Fluchttüren/Fluchttürverschlüsse

aus SecuPedia, der Plattform für Sicherheits-Informationen

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Rettungswege oder auch Fluchtwege (Evakuierungsweg) in Gebäuden sind für Not- und Paniksituationen bestimmt. Zu den Rettungswegen gehören Korridore, Treppenaufgänge und alle anderen Wege, die zu einem sicheren Bereich außerhalb des Gebäudes führen.

Alle Türen im Verlauf von Rettungswegen sind als Fluchttüren zu konstruieren. Sie sind dementsprechend zu kennzeichnen und mit Fluchttürverschlüssen gemäß den neuen Europäischen Normen auszustatten. Die Anzahl von Fluchttüren, ihre Lage und die Türbreite sind wichtige Gesichtspunkte. Ihre Auswahl hängt von der Größe des Bereichs ab, in dem sich Menschen versammeln, sowie von der maximalen Anzahl an Personen, die sich gleichzeitig in dem Bereich aufhalten können. Fluchttüren sowie andere Türen, die ins Freie führen, sollten im Normalfall stets in Fluchtrichtung öffnen. Ausnahmen gibt es etwa bei zu erwartenden besonderen Witterungsbedingungen (zum Beispiel Schneehaufen im Freien) oder aufgrund der Nutzungsart der Gebäude (zum Beispiel Hotel- oder Krankenzimmer, die an schmalen Fluren liegen).

Definition

Fluchttürverschlüsse sind alle Bauprodukte, die der Öffnung von Fluchttüren dienen. Sie müssen das Öffnen der Türen zu jeder Zeit von innen und durch beliebige Personen ermöglichen.


Ausnahmen

Manche örtlichen Bestimmungen und Sonderbauverordnungen gestatten außerhalb der Betriebszeiten Ausnahmen, wenn sichergestellt ist, dass sich in einem Gebäude keine Personen mehr aufhalten. Aus Gründen der Einbruchsicherheit dürfen dann selbst die Fluchttüren verschlossen werden. Immer unter der Voraussetzung, dass die Verriegelung solange nicht aktiviert werden kann, wie sich Menschen im Gebäude aufhalten. Die problem- und gefahrlose Fluchtmöglichkeit (Gefahrensicherheit) hat aber stets die höchste Priorität. Hinsichtlich der Einbruchsicherheit sollten keine Kompromisse eingegangen werden, die negative Auswirkungen auf die Gefahrensicherheit haben können.


Konflikte mit der Zutrittskontrolle

Probleme können sich ergeben, wenn eine Fluchttür nicht direkt ins Freie, sondern in einen Bereich führt, zu dem im Normalfall der Zugang nur unter kontrollierten Bedingungen erfolgen soll. Diese Konstellation findet sich nicht selten in Tiefgaragen. Ein potenzieller Eindringling kann dann die Zugangskontrolle mit der Notöffnungsfunktion der Tür übergehen und sich unerlaubten Zutritt zu einem Gebäude verschaffen. Wenn dann noch der Notöffnungstaster auf eine tagsüber unscharfe Alarmanlage aufgeschaltet ist, wird der Missbrauch nicht einmal bemerkt. Schon bei der Planung ist darum darauf zu achten, dass Notausgänge aus einem Sicherheitsbereich oder einer Tiefgarage immer hinaus ins Freie führen und nicht in einen Sicherheitsbereich hinein.


Planung und Auswahl

Wenn bei der Planung Rettungswege und Fluchttüren festgelegt werden, muss geprüft werden, ob weitere Anforderungen an diese Türen gestellt werden; beispielsweise ob es sich um einen Feuerschutzabschluss handelt. In diesem Fall sind die Türen generell mit Verschlüssen auszustatten, die auch im stromlosen Zustand die Tür brandschutztechnisch zuhalten. Der Einbau von Fluchttürverschlüssen ist selbstverständlich möglich und zwar sowohl als Hauptschloss als auch als Zusatzverriegelung. Wird der Fluchttürverschluss als zusätzliche Verriegelung eingesetzt, muss dieser nach dem Ruhestromprinzip arbeiten.

Bei der Auswahl von Fluchttürverschlüssen ist zwischen Paniktürverschlüssen und Notausgangsverschlüssen zu entscheiden. Ist ein Raum für viele Personen ausgelegt, so sind in der Regel Paniktürverschlüsse vorzusehen. Halten sich in einem Raum für gewöhnlich wenige Menschen auf, sind Notausgangsverschlüsse ausreichend. Wegen der unterschiedlichen technischen Lösungen (Paniktürverschlüsse, Notausgangsverschlüsse) muss unbedingt festgelegt werden, mit welchen Situationen aller Wahrscheinlichkeit nach zu rechnen ist.

Bei großen Menschenmengen

Bei großen Menschenmengen - wenn zum Beispiel in Kinos, Konzertsälen usw. ein Feuer ausbricht - ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass sich viele dieser Menschen irrational verhalten. Personen, die sich in einer solchen Paniksituation befinden, müssen ohne Vorkenntnisse der Örtlichkeiten und ohne Zuhilfenahme von Werkzeugen oder Schlüsseln die Fluchttürverschlüsse finden und benutzen können. Paniktürverschlüsse müssen so ausgelegt sein, dass sie selbst in extremen Situationen sicher funktionieren, damit in Panik geratene Personen das Gebäude gefahrlos verlassen können.

Bei kleinerer Anzahl von Menschen

Wenn eine kleinere Anzahl von Menschen involviert ist, kommt es in Gefahrensituationen in aller Regel nicht zu einer Panik. Dies gilt insbesondere, wenn diese Personen mit den Räumlichkeiten, den Notausgängen und der Funktionsweise der Fluchttürverschlüsse vertraut sind. Aber auch Notausgänge müssen sich ohne Zuhilfenahme eines speziellen Werkzeugs oder Schlüssels öffnen lassen, da diese Hilfsmittel möglicherweise gerade im Notfall nicht verfügbar sind.

Vorschriften / Normen

Prinzipiell sind neben den Vorschriften und Baubestimmungen der nationalen Behörden und Brandschutzstellen vorrangig die neuen Europäischen Normen für Paniktür- und Notausgangsverschlüsse zu berücksichtigen. Die unter den Stichworten Fluchttüren/Fluchttürverschlüsse, Paniktürverschlüsse und Notausgangsverschlüsse verarbeiteten Informationen beziehen sich auf die folgenden Normen und Normentwürfe, die bei den jeweiligen nationalen Normungsstellen erhältlich sind.

  • DIN EN 179 Schlösser und Baubeschläge - Notausgangsverschlüsse mit Drücker oder Stoßplatte für Türen in Rettungswegen - Anforderungen und Prüfverfahren; Deutsche Fassung EN 179:2008 Ausgabedatum 2008-04
  • DIN EN 1125 Schlösser und Baubeschläge - Paniktürverschlüsse mit horizontaler Betätigungsstange für Türen in Rettungswegen - Anforderungen und Prüfverfahren; Deutsche Fassung EN 1125:2008 Ausgabedatum 2008-04
  • (Norm-Entwurf) DIN EN 13633 Schlösser und Baubeschläge - Elektrisch gesteuerte Paniktürverschlüsse, für Türen in Rettungswegen - Anforderungen und Prüfverfahren; Deutsche Fassung prEN 13633:2009 Ausgabedatum: 2009-04 [ACHTUNG: DOKUMENT ZURÜCKGEZOGEN]
  • (Norm-Entwurf) DIN EN 13637 Schlösser und Baubeschläge - Elektrisch gesteuerte Notausgangsanlagen für Türen in Rettungswegen - Anforderungen und Prüfverfahren; Deutsche Fassung prEN 13637:2009 Ausgabedatum: 2009-04


Verwendung in Kombination:

  • mit Türschließern: EN 1154
  • mit elektrischen Feststellanlagen: EN 1155
  • mit Schließfolgereglern: EN 1158


Gegenüberstellung EN 1125 und EN 179

EN Norm EN 1125 EN 179
Titel Schlösser und Baubeschläge - Paniktürverschlüsse mit horizontaler Betätigungsstange - Anforderungen und Prüfverfahren Schlösser und Baubeschläge - Notausgangsverschlüsse mit Drücker oder Stoßplatte - Anforderungen und Prüfverfahren
Öffnungskraft unter Last Maximal 220 N bei einem Druck von 1.000 N auf die Tür (Simulation einer Paniksituation) Keine Prüfung unter Last vorgesehen
Betätigungselement Horizontale Betätigungsstange (Griffstange oder Druckstange) über mindestens 60% der Türbreite Drücker oder Stoßplatte. In Ausnahmefällen: Zugplatte
Nutzungskategorie Hohe Benutzerfrequenz Hohe Benutzerfrequenz
Dauerfunktionstüchtigkeit 100.000 oder 200.000 Prüfzyklen 100.000 oder 200.000 Prüfzyklen
Feuerbeständigkeit Für Brandschutztüren geeignet oder nicht Für Brandschutztüren geeignet oder nicht
Gefahrensicherheit/Per-sonenschutz Das Produkt erfüllt eine kritische Sicherheitsfunktion Das Produkt erfüllt eine kritische Sicherheitsfunktion
Korrosionsverhalten Hohe Beständigkeit (96 Stunden Salzsprühnebel) Hohe Beständigkeit (96 Stunden Salzsprühnebel)
Einbruchschutz Zuhaltung bis zu Kräften von 1.000 N Zuhaltung bis zu Kräften zwischen 1.000 N und 3.000 N (je nach Kategorie)
Betätigungselement Breite: mindestens 60% der Türbreite, Überstand des Beschlags: max. 150 mm oder geringer Überstand (max. 100 mm) Überstand des Beschlags: max. 150 mm oder geringer Überstand (max. 100 mm)
Kennzeichnung Nummer der EN-Norm und Klassifizierung auf Produkt Nummer der EN-Norm und Klassifizierung auf Produkt
Konformitätserklärung Prüfung durch unabhängiges Institut Prüfung durch unabhängiges Institut
Gefordertes Audit-System Anfangs-Typprüfung; Periodische Auditprüfung: halbjährlich und jährlich Anfangs-Typprüfung; Periodische Auditprüfung: halbjährlich und jährlich
CE-Kennzeichnung Verbindlich Verbindlich

Vorbeugende Maßnahmen: Fluchttürverschlüsse müssen regelmäßig überprüft werden. Für technisch komplexe Produkte empfiehlt sich der Abschluss eines Wartungsvertrags.

Siehe auch




Diese Seite wurde zuletzt am 14. März 2014 um 00:55 Uhr von Peter Hohl geändert. Basierend auf der Arbeit von Thomas Lowien, Redaktion, Admin, Joëlle Pohlai, Astrid Jung und Andreas Wischgoll.

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