ASR A2.3

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Die Verordnung über Arbeitsstätten (ArbStättV) erlegt dem Arbeitgeber die Pflicht auf, festzustellen, ob die Beschäftigten Gefährdungen beim Einrichten und Betreiben von Arbeitsstätten ausgesetzt sind oder ausgesetzt sein können. Ist dies der Fall, hat er alle möglichen Gefährdungen der Gesundheit und Sicherheit der Beschäftigten zu beurteilen. Entsprechend dem Ergebnis der Gefährdungsbeurteilung hat der Arbeitgeber Schutzmaßnahmen gemäß den Vorschriften der Arbeitsstättenverordnung einschließlich ihres Anhangs nach dem Stand der Technik, Arbeitsmedizin und Hygiene festzulegen. Sonstige gesicherte arbeitswissenschaftliche Erkenntnisse sind zu berücksichtigen.


Der Anhang, Abschnitt 2.3

Der Abschnitt 2.3 des erwähnten Anhangs schreibt vor, dass Fluchtwege und Notausgänge sich in Anzahl, Anordnung und Abmessung nach der Nutzung, der Einrichtung und den Abmessungen der Arbeitsstätte sowie nach der höchstmöglichen Anzahl der dort anwesenden Personen richten müssen. Sie müssen auf möglichst kurzem Weg ins Freie oder, falls dies nicht möglich ist, in einen gesicherten Bereich führen und "in angemessener Form und dauerhaft gekennzeichnet sein".

Sie sind mit einer Sicherheitsbeleuchtung auszurüsten, wenn das gefahrlose Verlassen der Arbeitsstätte für die Beschäftigten, insbesondere bei Ausfall der allgemeinen Beleuchtung, nicht gewährleistet ist.

Türen im Verlauf von Fluchtwegen oder Türen von Notausgängen müssen sich von innen ohne besondere Hilfsmittel jederzeit leicht öffnen lassen, solange sich Beschäftigte in der Arbeitsstätte befinden, und ebenfalls "in angemessener Form und dauerhaft gekennzeichnet sein".

Türen von Notausgängen müssen sich nach außen öffnen lassen. In Notausgängen, die ausschließlich für den Notfall konzipiert und ausschließlich im Notfall benutzt werden, sind Karussell- und Schiebetüren nicht zulässig[1]


Ausschuss für Arbeitsstätten

Bei der Ausgestaltung der Vorschriften wirkt der beim Bundesministerium für Arbeit und Soziales gebildete Ausschuss für Arbeitsstätten mit, in dem fachkundige Vertreter der Arbeitgeber, der Gewerkschaften, der Länderbehörden, der gesetzlichen Unfallversicherung und weitere fachkundige Personen, insbesondere der Wissenschaft vertreten sind. Er erstellt „Technische Regeln für Arbeitsstätten“ (ASR).


ASR A2.3

Die Arbeitsstättenregel ASR A2.3 konkretisiert die Anforderungen gemäß § 4 Abs. 4 sowie Punkt 2.3 des Anhangs der Arbeitsstättenverordnung an das Einrichten und Betreiben von Fluchtwegen und Notausgängen sowie an den Flucht- und Rettungsplan, um im Gefahrenfall das sichere Verlassen der Arbeitsstätte zu gewährleisten.


Die wichtigsten Vorschriften

Im folgenden einige beispielhafte Vorschriften. Für den vollständigen Wortlaut wird auf den Text der ASR A2.3 verwiesen.


Allgemeines

Beim Einrichten und Betreiben von Fluchtwegen und Notausgängen sind die beim Errichten von Rettungswegen zu beachtenden Anforderungen des Bauordnungsrechts der Länder zu berücksichtigen. Darüber hinaus können sich weitergehende Anforderungen an Fluchtwege und Notausgänge aus dieser Arbeitsstättenregel ergeben. Dies gilt z. B. für das Erfordernis zur Einrichtung eines zweiten Fluchtweges.

  • Fluchtwege, Notausgänge und Notausstiege müssen ständig freigehalten werden, damit sie jederzeit benutzt werden können.
  • Notausgänge und Notausstiege, die von außen verstellt werden können, sind auch von außen zu kennzeichnen und durch weitere Maßnahmen zu sichern, wie z. B. durch die Anbringung von Abstandsbügeln für Kraftfahrzeuge.
  • Aufzüge sind als Teil des Fluchtweges unzulässig.
  • Je nach Gegebeneheiten kann ein zweiter Fluchtweg erforderlich sein.
  • Fahrsteige, Fahrtreppen, Wendel- und Spindeltreppen sowie Steigleitern und Steigeisengänge sind im Verlauf eines ersten Fluchtweges nicht und im Verlauf eines zweiten Fluchtweges nur eingeschränkt zulässig.
  • Eventuelle Schrankenanlagen (z.B. in Kassenzonen oder Vereinzelungsanlagen) müssen sich schnell und sicher und ohne besondere Hilfsmittel in Fluchtrichtung öffnen lassen.
  • Fluchtwege sind deutlich erkennbarund dauerhaft zu kennzeichnen. Die Kennzeichnung ist im Verlauf des Fluchtweges an gut sichtbaren Stellen und innerhalb der Erkennungsweite anzubringen. Sie muss die Richtung des Fluchtweges anzeigen.


Anordnung, Abmessungen

  • Der Fluchtweg muss möglichst kurz sein. Die Länge darf folgende Maße nicht übersteigen:
 a) für Räume, ausgenommen Räume nach b) bis f)                         bis zu 35 m
 b) für brandgefährdete Räume mit selbsttätigen Feuerlöscheinrichtungen bis zu 35 m
 c) für brandgefährdete Räume ohne selbsttätige Feuerlöscheinrichtungen bis zu 25 m
 d) für giftstoffgefährdete Räume                                       bis zu 20 m
 e) für explosionsgefährdete Räume, ausgenommen Räume nach f)           bis zu 20 m
 f) für explosivstoffgefährdete Räume                                   bis zu 10 m
  • Die tatsächliche Laufweglänge darf jedoch nicht mehr als das 1,5fache der Fluchtweglänge betragen.
  • Die Mindestbreite der Fluchtwege bemisst sich nach der Höchstzahl der Personen, die im Bedarfsfall den Fluchtweg benutzen und ergibt sich aus nachfolgender Tabelle:
 Anzahl der Personen (Einzugsgebiet)   Lichte Breite (in m) 
 bis 5                                 0,875
 bis 20                                1,00
 bis 200                               1,20
 bis 300                               1,80
 bis 400                               2,40 
  • Die lichte Höhe über Fluchtwegen muss mindestens 2,00 m betragen. Eine Reduzierung der lichten Höhe von maximal 0,05 m an Türen kann vernachlässigt werden.


Ausführung

  • Manuell betätigte Türen in Notausgängen müssen in Fluchtrichtung aufschlagen.
  • Karussell- und Schiebetüren, die ausschließlich manuell betätigt werden, sind in Fluchtwegen unzulässig.
  • Türen im Verlauf von Fluchtwegen und Notausstiege müssen sich leicht und ohne besondere Hilfsmittel öffnen lassen, solange Personen im Gefahrenfall auf die Nutzung des entsprechenden Fluchtweges angewiesen sind.
  • Auch verschließbare Türen und Tore im Verlauf von Fluchtwegen müssen jederzeit von innen ohne besondere Hilfsmittel leicht zu öffnen sein (Türdrücker, Panikstange, Paniktreibriegel, Stoßplatte elektrische Not-Auf-Taste). Bei Stromausfall müssen elektrische Verriegelungssysteme von Türen im Verlauf von Fluchtwegen selbstständig entriegeln.
  • Am Ende eines Fluchtweges muss der Bereich im Freien bzw. der gesicherte Bereich so gestaltet und bemessen sein, dass sich kein Rückstau bilden kann.
  • Treppen im Verlauf von ersten Fluchtwegen müssen, Treppen im Verlauf von zweiten Fluchtwegen sollen über gerade Läufe verfügen.
  • Fluchtwege dürfen keine Ausgleichsstufen enthalten. Geringe Höhenunterschiede sind durch Schrägrampen mit einer maximalen Neigung von 6 % auszugleichen.


Kennzeichnung

  • Die Kennzeichnung der Fluchtwege, Notausgänge, Notausstiege und Türen im Verlauf von Fluchtwegen muss entsprechend der ASR A1.3 „Sicherheits- und Gesundheitsschutzkennzeichnung“ erfolgen.
  • Erforderlichenfalls ist ein Sicherheitsleitsystem einzurichten, wenn aufgrund der örtlichen oder betrieblichen Bedingungen eine erhöhte Gefährdung vorliegt
  • Notausgänge und Notausstiege sind, sofern diese von der Außenseite zugänglich sind, auf der Außenseite mit dem Verbotszeichen „Nichts abstellen oder lagern“ zu kennzeichnen und ggf. durch Abstandsbügel freizuhalten.


Sicherheitsbeleuchtung

Fluchtwege sind mit einer Sicherheitsbeleuchtung auszurüsten, wenn bei Ausfall der allgemeinen Beleuchtung das gefahrlose Verlassen der Arbeitsstätte nicht gewährleistet ist.


Flucht- und Rettungsplan

  • Der Arbeitgeber hat für die Bereiche in Arbeitsstätten einen Flucht- und Rettungsplan aufzustellen, in denen dies die Lage, die Ausdehnung und die Art der Benutzung der Arbeitsstätte erfordern (unübersichtlicher Flucht- und Rettungswegführung, hoher Anteil an ortsunkundigen Personen oder erhöhte Gefährdung).
  • Flucht- und Rettungspläne müssen aktuell, übersichtlich, gut lesbar und farblich unter Verwendung von Sicherheitsfarben und Sicherheitszeichen gestaltet sein. Angaben zur Gestaltung von Flucht- und Rettungsplänen siehe ASR A1.3 „Sicherheits- und Gesundheitsschutzkennzeichnung“.
  • Die Flucht- und Rettungspläne müssen graphische Darstellungen enthalten über
 den Gebäudegrundriss oder Teile davon 
 den Verlauf der Flucht- und Rettungswege 
 die Lage der Erste-Hilfe-Einrichtungen 
 die Lage der Brandschutzeinrichtungen 
 die Lage der Sammelstellen 
 den Standort des Betrachters. 
  • Regeln für das Verhalten im Brandfall und das Verhalten bei Unfällen sind eindeutig und in kurzer, prägnanter Form und in hinreichender Schriftgröße in jeden Flucht- und Rettungsplan zu integrieren. Die Inhalte der Verhaltensregeln sind den örtlichen Gegebenheiten anzupassen.
  • Die Flucht- und Rettungspläne müssen auf den jeweiligen Standort des Betrachters bezogen lagerichtig dargestellt werden. Ist am Ort des Aushangs des Flucht- und Rettungsplans eine Sicherheitsbeleuchtung nach Punkt 8 erforderlich, muss die Nutzbarkeit des Flucht- und Rettungsplans auch bei Ausfall der allgemeinen Beleuchtung gewährleistet sein (z. B. durch eine entsprechende Anordnung der Sicherheitsbeleuchtung oder durch Verwendung von nachleuchtenden Materialien).
  • Der Arbeitgeber hat die Beschäftigten über den Inhalt der Flucht- und Rettungspläne, sowie über das Verhalten im Gefahrenfall regelmäßig in verständlicher Form vorzugsweise mindestens einmal jährlich im Rahmen einer Begehung der Fluchtwege zu informieren.
  • Auf der Grundlage der Flucht- und Rettungspläne sind Räumungsübungen durchzuführen. Zur Festlegung der Häufigkeit und des Umfangs der Räumungsübungen sowie zu deren Durchführung sind erforderlichenfalls die zuständigen Behörden hinzuziehen.Anhand der Übungen soll mindestens überprüft werden, ob
 - die Alarmierung zu jeder Zeit unverzüglich ausgelöst werden kann, 
 - die Alarmierung alle Personen erreicht, die sich im Gebäude aufhalten, 
 - sich alle Personen, die sich im Gebäude aufhalten, 
   über die Bedeutung der jeweiligen Alarmierung im Klaren sind, 
 - die Fluchtwege schnell und sicher benutzt werden können. 


Ergänzende Anforderungen für Baustellen

Auf Baustellen, auf denen Beschäftigte mehrerer Arbeitgeber tätig werden, haben sich diese Arbeitgeber bei der Festlegung von Maßnahmen zur Gestaltung von Fluchtwegen abzustimmen. Die Hinweise des nach Baustellenverordnung bestellten Koordinators sind dabei zu berücksichtigen. Durch die Besonderheiten der sich ständig verändernden Arbeitsbedingungen auf einer Baustelle können sich Abweichungen ergeben, die in der ASR A2.3 in einem eigenen Unterpunkt geregelt sind


Weblinks


Einzelnachweis

  1. [www.gesetze-im-internet.de/arbst_ttv_2004/anhang_12.html Anhang zur Verordnung über Arbeitsstätten (Anforderungen an Arbeitsstätten nach § 3 Abs. 1: 2.3 Fluchtwege und Notausgänge]


Siehe auch



Diese Seite wurde zuletzt am 10. April 2014 um 12:52 Uhr von Thomas Lowien geändert. Basierend auf der Arbeit von Peter Hohl.

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