Internet der Dinge

aus SecuPedia, der Plattform für Sicherheits-Informationen

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Neben Personen, Organisationen oder Diensten werden auch Objekte zunehmend mit Identitäten versehen und vernetzt. Im Beruf und im Alltag finden sich eine Vielzahl von "intelligenten" Gegenständen, die entwickelt wurden und werden, um den Tagesablauf zu erleichtern. Diese elektronischen Helfer, wie beispielsweise Mobiltelefone, Chips in Kreditkarten, Navigationssysteme, lichtabhängige Steuerungssysteme für die Innenbeleuchtung oder Rollläden von Häusern oder intelligente Wärmeregelungssysteme in Gebäuden (Smart Home), erfüllen ihren Zweck mittels Kommunikationstechnik und Informationstechnologie[1]. Dieser Trend wird unter dem Stichwort „Internet der Dinge“ (Internet of Things - IoT) zusammengefasst. Das Internet der Dinge bezeichnet einen Verbund von Objekten und Dingen des beruflichen oder alltäglichen Lebens in einem Netzwerk und die Synthese unterschiedlicher Technologien.

Technologien

Häufig kommen hier Funktechnologien wie RFID zum Einsatz oder Drahtlosnetzwerke (WLAN), Sensorik oder auch Nanotechnologien. So werden Gegenstände – markiert durch einen RFID-Tag – auch zu Objekten im virtuellen Raum, die ihren Weg durch das Internet der Dinge beispielsweise autonom finden oder auch die Systeme steuern, in denen sie sich bewegen. In der Logistik wird bereits seit Langem mit Objektidentitäten gearbeitet. Pakete, Paletten oder Behälter werden durch einen Chip gekennzeichnet, der neben Informationen zu Produkt und Datum zusätzlich auch das Transportziel speichert. So lassen sich zum Beispiel Produktionsketten, Kühlketten oder Lieferketten gestalten oder nachvollziehbar machen. Durch Fortschritte in den technischen Entwicklungen dieser Bereiche nimmt die Miniaturisierung dieser elektronischen Helfer fortwährend zu. Es gibt sowohl immer kleinere Sensoren, die passiv verschiedenste Umgebungsinformationen erfassen, als auch immer energieeffizientere und günstigere Prozessoren, die aktiv mit ihrer Umgebung kommunizieren und diese untersuchen können[2].


Privater Bereich

Viele Hersteller setzen auf diesen Trend und erstellen Produkte zur Heimautomatisierung (Smart Home), die über Smartphones oder das Internet gesteuert werden können. Hier kommen vielfältige Sensoren, fernsteuerbare Steckdosen und intelligente Haushaltsgeräte zum Einsatz. Im Bereich der Energie werden bereits heute viele Haushalte mit sogenannten Smart Meter-Geräten ausgestattet. Jedoch bedarf es abgestimmter Datenschutz- und Datensicherheitsrichtlinien, um diese Systeme gegen Missbrauch zu schützen. Hier gibt es unterschiedliche nationale Regelungen[2].


Öffentlicher Bereich (Verkehr)

Im Bereich der öffentlichen Infrastruktur steht vor allem das Verkehrswesen vor großen Veränderungen. Unter dem Stichwort »Car2X Kommunikation« wird intensiv an sicheren Kommunikationsmechanismen zwischen Fahrzeugen oder von Fahrzeugen mit anderen Systemen geforscht. Zielsetzung ist dabei die Sicherheit im Straßenverkehr sowie den Fahrkomfort zu erhöhen. Derartige Systeme sind bereits im produktiven Status. Eines der am weitesten entwickelten Systeme ist das eCall-System[3], ein automatisches Notrufsystem für Fahrzeuge. Die Europäische Kommission hat beschlossen, eCall bis 2015 EU-weit einzuführen. Notrufmeldungen können dabei automatisch oder manuell ausgelöst werden. Die Effektivität solcher Kommunikationsbeziehungen hängt aber stark von ihrer Vertrauenswürdigkeit ab. Bereits vor der Einführung gibt es Interesse an einer Zweitnutzung des Systems zum Beispiel durch Versicherer. Dazu bedarf es sowohl kryptografischer Mechanismen zur Absicherung der Kommunikation und sicherer Verfahren zur eindeutigen Identifikation als auch internationaler Standards und Richtlinien[2].


Vernetzung der Umgebung

Das Internet der Dinge erstreckt sich jedoch noch weit über das Verkehrswesen hinaus. Im Kontext von „Smart Cities“ werden grundlegende Infrastrukturen ganzer Städte vernetzt und mit Sensoren ausgestattet. So sollen Verkehr, Energie, Gesundheit, Umwelt und viele weitere Domänen eingebunden werden. Diese Vernetzung der Umgebung erfordert nicht nur klare Rahmenbedingungen, sondern auch vertrauensbildende Technologien, welche von Anfang an mitgedacht werden müssen. Neue Technologien zum Schutz der Kommunikation müssen dazu einen digitalen Raum schaffen, der eine vertrauensvolle Kommunikation zulässt und neue Entwicklungen fördert[2].


Schlüsselfrage Vertrauenswürdigkeit und Sicherheit

Dafür bedarf es durchdachter Strategien und Lösungen, die angemessene Vertrauensbeziehungen zwischen nahezu beliebigen Objekten ermöglichen (siehe u.a. Einführung in das Thema Sicherheit für das Internet der Dinge). Dies kann nur durch die Definition übergreifender Standards und vergleichbarer Vertrauensniveaus und Sicherheitsstufen erreicht werden.

Entsprechende technologische Entwicklungen existieren bereits. Mit Trusted Computing etwa wird ein Vertrauensanker in Form von nicht manipulierbarer Hardware in die Geräte verbaut, was die Manipulation und unberechtigtes Auslesen von Daten erschwert.

Das Internet der Dinge bietet ein hohes Innovationspotenzial für die Zukunft. Die Kommunikation mit und zwischen Objekten sowie die Schaffung eines Vertrauensraumes stehen dabei im Vordergrund. Im Sinne allgemeinverfügbarer Informationstechnologie müssen Individuallösungen vermieden und Identitätsmanagement als ein zentraler Baustein weiterentwickelt werden. Hier besteht unmittelbarer Forschungsbedarf. Existierende Lösungen aus etablierten Bereichen wie dem der Personenidentitäten (siehe neuer Personalausweis) können dabei als Vorbild dienen[2].


Weblinks


Einzelnachweis

  1. ULD/TU Dresden 2007: Verkettung digitaler Identitäten, Seite 202 ff
  2. 2,0 2,1 2,2 2,3 2,4 Fromm, Jens et.al: Vertrauenswürdige Digitale Identität: Baustein für Öffentliche IT, Fraunhofer Fokus, 1. Auflage, Oktober 2013, Seite 12 ff.
  3. Informationen zum eCall-System


Siehe auch



Diese Seite wurde zuletzt am 5. März 2016 um 18:13 Uhr von Oliver Wege geändert. Basierend auf der Arbeit von Marco Cavenzano, Peter Hohl und Lutz Martiny.

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