Feststellanlage

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"Feststellanlagen sind Geräte oder Gerätekombinationen, die geeignet sind, die Funktion von Schließmitteln für bewegliche Raumabschlüsse (wie z.B. Türen und Tore) kontrolliert unwirksam zu machen.

Eine Feststellanlage besteht aus mindestens einem Brandmelder, einer Auslösevorrichtung und einer Energieversorgung." (Definition nach "Richtlinien für Feststellanlagen", Teil 1)

Beim Ansprechen der zugehörigen Auslösevorrichtung im Falle eines Brandes oder bei anderweitiger Auslösung werden offengehaltene Feuerschutzabschlüsse durch ihre Schließmittel selbsttätig geschlossen.

Zulassungserfordernis

Im Zuständigkeitsbereich der Baubehörden der Bundesrepublik Deutschland dürfen bei Feuerschutzabschlüssen nur Feststellanlagen verwendet werden, die allgemein bauaufsichtlich zugelassen sind. Grundlage dieser Zulassung sind Eignungsprüfungen nach Teil 2 der "Richtlinien für Feststellanlagen" die bei einer dafür benannten Stelle durchgeführt worden sind. Unter http://www.dibt.de sind Informationen zum Zulassungsverfahren des DIBT abrufbar. Die vom Deutschen Institut für Bautechnik (DIBt) in Berlin ausgestellten Zulassungsbescheide enthalten Angaben über die zulässige Kombination der einzelnen Bestandteile der jeweiligen Feststellanlage sowie über die Feuerschutzabschluss-Bauarten, für die diese Feststellanlage geeignet ist.


Anforderungen

Energieversorgung

Bezüglich der Energieversorgung stellt Teil 2 der "Richtlinien" bestimmte Anforderungen. Bei Netzanschlussbetrieb (Energieversorgung ohne Batterien) wird die gesamte Feststellanlage bei Ausfall der Primärspannung spannungslos; die angeschlossenen Feststellvorrichtungen müssen die Abschlüsse unverzüglich freigeben.

In bestimmten Fällen sind zur Einhaltung der Anforderungen der "Richtlinien für die Zulassung von Abschlüssen in bahngebundenen Förderanlagen" oder von Unfallverhütungsvorschriften Sicherheitseinrichtungen zur Überwachung des Schließbereichs der Abschlüsse (z.B. durch Lichtschranken, Kontaktleisten) erforderlich. Dann muss die Energieversorgung der Feststellanlage mit einer zweiten Energiequelle durch wartungsfreie Batterien für Gefahrenmeldeanlagen gem. Drucksache VdS-2140 zur Überbrückung von Netzausfällen ausgerüstet werden. Weitere Angaben zu diesem Bereitschaftsparallelbetrieb sind in Teil 2 der "Richtlinien für Feststellanlagen" nachzulesen.

Auslösevorrichtungen

Sind automatische Brandmeldeanlagen vorhanden, so dürfen Teile dieser Anlagen als Auslösevorrichtungen verwendet werden. Die dabei zu erfüllenden Bedingungen sind in Teil 2 der "Richtlinien" angeführt. Die Feststellvorrichtungen dürfen in diesem Falle nicht durch die Energieversorgung der Brandmeldeanlage gespeist werden; hierfür ist eine eigene Energieversorgung notwendig. Eine Ansteuerung der Feststellvorrichtungen durch andere Brandmelder ist zusätzlich möglich.

Lichtschranken

An die bei Feuerschutzabschlüssen verwendeten Lichtschranken werden in Deutschland besondere Anforderungen gestellt (Unempfindlichkeit gegen Rauch, s. Teil 2 der o.a. Richtlinien).

Manuelle Auslösung

Jede Feststellanlage muss auch von Hand ausgelöst werden können, ohne dass die Funktionsbereitschaft der Auslösevorrichtung beeinträchtigt wird. Teil 1 der Richtlinien enthält detailliertere Anforderungen an die Ausführung dieser Handauslösung.


Varianten

Als Varianten von Feststellanlagen sind Geräte anzusehen, in denen ganze Feststellanlagen oder Teile davon integriert sind (Schließmittel). Solche Varianten sind z.B.

  • Freilauf-Türschließer
  • Türschließer mit elektromagnetischer Feststellung
  • Automatik-Türschließer (Drehflügelantriebe)
  • Antriebe für Schiebe-, Hub- und Rollabschlüsse mit elektromagnetischer Feststellung
  • Schließfolgeregler mit Haftmagnet für zweiflügelige Türen.

Anforderungen an diese Varianten sind in Teil 2 der o.a. Richtlinien angeführt.


Brandmelder

Die Auswahl des Brandmeldertyps ist auch von der voraussichtlichen Brandentwicklung am Verwendungsort abhängig. Kriterien für die Auswahl des Brandmeldertyps sind in Teil 1 der "Richtlinien" angegeben. Für Abschlüsse von Räumen, in denen mit einer explosionsfähigen Atmosphäre durch brennbare Gase, Dämpfe oder Nebel (Zone 0 DIN VDE 0165) oder durch brennbare Stäube (Zonen 10 und 11 DIN VDE 0165) gerechnet werden muss, dürfen Feststellanlagen nicht verwendet werden. Bei Räumen, in denen mit einer explosionsfähigen Atmosphäre durch brennbare Gase, Dämpfe oder Nebel (Zonen 1 und 2 DIN VDE 0165) gerechnet werden muss, dürfen Feststellanlagen nur dann verwendet werden, wenn sie zusätzlich durch eine geprüfte ortsfeste Gaswarneinrichtung für den Explosionsschutz ausgelöst werden. Wenn ein Hilfsrelais erforderlich ist, um die zulässige Kontaktbelastbarkeit des potenzialfreien Kontakts der Gaswarneinrichtung nicht zu überschreiten, so muss es von der Energieversorgung der Feststellanlage gespeist werden. In den Zulassungsbescheiden für die verschiedenen Bauarten von Feststellanlagen und in Teil 1 der "Richtlinien" werden Anforderungen an die Anzahl und an den Anbringungsort der bei jedem Abschluss anzubringenden Brandmelder gestellt. Diese Forderungen richten sich nach der Größe des Abschlusses und nach den baulichen Gegebenheiten am Verwendungsort.


Überwachung und Kennzeichnung

Die Bestandteile bauaufsichtlich zugelassener Feststellanlagen müssen aus überwachten Fertigungen stammen (Übereinstimmungszeichen-Verordnung). Die einzelnen Geräte der Feststellanlage sind in Übereinstimmung mit der Zulassung gut sichtbar zu kennzeichnen. Einzelheiten der Überwachung und der Kennzeichnung sind in Teil 2 der "Richtlinien" angeführt.

In Teil 1 dieser Richtlinie ist gefordert, dass nach dem betriebsfertigen Einbau einer Feststellanlage am Verwendungsort eine Abnahmeprüfung durchzuführen ist, bei der die einwandfreie Funktion und vorschriftsmäßige Installation festgestellt wird. Auf diese Prüfung ist von den Herstellern von Auslöse- und Feststellvorrichtungen hinzuweisen. Sie ist vom Betreiber zu veranlassen und darf nur von Fachkräften der Hersteller dieser Vorrichtungen, von diesen autorisierten Fachkräften oder von Fachkräften einer dafür benannten Prüfstelle durchgeführt werden. Die "Richtlinie" gibt detailliert an, welche Punkte die Abnahmeprüfung zu umfassen hat und dass in unmittelbarer Nähe des festgestellten Abschlusses ein vom Hersteller der Feststellanlage zu lieferndes Schild mit bestimmten Angaben über die erfolgte Abnahme anzubringen ist.

Dem Betreiber ist über die erfolgreiche Abnahmeprüfung eine Bescheinigung auszustellen, die beim Betreiber aufzubewahren ist. Jede Feststellanlage muss vom Betreiber ständig betriebsfähig gehalten und mindestens einmal monatlich auf ihre einwandfreie Funktion überprüft werden. Zeitpunkt, Umfang und Ergebnis der periodischen Überwachung sind aufzuzeichnen. Diese Aufzeichnungen (Prüfbuch) sind beim Betreiber aufzubewahren und den Sicherheitsbehörden auf Verlangen vorzulegen.


Vorschriften und Zusammenstellungen:

Richtlinien für Feststellanlagen (Fassung Oktober 1988)

  • Teil 1: Anwendungsbereich, Begriffe und Montage (veröffentlicht in Mitteilungen Institut für Bautechnik 20. Jahrg. Nr. 1 vom 1.2.1989)
  • Teil 2: Bauartprüfung und Überwachung

DIN EN 54: Bestandteile automatischer Brandmeldeanlagen

  • Teil 5: Wärmemelder; Punktförmige Melder mit einem Element mit statischer Ansprechschwelle
  • Teil 7: Rauchmelder – Punktförmige Melder nach dem Streulicht-, Durchlicht- oder Ionisationsprinzip
  • Teil 8: Wärmemelder mit hohen Ansprechtemperaturen

DIN 14 675: Brandmeldeanlagen – Aufbau und Betrieb

DIN VDE 0165: Errichten elektrischer Anlagen in explosionsgefährdeten Bereichen

DIN VDE 0833: Gefahrenmeldeanlagen für Brand, Einbruch und Überfall

  • Teil 1: Allgemeine Festlegungen
  • Teil 2: Festlegungen für Brandmeldeanlagen

VdS -2097-4, Produkte und Anlagen des baulichen Brandschutzes, Teil 4: Feuerschutzabschlüsse, sonstige Brandschutztüren und ergänzende Sonderbauteile

(enthält auch Listen bauaufsichtlich zugelassener Feststellanlagen, geeigneter Lichtschranken für Feststellanlagen und Gaswarneinrichtungen für das Auslösen von Feststellanlagen)

VdS -2102: VdS-Richtlinie für Gefahrenmeldeanlagen wartungsfreie Blei-Batterien Anforderungen und Prüfmethoden

Schriften des Deutschen Instituts für Bautechnik (DIBt)

"Zusammenstellung allgemeiner bauaufsichtlicher Zulassungen für Feuerschutzabschlüsse, Feuerschutzabschlüsse im Zuge von bahngebundenen Förderanlagen, Abschlüsse in Fahrschachtwänden der Feuerwiderstandsklasse F 90, Feststellanlagen für Feuerschutzabschlüsse" (wird bei Bedarf aktualisiert)

Bei der Harmonisierung der technischen Vorschriften im EG-Raum zur Beseitigung von Handelshemmnissen sind auch die Prüfvorschriften für Feuerschutzabschlüsse vereinheitlicht worden.

Das "Grundlagendokument Brandschutz" enthält in Ziff. 4.3.1.3.5.5 Anforderungen und Klassifizierungsangaben für Feuerschutzabschlüsse unter dem Titel "Feuerschutzabschlüsse und ihre Schließmittel".

Im Abschnitt Schließmittel dieser Ziffer ist in einem Absatz auf die Bestandteile und Funktion von Feststellanlagen eingegangen. In der europäischen Normung werden Angaben zu Feststellvorrichtungen von Feststellanlagen in der Reihe "Schlösser und Baubeschläge" genormt:

DIN EN 1155: 2003-04: Schlösser und Baubeschläge - Elektrisch betriebene Feststellvorrichtungen für Drehflügeltüren - Anforderungen und Prüfverfahren

ist inzwischen veröffentlicht und ersetzt die Norm DIN 18 263-5: 1991-03 (Türschließer mit hydraulischer Dämpfung; Teil 5: Feststellbare Türschließer mit und ohne Freilauf), die im Oktober 1997 zurückgezogen wurde. Die Fassung 1997 der Norm DIN EN 1155 wurde im Jahr 2002 durch eine Änderung A1, die Angaben zum Konformitätsnachweis enthält, sowie in 2006 durch eine Berichtigung ergänzt.

DIN EN 1155

ist in der Bauregelliste B Teil 1, lfd. Nr. 1.6.5 als Technische Regel für das Bauprodukt "Elektrisch betriebene Feststellvorrichtungen für Drehflügeltüren" angeführt. Die Anlage 6.4 zu Teil A 1 der Bauregelliste weist darauf hin, dass die (bei diesen Geräten einstellbare) Verzögerungszeit bei Verwendung an Feuerschutz- und Rauchschutztüren nicht mehr als 30 Sekunden betragen darf.

Siehe auch



Diese Seite wurde zuletzt am 27. Juli 2015 um 08:47 Uhr von Thomas Lowien geändert. Basierend auf der Arbeit von Admin und Jürgen Pennings.

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