Feuerschutzabschluss

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"Feuerschutzabschlüsse sind selbstschließende Türen und selbstschließende andere Abschlüsse (z.B. Klappen, Rollladen, Tore) die dazu bestimmt sind, im eingebauten Zustand den Durchtritt eines Feuers durch Öffnungen in Wänden und Decken zu verhindern."
(Definition nach DIN 4102 Teil 5).


Der Oberbegriff "Feuerschutzabschlüsse" (landschaftlich auch als "Brandschutzabschlüsse" bezeichnet) ist in den "Richtlinien für die Zulassung von Feuerschutzabschlüssen" des Deutschen Instituts für Bautechnik (DIBt) in Berlin wie folgt definiert und erläutert: "Feuerschutzabschlüsse sind bewegliche Raumabschlüsse, die bestimmte, in DIN 4102 Teil 5 festgelegte Anforderungen erfüllen; sie dienen zum Abschluss von Öffnungen in Wänden und Decken, an die aus brandschutztechnischen Gründen Anforderungen gestellt werden. Allgemein gebräuchliche Bauarten sind:

  • Feuerschutz-Wandklappen
  • Feuerschutz-Deckenklappen
  • Feuerschutz-Drehflügeltüren
  • Feuerschutz-Schiebetüren und -tore
  • Feuerschutz-Hubtüren und -tore
  • Feuerschutz-Rolltore
  • Feuerschutzabschlüsse im Zuge bahngebundener Förderanlagen.

Zu den Feuerschutzabschlüssen zählen auch Abschlüsse in Fahrschachtwänden der Feuerwiderstandsklasse F 90 (= Fahrschachttüren); Rauchschutztüren zählen jedoch nicht zu den Feuerschutzabschlüssen, da sie nicht dazu bestimmt sind, den Durchtritt von Feuer zu verhindern und nicht die in DIN 4102 Teil 5 gestellten Anforderungen erfüllen.

Bestandteile

Feuerschutzabschlüsse bestehen aus mit dem Bauwerk fest verbundenen Teilen (z.B. je nach Bauart Zargen, Rahmen, Führungs- oder Laufschienen), einem oder mehreren beweglichen Teilen (z.B. je nach Bauart Drehflügel, Blatt oder Rollladen) sowie den zum Befestigen, Führen, Handhaben oder Verschließen notwendigen Beschlägen, Schlössern und anderen Bauteilen."

Bauarten

Die verschiedenen Bauarten von Feuerschutzabschlüssen sind in DIN 4102 Teil 18 definiert. Die Begriffe Türen, Tore, Klappen sind hier wie folgt unterschieden: "Türen im Sinne dieser Norm gelten im Allgemeinen als häufig betätigt, Tore als wenig betätigt. Kleinformatige Türen werden auch als Klappen bezeichnet; sie gelten im Regelfall als selten betätigt." Einflügelige Abschlüsse, deren lichte Breite und/oder Höhe 2,5 m überschreitet, gelten als Tore.

Anforderungen

Feuerschutzabschlüsse müssen selbstschließend sein (Schließmittel). Sofern sie zeitweilig offengehalten werden, ist hierzu eine allgemein bauaufsichtlich zugelassene Feststellanlage zu verwenden.

Klassifizierung

Nach ihrem Verhalten während der Brandprüfung werden Feuerschutzabschlüsse in Feuerwiderstandsklassen T 30 bis T 180 eingestuft; in deutschen bauaufsichtlichen Regelwerken werden je nach vorliegender Risikosituation

  • feuerhemmende Feuerschutzabschlüsse = Abschlüsse T 30 oder
  • feuerbeständige Feuerschutzabschlüsse = Abschlüsse T 90

gefordert. Es sind auch bauaufsichtlich zugelassene Bauarten T 60 und T 120 auf dem Markt.

Sonderfall: Fahrschachttüren

Für Fahrschachttüren gilt diese Klassifizierung nicht, da sie nicht allein, sondern nur im Verein mit dem Fahrschacht F 90 brandschutztechnisch wirksam sind. Die Schutzwirkung dieser Türen ist nur gewährleistet, wenn der Fahrschacht am oberen Ende ausreichend entlüftet ist, und wenn der Fahrkorb überwiegend aus nichtbrennbaren Stoffen besteht. Fahrschachttüren dürfen nicht an anderen Stellen eines Gebäudes als Feuerschutztüren eingesetzt werden.

Nachweise

Im Zuständigkeitsbereich der obersten Baubehörden der Bundesrepublik Deutschland dürfen Feuerschutzabschlüsse nur verwendet werden, wenn nachgewiesen ist, dass sie den bauaufsichtlichen Anforderungen entsprechen. Dieser Nachweis kann erbracht werden

  • durch Verwendung einer genormten Bauart (=geregeltes Bauprodukt; zur Zeit nicht möglich, da die bisherigen Normen für Feuerschutztüren Ende 2003 zurückgezogen wurden) oder
  • durch eine allgemeine bauaufsichtliche Zulassung für die vorgesehene Bauart (= neue Bauart/nicht geregeltes Bauprodukt im Sinne der §§ 17 (3) und 18 MBO 2002). Dies gilt auch für im Ausland hergestellte Türen. Die Brauchbarkeit kann nicht allein durch Prüfzeugnisse nachgewiesen werden.

Zulassung

Grundlage einer Zulassung sind Eignungsprüfungen, die bei einer dafür benannten Stelle durchgeführt worden sind. Im Zulassungsverfahren für Feuerschutzabschlüsse wird ihr Brandverhalten (Prüfung nach DIN 4102 Teil 5 oder DIN EN 1366-1) beurteilt und untersucht, ob sie (mit allen Bau- und Zubehörteilen) dauerhaft funktionstüchtig sind (Dauerfunktionsprüfung nach DIN 4102 Teil 18).

Die vom Deutschen Institut für Bautechnik (DIBt) in Berlin ausgestellten Zulassungsbescheide enthalten nicht nur Angaben über die Feuerwiderstandsklasse und den Aufbau der jeweiligen Abschlusskonstruktion, sondern auch Forderungen hinsichtlich folgender Einzelheiten:

  • Bauart und Dicke der angrenzenden Gebäudeteile, an denen der Feuerschutzabschluss befestigt wird
  • kleinste und größte zulässige Größe (lichter Durchgang)
  • Details der Verankerung
  • Bauart und Größe einer Verglasung des Türflügels
  • Bauart und Größe zulässiger lichtdurchlässiger oder geschlossener Seiten- und / oder Oberteile,
  • Überwachung der Herstellung im Herstellerwerk und Kennzeichnung (Übereinstimmungszeichen-Verordnung).

Die Angaben des Zulassungsbescheides oder einer Norm für Feuerschutzabschlüsse sind genau einzuhalten; der Zulassungsbescheid ist in Abschrift oder Fotokopie auf der Baustelle bereitzuhalten und der Bauaufsichtsbehörde auf Verlangen vorzulegen. Es empfiehlt sich, ihn schon bei der Ausschreibung anzufordern. Abweichungen bedürfen gem. § 20 (1) MBO 2002 einer Zustimmung der obersten Baubehörde des Landes. Zulässige Änderungen, die keiner Zustimmung der obersten Baubehörde bedürfen, sind in der Fassung Juni 1995 in den Mitteilungen des Deutschen Instituts für Bautechnik (DIBt) Nr. 1/1996 veröffentlicht.

Zustimmungspflichtige Abweichungen sind z.B. jede Überschreitung der zulässigen Größen-Grenzwerte, Änderungen der Blechdicken und auch die Kopfmontage eines Obentürschließers, wenn diese Einbauart nicht im Zulassungsbescheid angeführt ist.

Geheimniswahrendes Verfahren

Um einen unberechtigten Nachbau zu erschweren, sind die Angaben des Zulassungsbescheides zur Konstruktion des Feuerschutzabschlusses so abgemagert, dass sie zur Herstellung eines der Zulassung entsprechenden Abschlusses nicht ausreichen. Dazu und zum Übereinstimmungsnachweis werden weitere zeichnerische Unterlagen ("Überwachungszeichnungen") benötigt, die nicht veröffentlicht werden. Sie werden in besonderen Überwachungsunterlagen dokumentiert, die vom DIBt abgestempelt und nur beim DIBt, beim Antragsteller und bei der zertifizierenden Stelle hinterlegt sind. Vom Verwender benötigte Angaben zum Auf- und Einbau des Feuerschutzabschlusses gehen aus der seit 1995 geforderten "Einbauanleitung des Herstellers" hervor.

Unter http://www.dibt.de sind Informationen zum neuen modifizierten Zulassungsverfahren des DIBT abrufbar.

Verwendung

Die Verwendung von Feuerschutzabschlüssen der verschiedenen Feuerwiderstandsklassen ist in den Bauordnungen der Bundesländer und in ergänzenden Verordnungen bauaufsichtlich geregelt. In bestimmten Fällen sind auch weitergehende Forderungen von Prämienrichtlinien der Feuerversicherer zu beachten.

Als Besonderheit ist zu beachten, dass in F-Verglasungen (Brandschutzverglasungen) nur solche Feuerschutzabschlüsse eingebaut werden dürfen, die ausdrücklich dafür zugelassen sind und dass F-Verglasungen in die gleiche Feuerwiderstandsklasse eingestuft sein müssen, wie die Feuerschutzabschlüsse. In G-Verglasungen dürfen überhaupt keine Feuerschutzabschlüsse eingebaut werden.

Es sind zugelassene Feuerschutztüren auf dem Markt, die dreiseitig umlaufende Dichtungen besitzen und daher auch die an "dichtschließende Türen" gestellten, bauaufsichtlichen Anforderungen erfüllen. Als Rauchschutztüren dürfen nur solche Feuerschutztüren bezeichnet werden, die zusätzlich nach DIN 18095 geprüft sind und die dort gestellten Anforderungen erfüllen.

Kennzeichnung

Feuerschutzabschlüsse sind an einem geprägten Kennzeichnungsschild aus Stahlblech zu erkennen, das vom Hersteller dauerhaft am Tür- bzw. Torflügel angebracht werden muss (Übereinstimmungszeichen-Verordnung). Dies gilt nicht nur für Abschlüsse einer genormten oder allgemein bauaufsichtlich zugelassenen Bauart, sondern auch für Feuerschutzabschlüsse, deren Verwendung durch eine Zustimmung einer obersten Baubehörde für den Einzelfall genehmigt wurde. Abschlüsse ohne das bauaufsichtlich geforderte Kennzeichnungsschild sind keine Feuerschutzabschlüsse, auch wenn sie vom Hersteller als "in Anlehnung an" eine zugelassene oder genormte Bauart geliefert wurden.

Europa

Bei der Harmonisierung der technischen Vorschriften im EG-Raum zur Beseitigung von Handelshemmnissen sind auch die Prüfvorschriften für Feuerschutzabschlüsse vereinheitlicht worden. Die harmonisierte europäische Prüfvorschrift EN 1634-1 Fassung Januar 2000 ist in Deutschland als Norm DIN EN 1634-1 im März 2000 veröffentlicht worden. Da diese Norm in der derzeit geltenden Bauregelliste nicht angeführt ist, gilt sie jedoch noch nicht als "bauaufsichtlich eingeführte Norm". In Deutschland werden in der Praxis des bauaufsichtlichen Zulassungswesens - um den Übergang von der bisherigen deutschen Prüfnorm zur harmonísierten europäischen Prüfnorm zu erleichtern - Ergebnisse von Prüfungen nach DIN EN 1634-1 als Eignungsnachweise im Zulassungsverfahren anerkannt. Die Forderung nach einem (in der Norm DIN EN 1634-1 nicht beschriebenen) Nachweis der Dauerfunktionstüchtigkeit wird davon nicht berührt.

Das "Grundlagendokument Brandschutz" enthält in Ziff. 4.3.1.3.5.5 Anforderungen und Klassifizierungsangaben für Feuerschutzabschlüsse unter dem Titel "Feuerschutzabschlüsse und ihre Schließmittel (einschließlich solcher mit Verglasungen)". Europäische normative Festlegungen auf diesem Gebiet sind in DIN EN 13501-2: "Brandschutztechnische Klassifizierung von Bauprodukten und Bauteilen; Teil 2: Klassifizierung anhand von Daten von Brandprüfungen" veröffentlicht worden.

Vorschriften und Zusammenstellungen:

DIN 4102: Brandverhalten von Baustoffen und Bauteilen

  • Teil 4: Zusammenstellung und Anwendung klassifizierter Baustoffe, Bauteile und Sonderbauteile (Ausgabe 3.1994)
  • Teil 5: Feuerschutzabschlüsse, Abschlüsse in Fahrschachtwänden und gegen Feuer widerstandsfähige Verglasungen; Begriffe, Anforderungen und Prüfungen (Ausgabe 9.1977)
  • Teil 18: Feuerschutzabschlüsse; Nachweis der Eigenschaft "selbstschließend" (Dauerfunktionsprüfung) (Ausgabe 3.1991)

DIN 18082: Feuerschutzabschlüsse; Stahltüren T 30-1

  • Teil 1: Bauart A (Ausgabe 12.1991) (BR = 625 mm x 1250 mm bis max. 1000 mm x 2000 mm)
  • Teil 3: Bauart B (Ausgabe 1.1984) (bis max. BR = 1250 mm x 2250 mm)

Beide Teile der Norm DIN 18082 sind im Dezember 2003 ersatzlos zurückgezogen worden.

DIN 18090: Aufzüge; Flügel- und Falttüren für Fahrschächte mit feuerbeständigen Wänden

DIN 18091: Aufzüge; Horizontal- und Vertikal-Schiebetüren für Fahrschächte mit feuerbeständigen Wänden

DIN 18092: Kleinlastenaufzüge; Vertikal-Schiebetüren für Fahrschächte mit feuerbeständigen Wänden

Schriften des Deutschen Instituts für Bautechnik (DIBt)):

  • "Änderungen bei Feuerschutzabschlüssen" Fassung Juni 1995, Mitteilungen DIBt, Nr. 1 / 1996, Seiten 5 und 6
  • "Richtlinien für die Zulassung von Feuerschutzabschlüssen" Fassung 2.1983, Mitteilungen IfBt, 14. Jahrg. Nr. 3 vom 1.6.1983
  • Weitere Dokumente unter http://www.dibt.de/de/435_4138.htm
  • "Verzeichnis allgemeiner bauaufsichtlicher Zulassungen und Prüfzeugnisse Baulicher Brandschutz" des DIBt (enthält auch Listen von Feuerschutzabschlüssen, Feuerschutzabschlüssen im Zuge von bahngebundenen Förderanlagen, Abschlüssen in Fahrschachtwänden der Feuerwiderstandsklasse F 90, Feststellanlagen für Feuerschutzabschlüsse), wird bei Bedarf aktualisiert

VdS -2097-4, Produkte und Anlagen des baulichen Brandschutzes, Teil 4: Feuerschutzabschlüsse, sonstige Brandschutztüren und ergänzende Sonderbauteile

mit Listen der Anschriften von Zulassungsinhabern und der kennzeichnenden Daten (Bauart, Feuerwiderstandsklasse, Größenbereich, Zulassungs-Nr.) zugelassener Feuerschutzabschlüsse. Auch Zusammenstellung "Feuerschutzabschlüsse mit Mehrfachfunktionen" mit zugelassenen Bauarten von Feuerschutztüren, die eine weitere Schutzfunktion besitzen (Beschusshemmung, Einbruchhemmung, Rauchschutz, Schalldämmung).

DIN EN 1634-1 : 2000-03 Feuerwiderstandsprüfungen für Tür- und Abschlußeinrichtungen - Teil 1: Feuerschutzabschlüsse

DIN EN 13501-2: 2003-12 Brandschutztechnische Klassifizierung von Bauprodukten und Bauteilen; Teil 2: Klassifizierung anhand von Daten von Brandprüfungen")

Siehe auch




Diese Seite wurde zuletzt am 16. März 2015 um 12:30 Uhr von Peter Hohl geändert. Basierend auf der Arbeit von Admin und Jürgen Pennings.

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