Fluchtwegsicherheit für Arbeitsstätten

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Die deutsche Verordnung zur Novellierung der Verordnung über Arbeitsstätten setzt zusammen mit dem Arbeitschutzgesetz die EG-Arbeitsstättenrichtlinie 89/654/EWG um. Darin wird der Fluchtwegsicherheit, speziell den Bereichen Fluchtwege und Notausgänge mit den dazugehörigen Flucht- und Rettungsplänen, ein hoher Rang eingeräumt. Grundlage hierfür ist die Technische Regel für Arbeitsstätten ASR A2.3.


Definition

Im Sinne dieser Verordnung sind Fluchtwege jene Verkehrswege, die von Beschäftigten zum sicheren Verlassen der Arbeitsstätte im Gefahrenfall (zum Beispiel bei einem Brand) benutzt werden müssen. Die Fluchtwegsicherheit ist gegeben, wenn folgende Anforderungen bei der Ausprägung von Fluchtwegen berücksichtigt werden:

  • Mindestbreite von Fluchtwegen; maßgeblich dafür ist die Anzahl der Personen (sowohl Arbeitnehmer als auch Gäste bzw. Kunden), welche im Gefahrenfall auf diesen Fluchtweg angewiesen sind
  • bauliche Anforderungen an Fluchtwege (Böden, Wände und Decken)
  • Anforderungen an die Installation in Flucht- und Rettungswegen (z.B. MLAR = Muster-Leitungsanlagen-Richtlinie, zu finden z.B. unter http://www.bauordnungen.de/MLAR.pdf)
  • eine jederzeit uneingeschränkte Benutzbarkeit
  • Ausprägung der Abschlüsse (Notausgänge, Fluchttüren)
  • Beschilderung gemäß DIN 4844
  • Berücksichtigung der Sicherheitsbeleuchtung
  • Aufstellung von Flucht- und Rettungswegplänen

Bei der Umsetzung sind sowohl die Anforderungen der Berufsgenossenschaften als auch die Richtlinien des DIBt sowie die DIN-Normen zu beachten.

Fluchttüren im Sinne der Arbeitsstättenverordnung sind Türen in Flucht- und Rettungswegen. Die neuen in ganz Europa einheitlichen Normen unterscheiden dabei in Notausgangs- und Paniktürverschlüsse (seit 01.04.2004 sind DIN EN 179 und DIN EN 1125 bindend, DIN EN 13637 für elektrische Systeme lag bei Redaktionsschluss als Projekt Norm-Entwurf vor)


Notausgangs-/Paniktüren

Der Unterschied zwischen Notausgangs- und Paniktüren ergibt sich aus dem jeweiligen Anwendungsgebiet: Notausgangstüren sind bestimmt für Gebäude, die keinem öffentlichen Publikumsverkehr unterliegen und deren Besucher die Funktion der Fluchttüren kennen. Diese können unter anderem auch Nebenausgänge in öffentlichen Gebäuden sein, die nur von autorisierten Personen genutzt werden. Paniktüren hingegen kommen in öffentlichen Gebäuden zum Einsatz, bei denen die Besucher die Funktion der Fluchttüren nicht kennen und diese im Notfall auch ohne Einweisung betätigen können müssen. Hiervon sind z. B. öffentliche Verwaltungen, Krankenhäuser, Schulen und Unternehmen mit hohem Publikumsverkehr betroffen. Mit den zuständigen Baubehörden im Detail zu regeln sind Grenzfälle, wie Verwaltungen mit geringem Besucheranteil oder die Verfahrensweise bei Nutzungsänderungen.


Wichtigste Anforderungen

Die Hauptanforderungen an Fluchttürsysteme sollten aber immer berücksichtigt sein :

  • Fluchttüren müssen mit einer Handbetätigung den Fluchtweg innerhalb einer Sekunde ohne Schlüsselbetätigung freigeben
  • Fluchttüren sollen nach außen öffnen - Rettungswege dürfen nicht versperrt sein
  • Türbeschläge müssen so ausgebildet sein, dass Personen nicht mit der Kleidung daran hängen bleiben können
  • Das freie Ende des Drückers muss so ausgeführt sein, dass es nur zur Oberfläche des Türflügels zeigt, um das Risiko von Verletzungen zu vermeiden


Vorschriften / Normen

  • DIN EN 179 Schlösser und Baubeschläge - Notausgangsverschlüsse mit Drücker oder Stoßplatte für Türen in Rettungswegen - Anforderungen und Prüfverfahren; Deutsche Fassung EN 179:2008 Ausgabedatum 2008-04
  • DIN EN 1125 Schlösser und Baubeschläge - Paniktürverschlüsse mit horizontaler Betätigungsstange für Türen in Rettungswegen - Anforderungen und Prüfverfahren; Deutsche Fassung EN 1125:2008 Ausgabedatum 2008-04
  • (Norm-Entwurf) DIN EN 13633 Schlösser und Baubeschläge - Elektrisch gesteuerte Paniktürverschlüsse, für Türen in Rettungswegen - Anforderungen und Prüfverfahren; Deutsche Fassung prEN 13633:2009 Ausgabedatum: 2009-04 [ACHTUNG: DOKUMENT ZURÜCKGEZOGEN]
  • (Norm-Entwurf) DIN EN 13637 Schlösser und Baubeschläge - Elektrisch gesteuerte Notausgangsanlagen für Türen in Rettungswegen - Anforderungen und Prüfverfahren; Deutsche Fassung prEN 13637:2009 Ausgabedatum: 2009-04 [ACHTUNG: DOKUMENT ZURÜCKGEZOGEN]
  • (Norm-Entwurf) DIN EN 13637 Schlösser und Baubeschläge - Elektrisch gesteuerte Notausgangsanlagen für Türen in Rettungswegen - Anforderungen und Prüfverfahren; Deutsche Fassung prEN 13637:2014 Beginn des Projekts 2014-02

Merkblatt des ZVEI - Fachverband Sicherheit

Vom ZVEI - Fachverband Sicherheit wurde ein Merkblatt 33013:2016-05 "Adaptive Fluchtweglenkung" esretllt. Das Merkblatt beschreibt das Konzept der adaptiven Fluchtweglenkung und will damit einen zukunftsorientierten Beitrag für die Optimierung der Evakuierung von Gebäuden leisten. Zum Download verfügbar unter http://www.sicherheit.org


Siehe auch



Diese Seite wurde zuletzt am 16. Dezember 2016 um 20:11 Uhr von Peter Hohl geändert. Basierend auf der Arbeit von Thomas Lowien, Admin, Joëlle Pohlai und R Zalud.

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