingungen sowie in den vorhandenen Tatgelegenheitsstrukturen begründet sind, ist Kriminalprävention eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die alle öffentlichen und privaten Bereiche und Einrichtungen betrifft. Kriminalitätsvorbeugung zielt demnach auf die Verhinderung von Kriminalität mittels positiver Einflussnahme im Rahmen der Persönlichkeitsentwicklung, vornehmlich durch den Abbau sozialer Benachteiligungen und die Reduzierung von Tatgelegenheiten ab. Hinzu kommt der Abbau von Angst vor Kriminalität.


Präventionsbereiche

Maßnahmen zur Kriminalitätsvorbeugung sind insofern potentiell täter-, opfer- und situationsbezogen ausgerichtet und lassen sich in drei Präventionsbereiche unterteilen.

Allgemeinbezug"Grundausstattung" Gefährdungsbezug"Sicherung" Wiederholungsgefahr"Abwehr"
Täter - Erziehung/Bildung
  • Arbeitspaltzangebote
  • Aufklärung
  • Reglementierung
- Gefährderansprachen
  • Suchtberatung
  • Erziehungshilfen
  • Straßensozialarbeit
- Strafvollzug
  • Resozialisierung
  • Sorgerechtsentzug
  • Wohnungsverweisung
Opfer - zu Gefahrensituationen aufklären
  • situationsgerechtes Verhalten veröffentlichen
  • Opferschutz- und Opferhilfeangebote
- Personenschutz
  • gezieltes Training für Risikogruppen
  • Einrichtung von Frauenzonen (Parken etc.)
  • Reduzierung der Kriminalitätsfurcht
- Opferbetreuung
  • Frauenhäuser
  • Notrufangebote
  • Rückkehrverbote
Situation - Stadt- und Infrastrukturplanung
  • Zugangsberechtigungen
  • formelle und soziale Kontrollen
- Umgestaltung von Angsträumen
  • technische Sicherungen gegen Straftaten
  • Objektschutz
- Einziehung von Tatmitteln
  • Entfernung von Aufenthaltsangeboten
  • Umgestaltung des Raumes

Diese Aufzählung enthält Maßnahmenbeispiele und ist nicht vollständig.

Literatur:

  1. Innenministerium NRW (2002) Kriminalitätsvorbeugung - Gem. RdErl. d. Innenministeriums - 42.1 - 2750 -, d. Justizministeriums - 4201 - III A.10 -, d. Ministeriums für Arbeit und Soziales, Qualifikation und Technologie - 324 - 4370.8.1 -, d. Ministeriums für Schule, Wissenschaft und Forschung - III B 4 -, d. Ministeriums für Städtebau und Wohnen, Kultur und Sport - I A 3 - 4291 -, u. d. Ministeriums für Frauen, Jugend, Familie und Gesundheit - IV 2 - 6304.4.1 - v. 5.11.2002
  2. Bundeskriminalamt (BKA) - Der Präsident (2006) Zweiter Periodischer Sicherheitsbericht der Bundesministerien des Inneren und der Justiz,November 2006
  3. Bernd-Dieter Meier: Kriminologie, München 2003, S. 273


Polizeiliche Kriminalprävention

Die Kommission Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes (KPK) leistet innerhalb der strategischen Vorgaben der Projektleitung die konzeptionelle Sacharbeit. Dazu haben sich die einzelnen Mitglieder auf bestimmte Präventionsthemen spezialisiert. In der Kommission sind alle 16 Bundesländer und das Bundeskriminalamt sowie die Bundespolizei (BPol) stimmberechtigt vertreten. Mitglieder sind im Regelfall die Leiter der Zentralstellen für Prävention der Landeskriminalämter. Als beratendes Mitglied nimmt ein Vertreter der Deutschen Hochschule der Polizei (DHPol) teil.[1]

Anschrift:

Zentrale Geschäftsstelle
Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes
Taubenheimstraße 85
70372 Stuttgart
Tel.: +49 711 5401-2062
Fax: +49 711 2268000
E-Mail: info@polizei-beratung.de
Internet: http://www.polizei-beratung.de


Literatur:

  1. Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes - Zentrale Geschäftsstelle Landeskriminalamt Baden-Württemberg, Taubenheimstraße 85, 70372 Stuttgart; im Internet: http://www.polizei-beratung.de
  2. Polizeidienstvorschrift 100 - Führung und Einsatz der Polizei
  3. http://www.polizei-nrw.de/kategorie__10.html


Kommunale Kriminalprävention

Die Kommunale Kriminalprävention orientiert sich an der gesamtgesellschaftlichen Verantwortung für die Kriminalitätsvorbeugung und setzt dabei verstärkt auf die Beteiligung der Gesellschaft und die des einzelnen Bürgers an einer aktiven Sicherheitspolitik.

Die Tatsache, dass ca. 70 % der polizeilich registrierten Delikte am Wohnort von Täter und Opfer, oder in deren unmittelbaren Nähe begangen werden, deutet auf ein häufig lokal ausgerichtetes Engagement dieser Problematik hin.

Zur Erarbeitung örtlich anwendbarer Konzepte werden unter kommunaler Leitung kriminalpräventive Gremien/Räte installiert, die interdisziplinär besetzt sind und ressort- und ebenenübergreifend tätig werden. Im Hinblick auf die Themenbereiche polizeilicher Kriminalprävention werden Fachgruppen gebildet, die selbstständig nach Auftragsvergabe durch die übergeordnete Lenkungsgruppe arbeiten. Diesem Lenkungsgremium stehen der Leiter der Kommunalverwaltung und der Polizei vor. Berater sind regelmäßig die Spitzenvertreter der kommunalen Politik, Verwaltung und Gerichtsbarkeit, der Wirtschaftsverbände und Konfessionen, sowie staatlicher und nichtstaatlicher Hilfsorganisationen und der Gemeinwesenarbeit. Die polizeiliche Mitwirkung besteht vornehmlich in der Fachberatung zu den Erscheinungsformen von Kriminalität, hier mit besonderem Focus auf Kriminalität fördernde bzw. Kriminalität hemmende Faktoren, sowie der Weitergabe kriminologisch-kriminalistischer Forschungserkenntnisse.

Literatur:

  1. Bundeskriminalamt (BKA) - Der Präsident (2006) Zweiter Periodischer Sicherheitsbericht der Bundesministerien des Inneren und der Justiz,November 2006
  2. Kober, Markus, (2005) Impulse für das Kommunale Präventionsmanagement - Erkenntnisse und Empfehlungen zu Organisation und Arbeit kriminalpräventiver Gremien auf kommunaler Ebene - Ein Leitfaden für die kommunale Praxis - Hrsg. Stiftung Deutsches Forum fürKriminalprävention -
  3. van der Brink, Henning (2005), Kommunale Kriminalprävention: Mehr Sicherheit für die Stadt? Eine qualitative Studie über Kommunale Präventionsgremien, Verlag für Polizeiwissenschaft Clemens Lorei, Frankfurt/ Main 2005, ISBN 3-935 979 -56 - 8 132 Seiten; im Internet: http://www.polizei-newsletter.de/books/Brink.pdf
  4. Kasperzak, Thomas (2000) Stadtstruktur, Kriminalitätsbelastung und Verbrechensfurcht. Felix Verlag, Band 14 - Empirische Polizeiforschung


Städtebauliche Kriminalprävention

Einen Teilbereich kommunaler Kriminalprävention bildet die Stadt- und Infrastrukturplanung. Örtlichkeiten, im privaten wie im öffentlichen Raum, können allein auf Grund ihrer Lage, Erreichbarkeit und Ausgestaltung die Begehung einer Straftat begünstigen. Deshalb ist es Ziel und Streben städtebaulicher Kriminalprävention, solche Tatgelegenheiten zu reduzieren. Aus diesem Grunde ist es unerlässlich, eine intensive Zusammenarbeit von Fachleuten nachfolgender Organe zu fordern und so präventiv in diesen Prozess mit einzubinden: Stadt- und Verkehrsplanung, Gleichstellung, Gemeinwesen, Polizei, Architektur, Wohnungswirtschaft, Öffentlicher Personenfern- und -nahverkehr sowie Vertreter der Bürgerschaft. Auf Grund der beschriebenen Tatortsituationen sind die Maßnahmen vornehmlich auf Delikte der Straßenkriminalität gerichtet. Deshalb ist es ein besonderes Anliegen, die Herstellung/Intensivierung von Übersichtlichkeit, Einsehbarkeit und Orientierung bei Tageslicht wie bei Dunkelheit, sowie die Belebung und Attraktivitätssteigerung des Raums sicherzustellen. Die polizeiliche Mitwirkung selbst besteht mit Schwerpunkt in der Fachberatung im Rahmen von Beteiligungsverfahren in der Bauleitplanung und der Neu- und Umgestaltung von gesellschaftsrelevanten Einrichtungen. Hinzu kommen kriminal- und verkehrssicherheitsfachliche Stellungnahmen zu städtebaulichen Revitalisierungsmaßnahmen, der Verkehrsraumplanung, sowie zur Reduzierung von Kriminalitätsfurcht, und der Umgestaltung von Angsträumen.

Ein umfangreiches Beratungsangebot zur städtebaulichen Kriminalprävention hält die Polizei unter http://www.polizei-beratung.de/themen-und-tipps/staedtebau/ bereit[2]. Beleuchtet werden Aspekte wie öffentliche und private Räume, Wohnanlagen, Schulen und Kindertagesstätten, Spielplätze und Kleinsportanlagen, ÖPNV und Gewerbe. Einführende Kapitel zum Nutzen sowie Hintergrundinformationen ergänzen das Angebot. Darüber hinaus werden auch Beispiele aus der Praxis angeführt.

Literatur:

  1. Polizeiliche Kriminalprävention RdErl. d. Innenministeriums - 42 - 62.02.01 - vom 28.09.2006
  2. Kober, Markus, (2005) Impulse für das Kommunale Präventionsmanagement - Erkenntnisse und Empfeh-lungen zu Organisation und Arbeit kriminalpräventiver Gremien auf kommunaler Ebene - Ein Leitfaden für die kommunale Praxis - Hrsg. Stiftung Deutsches Forum für Kriminalprävention -

Einzelnachweis

  1. http://www.polizei-beratung.de/meta/ueber-uns/gremienstruktur.html
  2. SecuPedia Aktuell: Kriminalpräventive Empfehlungen für städtebauliche Projekte


Weblinks


Siehe auch




Diese Seite wurde zuletzt am 22. November 2016 um 15:24 Uhr von Harald Schmidt geändert. Basierend auf der Arbeit von Peter Hohl, Admin, Markus Albert und Detlev Schürmann.

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