Amoklage

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Amoklagen sind Tatsituationen, in denen einzelne – selten mehrere – Täter für die Opfer überraschend und anscheinend unmotiviert eine Vielzahl von Menschen angreifen. Gemeinsam ist allen Definitionen die nach außen hin willkürlich und blindwütig erscheinende Tötung oder Verletzung mehrerer Personen. Dabei wird zwischen einer stationären (zum Beispiel innerhalb eines Schulgebäudes) und einer mobilen Amoklage (der/die Tatverdächtige bewegt sich von einem Ort zum anderen) unterschieden.

Polizeiliche Sicht

Die Polizeidienstvorschrift (PDV100 Nr.4.11a.1.1) definiert eine Amoklage wie folgt: "Eine Amoklage im polizeitaktischen Sinne liegt vor, wenn ein Täter

  • anscheinend wahllos oder gezielt,
  • insbesondere mittels Waffen, Sprengmitteln, gefährlichen Werkzeugen oder außergewöhnlicher Gewaltanwendung,
  • eine in der Regel zunächst nicht bestimmbare Anzahl von Personen verletzt oder getötet hat bzw. wenn dies zu erwarten ist und
  • er weiter auf Personen einwirken kann.

Eine Amoklage im polizeitaktischen Sinn liegt bereits dann vor, wenn Anhaltspunkte ein solches Täterverhalten unmittelbar erwarten lassen. Eine Amoklage ist erst dann beendet, wenn der Täter handlungsunfähig ist, alle von ihm verursachten Gefahren beseitigt sind und alle Verletzten oder Gefährdeten gerettet sind."

Taktisches Vorgehen

Bei Amok- sowie Terrorlagen handelt es sich regelmäßig um spontan entstehende Sofortlagen, bei denen die Einsatzführung der Polizei zunächst aus den Strukturen der allgemeinen Aufbauorganisation heraus geleitet wird. In der ersten Einsatzphase erfolgen die Strukturierung des Einsatzes und die Koordinierung aller erforderlichen Maßnahmen grundsätzlich durch das Lage- und Führungszentrum (LFZ) der zuständigen Polizeidienststelle. Erst mit der Zuführung weiterer Kräfte kann die vorbereitete Struktur einer Besonderen Aufbauorganisation (BAO) sukzessive funktionsfähig aufgebaut werden.

Bei anderen Einsatzanlässen wie "Bedrohungslage", "Bankraub" und "Geiselnahme" wird von den Erstkräften erwartet, dass sie:

  • absperren
  • ggf. evakuieren / retten
  • grundsätzlich nicht in Richtung Täter agieren
  • das Eintreffen der Spezialeinheiten und/oder Verstärkungskräfte abwarten

Bei einer Amoklage besteht nach den Dienstvorschriften eine Verpflichtung zum sofortigen/offensiven Handeln für die zuerst am Tatort eintreffenden / eingesetzten / beteiligten Polizeibeamten. Die Polizei spricht von der "Sofort-Interventions-Phase".

Die Sofortmaßnahmen sind in dieser Reihenfolge festgelegt:

  • Aufklärungsergebnisse melden
  • Interventionsteams bilden
  • Täter lokalisieren, in seine Richtung agieren, isolieren und Handlungsunfähigkeit herbeiführen
  • Rettung von Verletzten, Evakuierung, Schutz von Opfern

Bei einer Amoklage ist somit alles anders:

  • Schnelligkeit vor Sicherheit
  • Vertretbares Höchstmaß an Eigensicherung.

Zusammenarbeit

Der Zusammenarbeit von Polizei, Feuerwehr, Rettungsdiensten und weiteren Hilfsorganisationen kommt eine große Bedeutung zu. Bei Amoklagen heißt dies: das Wissen um die Aufgaben, die Möglichkeiten, aber auch die Grenzen der anderen Organisationen ist im Ernstfall eine entscheidende Voraussetzung für die gemeinsame Aufgabenbewältigung.

Diese Vorgehensweise wird bei Bundes- und Länderpolizei in modifizierten Ausbildungskonzepten trainiert. Diese Einsatzkonzepte werden ständig überprüft und fortgeschrieben. Täterverhalten und Tatabläufe aller Vorfälle werden ausgewertet und dahingehend geprüft, ob das polizeiliche Vorgehen weiter optimiert werden kann und verändert werden muss.

Prävention

Präventive Maßnahmen haben zum Ziel, ein Ereignis zu verhindern. Dies ist bei Amoktaten und Terroranschlägen aufgrund der Unterschiedlichkeit und vielfältigen Tatbegehungsweisen besonders schwierig. Um dennoch präventive Maßnahmen ergreifen zu können, bedarf es

  • einer umfassenden und zielgerichteten Risikoanalyse (Risikoidentifizierung, Risikobewertung, Risikobeurteilung und Risikoüberwachung), deren Ergebnisse ausreichend und ebenenspezifisch zu kommunizieren sind,
  • einer Sensibilisierung der Mitarbeiter, Gefahrensituationen rechtzeitig zu erkennen und entsprechend zu handeln sowie
  • baulicher, technischer und organisatorischer Maßnahmen, die die Begehung einschlägiger Straftaten verhindern oder zumindest wesentlich erschweren.

Präventionsmaßnahmen müssen somit Schutzfaktoren fördern und Risikofaktoren minimieren. Dies umfasst beispielsweise die Stärkung des Selbstbewusstseins, das Vermitteln von Erfolgserfahrungen und den Abbau von Ängsten. Insoweit müssen Amok- und Gewaltprävention frühzeitig einsetzen, ursachenorientiert ansetzen und möglichst nachhaltig wirken.

Technische Maßnahmen

Zur Auslösung von Amok-Alarmen und zur Alarmierung einer hilfeleistenden Stelle dienen Notfall- und Gefahren-Reaktions-System (NGRS) nach DIN VDE V 0827. Diese Systeme sind vorwiegend für den Einsatz in öffentlichen Gebäuden. wie Bildungseinrichtungen (z. B. Schulen, Universitäten), Behörden, Kindergärten und ähnlichen Einrichtungen konzipiert. Sie können jedoch auch in nicht öffentlichen Gebäuden mit ähnlichem Risiko und Schutzbedürfnis zum Einsatz kommen. Zur manuellen Auslösung einer Alarmmeldung im Falle eines akuten Notfalls oder einer Gefahr (z. B. Amok) dienen Notfall- und Gefahrenmelder (NGRS-Melder) gemäß DIN VDE V 0827-1 oder Notfall- und Gefahren-Sprechanlagen (NGS) gemäß DIN VDE V 0827-2.

Als mechanische Sicherungen kommen Türverriegelungen von innen für gefährdete Innenbereiche von Gebäuden in Frage.

Eine Weiterleitung des Alarms erfolgt über Fernalarmierungseinrichtungen an eine hilfeleistende Stelle (z. B. eine Notruf- und Serviceleitstelle (NSL)). In Abstimmung mit der Polizei kann in begründeten Fällen auch ein direkter Anschluss des NGRS an die Polizei erfolgen. Dieser ist analog der ÜEA-Richtlinie auszuführen. In diesem Fall ist die Polizei frühzeitig in die Planung des NGRS einzubeziehen.



Diese Seite wurde zuletzt am 1. August 2017 um 18:58 Uhr von Peter Hohl geändert. Basierend auf der Arbeit von Klaus Kapinos.

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