Adaptive Fluchtweglenkung

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Adaptive Fluchtweglenkung ist ein Konzept, das vom Fachverband Sicherheit des ZVEI formuliert wurde. Das ZVEI-Merkblatt 33013:2016-05 (Erscheinungsdatum: 02.05.2016) beschreibt das Konzept und informiert über grundsätzliche technische Möglichkeiten und Handlungsbedarfe in Technologie, Forschung, Normung und Anwendung.

Es ergänzt die Dokumente: Effektive Gebäudeevakuierung (1/2012) und die zugehörige Anlage mit technischen Details (8/2011).

Das Merkblatt zeigt, so der Vorsitzende des ZVEI-Arbeitskreises Fluchtweglenkung Dr. Sebastian Festag, wie durch eine intelligente Verknüpfung von Gefahrenerkennung, Alarmierung und Evakuierung verschiedene technische Systeme zu einer adaptiven Anlagentechnik weiterentwickelt werden, die eine Anpassung der "Fluchtweglenkung" an sich verändernde Entwicklungen der Gefahrenlage erlaubt[1].

Forderungen an ein Fluchtwegkonzept

Wesentliche Forderungen an ein Fluchtwegkonzept sind

  • das Zwei-Sinne-Prinzip (von den drei Sinnen hören - sehen - tasten sollten mindestens zwei angesprochen werden, um auch Menschen mit Behinderungen eine erfolgreiche Selbstrettung zu ermöglichen),
  • der Vorrang der Selbstrettung (die Räumung des Gebäudes soll weitestgehend abgeschlossen sein, wenn die Feuerwehr eintrifft),
  • die dynamische Orientierung an den auf dem Markt verfügbaren technischen Möglichkeiten (eine Unterlassung die vor Jahren akzeptabel war, weil es nichts Besseres gab, kann heute eine Haftung begründen).


Vorstufen

Vorstufen der Adaptiven Fluchtweglenkung sind

  • die statische Fluchtweglenkung, bestehend aus Rettungswegkennzeichen, Schilder und Symbolen oder vorproduzierten akustischen Durchsagen, die weitgehend unveränderlich sind und nicht dem Verlauf eines Schadenereignisses angepasst werden können,
  • die aktive Fluchtweglenkung, die im Alarmfall aktiviert wird, dann aber ebenfalls unveränderlich ist,
  • die dynamische Fluchtweglenkung (als Weiterentwicklung der aktiven Fluchtweglenkung), bei der zum Beispiel Rettungszeichenleuchten je nach Gefahrenart und Gefahrenort die Flucht in unterschiedliche Richtungen lenken oder auch unsichere Wege sperren können. Auch hier sind parallel verschiedene akustische Warnungen und Durchsagen über eine Sprachalarmanlage möglich.


Eigenschaften

Die Adaptive Fluchtweglenkung geht noch einen Schritt weiter. Sie kann sich auf die Entwicklung der Gefahrenlage einstellen und somit innerhalb der Evakuierung flexibel die Fluchtrichtung anpassen. Dies erfordert erweiterte technische Vorsorge. Beispielsweise meldet ein Rauchmelder unter der Decke zwar zuverlässig einen Brand. Um die Begehbarkeit von Fluchtwegen zu beurteilen, sind aber Erkenntnisse über den Rauch 2,20 m über dem Boden erforderlich. Neben den zusätzlichen Rauchmeldern können auch Kameras erforderlich sein, damit ein überfüllter Fluchtweg bei der weiteren Evakuierung möglichst umgangen wird.

AdaptiveFluchtweglenkung.jpg Quelle: ZVEI

Flexible Reaktion

Die Adaptive Fluchtweglenkung kann auch flexibel auf unterschiedliche Gefahren reagieren. Bei einer Bombendrohung beeinträchtigt das Ereignis (so lange nicht wirklich eine Bombe explodiert) nicht die Begehbarkeit der Fluchtwege. In einer Amoksituation kann statt der Flucht nach außen eher der Einschluss in einem sicheren Raum angezeigt sein. Auch bei einem Umweltalarm sollten die Menschen in der Regel im Gebäude bleiben, Türen und Fenster geschlossen halten und sich ganz sicher nicht zu einem Sammelplatz im Freien begeben.


Einzelnachweis

  1. ZVEI - Zentralverband Elektrotechnik und Elektronikindustrie e. V., Fachverband Sicherheit, Peter Krapp (Hg.): MERKBLATT 33013:2016-05 Adaptive Fluchtweglenkung. Weiterentwicklung der technischen Gebäudeevakuierung: Von der Dynamischen zur Adaptiven Fluchtweglenkung, Frankfurt 2016, (auch als PDF zum Download verfügbar)


Siehe auch



Diese Seite wurde zuletzt am 20. Dezember 2016 um 11:25 Uhr von Peter Hohl geändert.

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