IFS Food V6

aus SecuPedia, der Plattform für Sicherheits-Informationen

Anzeige
Wechseln zu: Navigation, Suche

Wer als Lebensmittelhersteller den deutschen Lebensmittelhandel vor allem mit Eigenmarken beliefert möchte, sollte nach IFS zertifiziert sein. Um die Sicherheit und Qualität ihrer Produkte zu gewährleisten, wenden bereits weltweit rund 11.000 Unternehmen einen International Food Standard aus der IFS Standardfamilie an.

Der International Featured-Standard Food V6 ist ein von der GFSI (Global Food Safety Initiative) anerkannter Standard für die Auditierung von Lebensmittelherstellern. Der Schwerpunkt liegt hierbei auf Lebensmittelsicherheit und der Qualität der Verfahren und Produkte. Dieser Standard gilt für die Verarbeiter von Lebensmitteln ebenso für Unternehmen, in denen unverpackte Lebensmittel verpackt werden. IFS Food kommt überall dort zum Einsatz, wo Produkte „verarbeitet“ werden oder wo bei der Erstverpackung die Gefahr einer Kontamination des Produktes besteht.

Risiken im Bereich Lebensmittel

  • In großen Chargen hergestellte Lebensmittel haben in aller Regel eine weite Verbreitung und erreichen viele Konsumenten
  • Kurze Verbrauchsfristen geben im Kontaminationsfall den Behörden wenig Reaktionszeit
  • Homogen hergestellte Lebensmittel führen dazu, dass ein Kontaminat in allen Verbrauchsportionen vorhanden ist, unter Umständen auch in der letalen Dosis
  • Lebensmittel sind leicht zugänglich im Verlauf der Herstellung und Distribution
  • Lebensmittel werden auch von Kindern und älteren Menschen konsumiert, diese sind empfindlicher gegen geringe Dosen von Kontamination
  • Eigenaroma und Eigengeschmack von Lebensmitteln können ein Kontaminat kaschieren
  • Manche Lebensmittel sind als Ziel eines Eingriffs besonders «attraktiv», z.B. Kindernahrung oder bestimmte Marken, die mit der amerikanischen Kultur verbunden sind.


Die neue Version IFS Food Standard V6

IFS Food V6, ein Gemeinschaftsprojekt der Einzelhandelsverbände Deutschlands, Frankreichs und Italiens, dient der Vereinheitlichung der Überprüfung der Lebensmittelsicherheits- und Qualitätssicherungssysteme der Lebensmittellieferanten. Die aktuelle Version 6 ist seit dem 1. Juli 2012 gültig und ‘‘‘ab dem 1. Juli 2014 zwingend vorgeschrieben‘‘‘. Sie unterscheidet sich vor allem im Kapitel Food Defense von der Vorgängerversion 5.

Im Kapitel 6 werden erstmals Maßnahmen zur Lebensmittelsicherheit zwingend vorgeschrieben. Der IFS geht damit weit über die Vorgaben der Gesetzgeber hinaus. Um ein Höchstmaß an Sicherheit zu gewährleisten, kommen Werkzeuge und Vorschriften zum Einsatz, die eine eindeutige Definition der Aufgaben und Verantwortlichkeiten im Unternehmen definieren. Weiter werden Maßnahmen aufgezeigt, die das Engagement des Managements fördern und die Mitarbeiter sensibilisieren. Tools zur Gefahrenanalyse und der Bewertung der damit verbundenen Risiken helfen, Schwachstellen zu erkennen, die vom Produkt, der Betriebsstätte oder der Umgebung ausgehen, und ebenso entsprechende Kontrollmaßnahmen festzulegen. Weitere Bestandteile sind interne Audits des gesamten Programms zum Produktschutz.


Sicherheit des Standards

Die Anforderungen an die Sicherheit des Standortes sind u.a. im Kapitel 6 definiert:

  • 6.1.2 Ein geeignetes Alarmsystem ist definiert und wird regelmäßig auf seine Wirksamkeit überprüft.
  • 6.2.1 Die auf Basis der Gefahrenanalyse und Bewertung der damit zusammenhängenden Risiken als besonders sicherheitskritisch bewerteten Bereiche sind adäquat geschützt, um unbefugtes Eindringen zu verhindern. Zugänge sind kontrolliert.
  • 6.2.2 Es sind Verfahren umgesetzt, die Verfälschungen/Sabotage verhindern und/oder die Identifizierung von Anzeichen für Sabotage ermöglichen.
  • 6.3.1 Lieferanten und Ladepersonal, die mit dem Produkt in Kontakt kommen, sind bekannt und halten die Zutrittsregeln des Unternehmens ein. Besucher und externe Dienstleister sind in Bereichen mit Produktlagerung identifizierbar und werden zum Zeitpunkt des Zutritts registriert. Sie werden über die Richtlinien des Standortes informiert und ihr Zugang wird entsprechend kontrolliert.


Umfassendes Sicherheitskonzept

Unternehmen, die sich nach IFS Food V6 zertifizieren lassen wollen, benötigen also ein Zutrittskontrollsystem und ein umfassendes Zutrittsmanagement. Gesichert werden müssen das komplette Firmengelände, die Gebäudezugänge sowie kritische Bereiche und Räume im Inneren. Bei der Ausarbeitung des Sicherheitskonzeptes stellen sich u.a. folgende Fragen:


Außengelände

  • Sind Türen, Fenster und Dachflächen gesichert?
  • Ist eine Einzäunung des Geländes notwendig? Falls es eine Einzäunung gibt, ist diese in gutem Zustand?
  • Werden die Parkplätze kontrolliert und überwacht?
  • Werden die Zugangswege für Personen und Fahrzeug kontrolliert und überwacht?


Innenbereich

  • Wird der Zutritt zum Gebäude überwacht?
  • Ist der Zutritt von Mitarbeitern auf ihren Arbeitsbereich, ihre Aufgaben und ihre Arbeitszeiten beschränkt?
  • Wie wird sichergestellt, dass ausgeschiedene Mitarbeitende keinen Zutritt mehr haben?
  • Wie erfolgt die Besucherverwaltung?
  • Ist die mechanische Schließanlage noch patentgeschützt, so dass keine unerlaubten Nachschlüssel erstellt werden können?
  • Gab es schon einmal Schlüsselverluste, und wie wurde gegebenenfalls darauf reagiert?


Versand und Anlieferung

  • Verfügen die Fahrer der Transportfahrzeuge über entsprechende Berechtigungen?
  • Sind die Anlieferungs- und Lagerbereiche gesichert?


Tagung zur Vorbereitung

Mit welchen Maßnahmen Unternehmen die Zertifizierung erreichen und ihre Sicherheit erhöhen können, zeigte der Sicherheitsanbieter Kaba auf dem Kaba Day Spezial Food Defense am 30. Januar 2014 in der Erlebniswelt der Warsteiner Brauerei. Vorträge und Podiumsdiskussion sind unter http://www.kaba.de/fooddefense/584632/event.html verfügbar.


Weblinks


Siehe auch



Diese Seite wurde zuletzt am 1. Februar 2014 um 19:35 Uhr von Peter Hohl geändert. Basierend auf der Arbeit von Petra Eisenbeis-Trinkle.

Anzeigen