Industriebaurichtlinie

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Die Industriebaurichtlinie - offizieller Name: Richtlinie über den baulichen Brandschutz im Industriebau (Industriebaurichtlinie – IndBauR) - ist als Ergänzung der Landesbauordnungen zu sehen und regelt die bauordnungsrechtlichen Belange für Bauten, die nach der Bauordnung als Sonderbauten zu betrachten sind.


Da das Baurecht Ländersache ist, gibt es eine bundesweit als Muster geltende M IndBauRL sowie je Bundesland eine baurechtlich eingeführte IndBauRL. Diese können sich partiell unterscheiden, sind aber substanziell gleich. Abgekürzt wird die Industriebaurichtlinie IndBauRL oder IndBauR.

Rechtliche Einordnung

Da diese Richtlinien für Bauten gelten, die nicht gänzlich durch die Landesbauordnung (LBO) erfasst werden können, weil sie entweder größere Brandabschnitte, höhere Gebäude oder einen andersartig realisierten Brandschutz aufweisen, sind sie gemeinsam mit dieser zu beachten. Die IndBauRL regelt den Brandschutz für derartige Gebäude, nicht aber die sonstigen, in der LBO festgelegten Ziele. Als Industriebauten sind Gebäude oder Gebäudeteile im Bereich der Industrie und des Gewerbes definiert, die der Produktion (Herstellung, Behandlung, Verwertung, Verteilung) oder Lagerung von Produkten oder Gütern dienen. Nicht gemeint sind hier also Verwaltungsgebäude oder Versammlungsstätten oder sonstige Gebäude, die in einer Sonderbauverordnung bereits geregelt sind.

Zweck und Vorgehen der Richtlinie

Sofern die IndBauRL erfüllt wird, gilt ein Gebäude als brandschutztechnisch genehmigungsfähig und die LBO als insoweit erfüllt, ohne dass die in der Bauordnung schematisch festgelegten Begrenzungen eingehalten werden müssen.

Der Nachweis kann grundsätzlich auf drei Wegen erfolgen:


Verfahren mittels Tabellen (Abschnitt 6)

Im Verfahren nach Abschnitt 6 wird in Abhängigkeit von der Feuerwiderstandsklasse der tragenden und aussteifenden Bauteile sowie nach der brandschutztechnischen Infrastruktur der baulichen Anlage, die wiederum in 4 Sicherheitskategorien mit bis zu 4 Unterkategorien eingeteilt wird, die zulässige Brandabschnittsfläche für einen Brandabschnitt ermittelt. Dabei spielt auch die Anzahl der Geschosse eine Rolle, weil als Brandabschnitt in der IndBauRL nicht die Flächen der Geschosse addiert werden, sondern lediglich die Fläche zwischen den Wänden, die Brandabschnitte begrenzen (oder den Außenwänden) einfach genommen werden.

Zusätzlich gibt es Anforderungen an die Feuerwiderstandsdauer der tragenden Bauteile, insbesondere bei mehrgeschossigen Bauten, weil der Personenschutz (Zeit für das Retten von Personen) gewährleistet sein soll.

Dieses Verfahren kommt ohne die Ermittlung von Brandlasten und ohne Rechenverfahren aus.

Rechenverfahren nach DIN 18230-1 (Abschnitt 7)

Im Verfahren nach Abschnitt 7 werden auf der Grundlage der Brandlastermittlung in jedem Brandabschnitt, der betrachtet werden soll, allgemeine, geschützte und punktförmig konzentrierte Brandlasten ermittelt.

Mit Hilfe des genormten Rechenverfahrens werden dann die zulässigen Flächen und die Anforderungen an die Bauteile nach den Brandsicherheitsklassen für jeden betrachteten Brandabschnitt bestimmt.

Bei diesem Verfahren muss man quasi bereits vor Baubeginn wissen, welche Brandlasten (inklusive der baulichen und beweglichen betrieblichen Brandlasten) während der Nutzung wo vorhanden sein werden.


Methoden des Brandschutzingenieurwesens (Nachweise nach Anhang 1)

An Stelle der Verfahren nach Abschnitt 6 oder Abschnitt 7 können auch Methoden des Brandschutzingenieurwesens eingesetzt werden, um nachzuweisen, dass die im Abschnitt 1 der IndBauRL definierten Ziele erreicht werden.

Weitere Bestimmungen der IndBauRL

Da die oben angeführten Verfahren sich auf brandschutztechnische Infrastrukturen (Beispiele: BMA, Feuerlöschanlagen, Werkfeuerwehren) und bautechnisch vorhandene oder zu planende Eigenschaften (Beispiele: Brandwände, Feuerwiderstandsfähige Bauteile) beziehen, sind diese ebenfalls in der IndBauRL geregelt.

Besonders angeführt sei hier die Brandwand, die entgegen der LBO in NRW nicht nur bis unter die Dachhaut, sondern mindestens 50 cm darüber hinausgeführt werden muss. Ebenso gibt es Mindestanforderungen für das zur Verfügung zu stellende Löschwasser und andere Brandschutztechnische Anforderungen, die im Abschnitt 5 aufgeführt sind. Es ist also nicht erlaubt, mittels der IndBauRL einen größeren Brandabschnitt als in der LBO vorgesehen (dort: 1600m²) zu planen, ohne dass alle Anforderungen in Abschnitt 5 erfüllt sind, zum Beispiel ein Loschwasserbedarf von 192m³ pro Stunde über 2 Stunden.

Zusätzlich zur IndBauRL sind die übrigen Bauvorschriften, wie die Leitungsanlagenrichtlinie (LAR) einzuhalten.

(Quellen: LBO NW und IndBauRL NRW)


Weblinks

Industriebaurichtlinie NRW


Siehe übergeordnetes Stichwort


Siehe auch



Diese Seite wurde zuletzt am 2. März 2012 um 14:49 Uhr von Admin geändert. Basierend auf der Arbeit von Dieter Schmitt.

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