Alarmempfangsstelle

aus SecuPedia, der Plattform für Sicherheits-Informationen

Anzeige
Wechseln zu: Navigation, Suche

In der (europäischen) Alarmempfangsstelle gem. EN 50518 werden Signale überwacht und/oder empfangen und/oder verarbeitet, die eine umgehende Reaktion auf Notfälle erfordern. Die Übertragung der Signale wird über die Reihe der Normen EN 50136 geregelt.

Mit dieser Aufzählung in der Einleitung zur EN 50518 sind bereits die Aufgaben der Alarmempfangsstelle vollständig aufgezählt. Das sichere Entgegennehmen der Signale von Übertragungseinrichtungen in den überwachten Schutzobjekten, das Überwachen der Übertragungswege und -systeme sowie das Verarbeiten der eingegangenen Signale sind zu nennen. Auf die Reaktion nach einem Empfang eines Alarm-Signals geht die EN 50518 nicht ein und trifft keinerlei Festlegungen. Streng genommen ist die Alarmempfangsstelle (AES) viel mehr ein Rechenzentrum als eine Notruf- und Service-Leitstelle, die bekannter Weise eine umfassende und abschliessende Dienstleistung für den Endkunden bereitstellt.


Anforderungen

Basis für den Betrieb einer AES ist eine Risikoanalyse, die auch die Umgebung und das Umfeld der Einrichtung beleuchtet.(EN 50518-1, Punkt 4.1) Die AES ist eine bauliche Einrichtung, die mechanisch hochgerüstet ist und beispielsweise folgenden Anforderungen genügt:

  • Schutz gemäß EN 1522, FB3 gegen Angriffe mit Schußwaffen
  • Schutz gemäß EN 13501-2 gegen Feuer (nicht weniger als 30 Minuten)
  • Schutz gemäß EN 1627 WK4/ RC4 (engl.) gegen Angriffe mit mechanischen Mitteln
  • Zugangsschleuse, innengesteuert als mechanisch/elektronischer Zugangsschutz

Die technischen Einrichtungen der AES sind gegen Überspannungen gemäß EN 62305 zu schützen. Eine dort geforderte Risikoanalyse ist ebenfalls zu erstellen.

Eine Lüftungsanlage mit spezifizierten Vorgaben, einschließlich der Möglichkeit Frischluft anzusaugen und die Zufuhr von Frischluft manuell gesteuert zu blockieren, als Schutz gegen das Einleiten von schädlichen Gasen, ist vorzusehen.

In Ergänzung der mechanischen Sicherheit werden umfangreiche elektronische Sicherheitssysteme vorgeschrieben, die nicht nur die AES selbst umfassen, sondern ausdrücklich auch das Umfeld, wie Büroräume rund herum, das Betriebsgelände, die Gebäudezugänge, Hausverteilungsräume u.v.m. Aufzuzählen wären im Einzelnen:

  • Einbruchmeldeanlage gemäß EN 50131-1, Sicherheitsgrad 3
  • Brandmeldeanlage gemäß DIN 14675
  • Gasmeldeanlage für CO (Kohlenmonoxid)
  • Überfallmeldeanlage gemäß EN 50131-1
  • Videoüberwachungsanlage gemäß EN 50132-7 mit Annäherungsüberwachung

Zur Versorgung aller elektrischen Verbraucher in der AES ist eine Notstromversorgung gemäß EN 62040-1 vorzusehen, die den 1,5-fachen durchschnittlichen Bedarf der AES abdeckt. Diese besteht aus batteriegestützter unterbrechungsfreier Stromversorgung (USV) und einem ausreichend dimensionierten Generator.

Die AES ist rund um die Uhr von 2 Bedienern zu besetzen, die ausreichend qualifiziert sein müssen. Das steht so zwar nicht in der Norm, aber unqualifizierte Bediener werden die strikten Performance-Vorgaben, die sich einerseits aus der Reihe der Normen EN 50136 ergeben, andererseits aus denen der EN 50518-2, Punkt 4, nicht einhalten können. Die Einhaltung aller Normvorgaben wird durch die in der EN 50518-3, Punkt 6, vorgeschriebene Auditierung gemäß EN 45011 oder EN 17020 gewährleistet. Das ist die Produktauditierung, die nur von akkreditierten Prüfern geleistet werden darf und über mehrere Prüfungstage jedes Jahr erfolgt.

Kernelement der Bearbeitung von Signalen ist neben den Empfangseinrichtungen gemäß der EN 50136 ein Datenbank-Management-System, das in Deutschland besser als Gefahren-Management-System geläufig ist.

All diese Vorgaben werden durch strenge Datenschutz-, Ablaufs-, Dokumentations-, Kommunikations-, Aufbewahrungs- und andere Pflichten sachgerecht ergänzt.

In Fachkreisen gilt die EN 50518 als sehr streng und rigide. Die Aufzählungen in diesem Lexikoneintrag sind ausdrücklich nicht abschliessend!

Regulierung der Intervention

Es ist zu erwarten, das die in der EN 50518 nicht geregelte Intervention im Rahmen von mit der AES vernetzten Alarmdienst- und/oder Interventionsdienst-Leitstellen erbracht werden wird. Beide Leitstellen-Varianten werden von VdS auf Antrag und nach Prüfung anerkannt. (VdS Richtlinie 2172 für Interventionsdienst-Leitstellen; VdS Richtlinie 3138 für Notruf- und Service-Leitstellen/ Alarmdienst-Leitstellen; VdS RiLi Richtlinie für Alarmempfangsstellen gemäß EN 50518)


Siehe auch



Diese Seite wurde zuletzt am 13. April 2015 um 12:20 Uhr von Thomas Lowien geändert. Basierend auf der Arbeit von Peter Hohl, Admin und Wolfgang Wüst.

Anzeigen