Aufzugschachtentrauchung

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Aufzugschächte sind im Gebäudekomplex wichtige Bauabschnitte, an die viele Anforderungen gestellt werden. Die Lüftung und die Entrauchung im Brandfall sind sicherzustellen. Die wichtigsten Anforderungen für die natürliche Entrauchung von Aufzugschächten ergeben sich aus den jeweiligen Landesbauordnungen. Der Fahrschacht muss zu lüften und mit Entrauchungsöffnungen versehen sein. Die Entrauchungsöffnungen müssen grundsätzlich eine Größe von 2,5 % der Grundfläche des Fahrschachtes, mindestens jedoch 0,1 m2 haben.

Konflikt mit dem Ziel Energieeffizienz

Mit Einführung der Energieeinsparverordnung ist die dauerhaft angebrachte Öffnung, wie sie bis heute häufig Verwendung gefunden hat, energetisch nicht mehr vertretbar. Gebäude sind so auszuführen, dass die wärmeübertragende Umfassungsfläche dauerhaft luftundurchlässig ist. Für die Aufzugschachtentrauchung und -entlüftung bedeutet dies, dass die angebrachten Öffnungen verschlossen werden müssten. Im Zuge der Energieeffizienzdiskussion stellt sich zum Beispiel für die ca. 650.000 bestehenden Aufzugsanlagen in Deutschland ein enormer energetischer Sanierungsbedarf. Die ca. 14.000 Neuanlagen sollten bereits bei Inbetriebnahme ohne die dauerhaft angebrachte Öffnung geplant und ausgeführt werden.


Branddetektion

Das Hauptproblem ist die exakte und weitgehend täuschungsalarmsichere Detektion von Brandrauch im Aufzugschacht. Ist bauseitig eine Brandmeldeanlage (BMA) vorhanden, kann diese auch zur Schachtüberwachung genutzt werden, z. B. auch mit einem Rauchansaugsystem, und im Alarmfall die Rauchabzugszentrale aktivieren. Wenn keine BMA vorhanden ist, können punktförmige Rauchmelder nach EN 54 Teil 7 auf der Basis fachgerechter Projektierung im Aufzugsschacht verteilt werden.


Weitere Auslösemöglichkeiten

Neben der automatischen Alarmauslösung sollte im Hauptzugangsbereich auch die manuelle Auslösung des Entrauchungssystems möglich sein. Hierzu dient ein RWA-Taster, der auch das Zentralgerät aktivieren und und gegebenenfalls eine Meldung an die Aufzugsteuerung erzeugen kann. Optional sind weitere RWA-Taster einsetzbar. Der RWA-Taster dient gleichzeitig als Anzeigedisplay für Alarm- und Betriebszustände. Hier kann das Gesamtsystem zurückgesetzt werden.


Aktionen im Brandfall

Wenn das Brandschutzkonzept des Gebäudes es vorsieht, leitet die Aufzugsteuerung die „Evakuierungsfahrt“ der Aufzugkabine gemäß EN 81-73 ein und fährt diese zur vorher bestimmten Hauptbestimmungshaltestelle. Diese ist meist im Hauptzugangsbereich. Hier können die Benutzer die Kabine verlassen. Die Aufzugsteuerung unterbindet weitere Fahrten bis zur Freigabe.

Das System sollte optional die erweiterte statische Brandfallsteuerung nach VDI 6017 erlauben. Wenn zum Beispiel ein optionaler Rauchmelder an der Hauptbestimmungshaltestelle einen Brand erkennt und an die Aufzugsteuerung meldet, wird die Evakuierungsfahrt zur vorher festgelegten alternativen Bestimmungshaltestelle durchgeführt. Hier können die Benutzer die Kabine verlassen. Die Aufzugsteuerung unterbindet auch in diesem Fall weitere Fahrten bis zur Freigabe.


Ausgestaltung der Abzugsöffnungen

Konkret wird im Brandfall ein vertikal eingebautes Jalousiefenster mittels eines 24 V-Motors in die geöffnete Stellung gefahren. Der Brandrauch wird sicher abgeführt. Das Jalousiefenster ist im Normalfall geschlossen. Die wärmegedämmten Glaseinsätze sorgen auch für die Belichtung.

Für die Entrauchung über Dach stehen Lüftungs- und Entrauchungshauben zom Beispiel aus Edelstahl zur Verfügung. Diese bieten sich an, wenn der Einbau eines Jalousiefensters in der Vertikalen aus baulichen Gründen nicht möglich ist. In diesem Fall wird ein nach DIN EN 12101-2 geprüftes, wärmegedämmtes Jalousiefenster mit zugehörigem 24 V-Antrieb in den Aufsetzkranz der Lüftungs- und Entrauchungshaube integriert. Auch dieser Antrieb darf nicht in den Sicherheitsbereich des Aufzugschachtes hineinragen.


Zusatzfunktionen

Optionale optische oder akustische Alarmgeber können direkt an das Zentralgerät angeschlossen werden, um Bewohner des Gebäudes zu alarmieren. Die Zusammenschaltung mit anderen Brandschutzsystemen, z. B. Brandmeldeanlagen, ist in der Regel problemlos möglich.

Bei Verwendung eines optionalen Luftgütemessers öffnet die Entrauchungsklappe im Havariefall des Aufzuges mit eingeschlossenen Personen und verschlechterter Luftgüte (Sauerstoffreduktion).

Für die Entlüftung ist das Zentralgerät über einen manuellen Schlüssellüftertaster ansteuerbar. Hierbei wird das Zentralgerät in den Lüftungsmodus gesetzt. Das Jalousiefenster oder die Lüftungs- und Entrauchungshaube wird geöffnet bzw. geschlossen. Die Schlüsselbetätigung erlaubt nur eine Bedienung durch befugte Personen. Die Lüftung ist bei Vorhandensein eines Gebäudelüftungskonzeptes auch durch andere Systeme der Gebäudesystemtechnik steuerbar bzw. über im Schacht installierte Thermostate oder andere Sensoriken.

Wenn Aufzugservicetechniker eine entsprechende Zusatzqualifizierung für die Wartung der Entrauchungsanlage haben, senkt dies die Kosten der Instandhaltung, weil verschiedene notwendige Arbeiten kombiniert werden können.

Das Bauprodukt „Aufzugschachtentrauchung“ darf nur bei Vorliegen eines Verwendbarkeitsnachweises gemäß Musterbauordnung (MBO) beziehungesweise einer allgemeinen bauaufsichtichen Zulassung (abZ) eingesetzt werden.

Weblinks


Siehe auch



Diese Seite wurde zuletzt am 26. März 2014 um 12:00 Uhr von Peter Hohl geändert. Basierend auf der Arbeit von Kurt Seifert.

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