Detektive

aus SecuPedia, der Plattform für Sicherheits-Informationen

Anzeige
Wechseln zu: Navigation, Suche

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes gab es im Jahr 2009 in Deutschland 1410 private, umsatzsteuerpflichtige Detekteien. Etwa ein Drittel davon ist in einem Berufsverband organisiert. Im Prinzip ist der Detektiv ein Einzelunternehmer. Es gibt nicht viele Detekteien mit mehreren festen Mitarbeitern. Insgesamt arbeiten in Deutschland nach den Erhebungen des Bundesverbandes Deutscher Detektive (BDD) etwa 3.300 detektivisch tätige Personen.

Tätigkeitspektrum

Im Gegensatz zu den staatlichen Ermittlungs- und Strafverfolgungsbehörden hat der Privatdetektiv keinerlei besondere Rechte, insbesondere keine hoheitlichen Befugnisse. Die ursprünglichen, vorwiegend auf dem privaten Sektor liegenden Tätigkeiten haben sich schwerpunktmäßig in den wirtschaftlichen Bereich verlagert. Häufig werden Detektive im Vorfeld staatlicher Ermittlungstätigkeiten im Auftrag von Rechtsanwälten oder der Wirtschaft tätig, wenn diese ein berechtigtes Interesse glaubhaft machen können. Ihre Recherchen können aber auch parallel zu staatlichen Ermittlungstätigkeiten erfolgen. Das Ergebnis ihrer Dienstleistung kann in Zivil- oder Strafprozesse einfließen. Die Ermittlungsergebnisse müssen deshalb gerichtsverwertbar sein, das heißt, sie müssen mit legalen Mitteln und auf legalem Wege erzielt worden sein, um als Beweismittel vor Gericht anerkannt zu werden. Dies gilt sowohl für Zivil- als auch für Strafprozesse. Der Auftraggeber muss das Ermittlungsergebnis des Detektivs aber nicht bekannt geben, sondern kann es für sich behalten, um mit einem Betroffenen eine individuelle Regelung oder im Falle eines Unternehmens eine betriebsinterne Lösung zu finden, um zum Beispiel negative Schlagzeilen zu vermeiden.

Der Berufsverband BDD hat als Orientierungshilfe zur Vergabe von detektivischen Aufträgen die "Grundlagen zur Sicherstellung der Qualität detektivischer Dienstleistungen" veröffentlicht.


Voraussetzungen

Zur Ausübung eines Detektivgewerbes bedarf es nur einer Gewerbeanmeldung nach § 14 Gewerbeordnung. Das Gewerbeamt hat zusätzlich nach § 38 der Gewerbeordnung (sicherheitsempfindliche Berufe) die Zuverlässigkeit durch ein Führungszeugnis und eine Auskunft aus dem Gewerbezentralregister zu überprüfen.

Für das Detektivgewerbe gibt es in Deutschland weder eine gesetzlich vorgeschriebene Berufsordnung noch eine gesetzlich geschützte Berufsbezeichnung. Nach der Gewerbeanmeldung kann darum jeder in Deutschland die Bezeichnung "Detektiv", „Privatdetektiv“, „Privater Ermittler“ o.a. führen und die damit verbundenen Arbeiten ausführen, unabhängig von der beruflichen Bildung, Erfahrung und persönlichen Eignung. Es gibt auch keine gesetzlich vorgeschriebene Ausbildung und damit auch keine staatliche oder öffentlich-rechtliche Prüfung, z.B. vor der Industrie- und Handelskammer. Ein Realschulabschluss und eine abgeschlossene Berufsausbildung, vorzugsweise im kaufmännischen oder verwaltungsfachlichen Bereich, sind aber nach Einschätzung der Berufsverbände eine unerlässliche Voraussetzung für die Aufnahme einer Detektivtätigkeit. Gute Voraussetzungen bringen auch diejenigen mit, die zuvor eine Tätigkeit bei Notaren oder Rechtsanwälten sowie im Polizeivollzugs- oder Kriminaldienst ausgeübt, bzw. Dienst in der Bundeswehr als Feldjäger oder im Militärischen Abschirmdienst geleistet haben. Eine Grundausbildung zum Detektiv bieten Lehreinrichtungen, die vom BDD als Fortbildungseinrichtungen für das Detektivgewerbe anerkannt sind. Gegenwärtig trifft dies nur auf die "Zentralstelle für die Ausbildung im Detektivgewerbe (ZAD)" zu.


Berufsordnung

Für einen Detektiv in einem anerkannten Berufsverband gilt die Berufsordnung für Privatdetektive als Maßstab und Grundlage für seine Arbeit. Diese Berufsordnung stellt somit einen Ehrenkodex für die Ausübung des Detektivgewerbes dar und legt Handlungsnormative für detektivisches Handeln fest. Bei Regelverstößen gegen diese Standesregeln haben die Mitglieder eines Detektivverbandes mit Sanktionen bis zum Ausschluss aus dem Verband zu rechnen.


Kaufhausdetektive

Die sogenannten Kaufhausdetektive, die im Einzelhandel zur Absicherung gegen Warendiebstahl eingesetzt werden, gehören traditionsgemäß nicht zum Privatdetektivgewerbe, sondern zum Wach- und Sicherheitsgewerbe, sie können aber seit 2011 Mitglied im BDD werden, wenn sie die Berufsordnung für Kaufhausdetektive und die Leitlinie "Preisgestaltung für den Einsatz von Kaufhausdetektiven" anerkennen sowie das „Anforderungsprofil für Kaufhausdetektive“ erfüllen. Ziel des "Anforderungsprofils" und der Leitlinie „Preisgestaltung für den Einsatz von Kaufhausdetektiven“ ist es aber auch, dem Einzelhandel eine Orientierungshilfe für die Auftragsvergabe zu geben und das Lohndumping in diesem Bereich zu bekämpfen.

Die Leitlinie "Preisgestaltung für den Einsatz von Kaufhausdetektiven" kann von Unternehmen des Einzelhandels, die sich ernsthaft für die Durchsetzung einer leistungsgerechten Entlohnung einsetzen wollen, kostenfrei angefordert werden.

Der BDSW hat in Kooperation mit dem EHI Retail Institute e.V. und der IHK Bonn/Rhein-Sieg die Qualifizierung zur „Sicherheitskraft im Handel (IHK)“ entwickelt. Diese Prüfung entstand auf Anregung des Handels, mit der Absicht speziell qualifizierte Mitarbeiter, mittel- bis langfristig, bei der Tätigkeit als Einzelhandelsdetektiv/Shopguard einzusetzen.[1]


Einzelnachweis

  1. SecuPedia Aktuell: Erster Lehrgang Sicherheitskraft im Handel (IHK) startet Anfang 2015


Weblinks


Siehe auch



Diese Seite wurde zuletzt am 27. Juni 2015 um 11:21 Uhr von Peter Hohl geändert. Basierend auf der Arbeit von Admin, Astrid Jung und Hans Sturhan.

Anzeigen