Brandschutzkonzept

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Detaillierte Konzeption für die praktische, schutzzielorientierte und objektbezogene Umsetzung der in Gesetzen, Vorschriften und Normen verankerten Schutzziele zur Sicherung des Brandschutzes.

Zielsetzung

Seit dem Brand am Flughafen Düsseldorf 1996 wird verstärkt ein ganzheitlich schutzzielorientierter Brandschutz für ein Objekt und als Nachweis ein entsprechendes Brandschutzkonzept gefordert (z.B. § 9 Abs.1 BauPrüfVO NRW vom 20.2.2000 für Sonderbauten). Damit ist die Gesamtheit von aufeinander abgestimmten baulichen, anlagentechnischen und organisatorischen sowie bestimmten abwehrenden Brandschutzmaßnahmen zur Erzielung des vorgegebenen Schutzzieles gemeint. Ziel ist der Nachweis der Einhaltung des Brandschutzes im konkreten Objekt zum Schutze

  • von Leben und Gesundheit von Personen (Personenschutz),
  • des laufenden Betriebes (Betriebsschutz),
  • des Gebäudes (Sachschutz),
  • der natürlichen Lebensgrundlagen (Umwelt),


Grundlage

Das Brandschutzkonzept ist Voraussetzung für die Baugenehmigung bei Sonderbauten durch die Baubehörde. Eine rechtzeitige Abstimmung mit den beteiligten beratenden Behörden ist angebracht, hierzu z.B. auch Nr.58.3 VV der BauO NRW.


Inhalt

Die Zielsetzung erfordert je nach Gefährdungsanalyse abgestimmte Einzelmaßnahmen im

  • vorbeugendem baulichem Brandschutz,
  • anlagentechnischen,
  • organisatorischen und
  • abwehrendem Brandschutz.

Die geforderten Einzelmaßnahmen sollen entsprechende Sicherheit durch ihre Wirksamkeit, insbesondere im Personenschutz, entfalten. Die konkretisierten Forderungen sind objektbezogen, (nicht nur für die erste Abnahme sondern zur Erhaltung der Genehmigung und Einhaltung der Verkehrssicherungspflicht auf Dauer) als Nutzungsgrundlage einzuhalten.

Brandschutzkonzepte sind üblicherweise das Ergebnis komplexer Sicherheitsbetrachtungen unter Einbeziehung aller relevanten Einzel-/Detailbereiche. Sie können ergänzt werden durch Teil-/Sonderkonzepte wie z.B. Evakuierungs-, Entrauchungskonzepte usw. oder grafische (visualisierte) Darstellungen des Inhaltes.


Gebäudearten

Brandschutzkonzepte unterscheiden sich nicht grundsätzlich in Brandschutzkonzepte für Neubauten, für Bestandsbauten und für denkmalgeschützte Gebäude. Die Schwerpunktsetzung und die Inhalte eines Brandschutzkonzeptes sind abhängig von der Bauwerks-/Nutzungskategorie und vorgeschrieben für Hoch- und Sonderbauten.


Länderspezifische Vorgaben

Zum Umfang, zur Strukturierung des Inhalts bzw. zur Form können in den einzelnen Bundesländern unterschiedliche Vorgaben oder Forderungen bestehen. Dazu gehören auch Vorgaben von Gliederungen für Brandschutzkonzepte und Forderungen bzgl. Aussageumfang und Aussagetiefe. In Abhängigkeit von den jeweiligen Landesbauordnungen werden aber für Sonderbauten grundsätzlich Brandschutzkonzepte gefordert (Bestandteil der Bauantragsunterlagen).


Prüfung

vor der Nutzung

Die Umsetzung des Brandschutzkonzepts ist durch entsprechend zugelassene Sachverständige zu bescheinigen (Prüfingenieure Brandschutz bzw. Prüfsachverständige Brandschutz je nach Landesrecht). Diese Bescheinigung ist Voraussetzung für die Genehmigungs zur Nutzung. Die Prüfung erstreckt sich auf die Plausibilität der Maßnahmen. Ihre Langzeitgültigkeit und die Funktionalität bei Ausfall einzelner Elemente (temporär bzw. dauernd) ist nachzuweisen (ggf. Redundanz vorsehen) bzw. durch Kompensationsmaßnahmen zu gewährleisten.

während der Nutzung

Der Eigentümer/Betreiber hat, unabhängig von der Prüfpflicht der Behörde, zur Erfüllung seiner Verkehrssicherungspflicht die Einhaltung und ständige Wirksamkeit der Sicherheitseinrichtungen laut Konzept zu gewährleisten. Den Nachweis führt er neben der eigenen Dokumentation durch das jährliche Wartungsprotokoll der Errichter- Herstellerfirmen (BMA, DBA, Türen oder anderen Einrichtungen). Unabhängig davon ist eine dreijährige Wiederholungsprüfung durch zugelassene Sachverständige im Elektrobereich und den anderen Sicherheitsgewerken obligatorisch.

Im Rahmen von Brandschutzkonzepten vorgesehene Maßnahmen sind u. a. nach ihrem Wirkungsbereich (investiver Anteil und / oder Unterhaltungs-/Wartungsanteil) differenziert zu bewerten bzw. auszuwählen (Langzeitaspekt). Da das Brandschutzkonzept auf der Grundlage von Nutzungsart und Gebäude (Gebäudenutzungsart) erstellt wird, ist es in Abhängigkeit von der Gebäudestanddauer, dem Verschleißgrad des Gebäudes und der technischen Ausrüstungen sowie nach Umbauten, Ergänzungen und Nutzungsänderungen auf seine Gültigkeit in gewissen Zeitabständen unabhängig von etwaigen baulichen Änderungen zu überprüfen.

Nachprüfbare Brandschutzkonzepte werden auch erforderlich, wenn für beantragte Ausnahmen von bestehenden Brandschutzforderungen der Nachweis für die sicherheitstechnische Gleichwertigkeit der Ersatzlösungen erbracht werden muss.


Andere Bezeichnungen

Brandschutzkonzepte werden/wurden in Abhängigkeit von der Rechtslage in den jeweiligen Bundesländern auch als Brandschutzgutachten (früher) bzw. als Brandschutznachweis (neu) bezeichnet.


Siehe auch




Diese Seite wurde zuletzt am 16. Dezember 2014 um 07:43 Uhr von Mingyi Wang geändert. Basierend auf der Arbeit von Peter Hohl, Siegfried Räbiger, Astrid Jung, Admin und Gert Beilicke.

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