Übertragungsgeräte (ÜG)

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Übertragungsgeräte (ÜG) nehmen Meldungen aus Gefahrenmeldeanlagen auf, bereiten sie für die Übertragung über Übertragungswege vor und dienen als Schnittstelle zu diesen Übertragungswegen. Weiterhin bereiten sie die in der Alarmempfangseinrichtung gegebenen Steuerbefehle auf und leiten diese an die angeschlossene Gefahrenmeldeanlage weiter.

(Definition: VdS)

Übertragungsgeräte (ÜG) werden für die Übertragung von Meldungen eingesetzt. Neben AWAG und AWUG haben neue Übertragungstechniken zum Teil auch neue Übertragungsgeräte hervorgerufen. Man unterscheitet ÜG für bedarfsgesteuerte Verbindungen und ÜG für stehende Verbindungen.

Übertragungsgeräte für bedarfsgesteuerte Verbindungen

Übertragungsgeräte für bedarfsgesteuerte Verbindungen bauen erst im Meldungsfall eine Verbindung zur hilfeleistenden Stelle auf und übermitteln die Sprach- oder Dateninformationen passend zum ausgelösten Kriterium. Der Anschluss zum Telefon ist funktionsüberwacht und mit einer Vorrangschaltung gegen Belegtsituationen ausgerüstet. Im Bereitschaftszustand (keine Meldung) besteht keine Verbindung. Somit ist auch keine Überwachung z.B. auf Sabotage und Funktionsfähigkeit des Transportmediums möglich. Routinerufe im 24-Stunden-Takt ermöglichen einen Test der Wege.

ÜG-Telefon Sprachübertragung (AWAG)zum Anschluss an das bekannte Standard-Telefonnetz (analog) übermitteln die Meldungen im Klartext, der vorher individuell aufgesprochen wurde. Sie können sowohl an Telekom-Hauptanschlüssen als auch in privaten Nebenstellenanlagen betrieben werden. Neben der aktiven Wahl ist auch eine Fernabfrage möglich. Ebenso sind Funkrufdienste anwählbar.

ÜG-Telefon Datenübertragung (AWUG)zum Anschluss an das bekannte Standard-Telefonnetz (analog) übermitteln die Meldungen von Haupt- oder Nebenstellen in Form eines standardisierten Datentelegramms. Dieses wird an der Empfangsstelle über eine Auswerteeinrichtung automatisch angenommen, auf Plausibilität geprüft, quittiert und angezeigt. Die Anwahl von Funkrufdiensten ist möglich.

ÜG-Telefon ISDN sind zum Anschluss an den So-Bus des digitalen ISDN-Telefonnetzes geeignet. Sie übermitteln die Meldungen in Form eines Datentelegramms (Format VdS-Protokoll 2465) oder Standardtelegramms, das an der Empfangsstelle über eine Auswerteeinrichtung automatisch angenommen, auf Plausibilität geprüft, quittiert und angezeigt wird. Die Anwahl von Funkrufdiensten ist möglich.

ÜG-Telefon und D-Netz-Funktelefon bieten eine hohe Übertragungssicherheit im Bereich der bedarfsgesteuerten Verbindungen. Bei Störung oder Sabotage des (drahtgebundenen) Primärweges wird die betreffende Meldung, neben weiteren ausgelösten Kriterien, drahtlos übermittelt (Redundante Übertragungsgeräte).


Übertragungsgeräte (ÜG) für stehende Verbindungen

Übertragungsgeräte (ÜG) für stehende Verbindungen haben eine Standleitung zur hilfeleistenden Stelle, über die sie konkrete Daten zum ausgelösten Kriterium übermitteln. Das Transportmedium wird durch ein Polling in bestimmten Zeitabständen auf Sabotage und Funktionsfähigkeit überwacht. Dazu benutzt man z.B. fest geschaltete Kabelwege der Telekom oder virtuelle Datenverbindungen im ISDN-D-Kanal bzw. X.25-Netz (Datex-P / X.25 / X.31) oder auch im IP-Netz.

ÜG-Datennetz X.25 benutzen für die Gefahrenmeldung den im Bereich der Telekom unter dem Vertriebsnamen "Datex-P" bekannten Weg der paketorientierten Datenübertragung zwischen Unternehmen und ihrem Filialnetz. Je nach der vom Betreiber zur Verfügung gestellten Schnittstelle werden die Daten im X.3-Format oder bei eingebautem PAD im X.25-Format übergeben. Die Übertragung erfolgt entsprechend dem VdS-Protokoll 2465.

Die Nutzung des X.25-Datennetzes wird vermehrt zu Gunsten der IP-Netze abgelöst.

ÜG-ISDN-D-Kanal verwenden für die Gefahrenmeldung das universelle Datenübertragungsnetz der Telekom. Dabei wird im Datenkanal des ISDN eine Verbindung via X.25 zur Empfangsstelle aufgebaut und aufrecht erhalten. Ein Polling gewährleistet die Funktions- und Sabotageüberwachung. Die Übertragung erfolgt entsprechend dem VdS-Protokoll 2465.

ÜG-TCP/IP Internet/Intranet sind in der Lage, Meldungen zu Empfangseinrichtungen von lnternet-Leitstellen zu übermitteln. Dieser Weg bedarf der gewissenhaften Planung, um eine sichere Übertragung (bedarfsgesteuerte, abfragende oder stehende Verbindung) zu gewährleisten. Grundsätzlich werden zwei Anwendungen unter Berücksichtigung des VdS-Protokolls 2465 genutzt:

Intranet

Unternehmensweites Informations- und Kommunikationsnetz auf der Basis der Internettechnologie. Definition: Durch den Netzbetreiber ist sichergestellt, dass kein unerlaubter Zugang über Fremdnetze zum Übertragungsnetz möglich ist.

Internet

Weltweites öffentliches Informations- und Kommunikationsnetz. Definition: Ein öffentliches Netz, wobei durch geeignete Maßnahmen sichergestellt werden muss, dass eine Manipulation von Informationen verhindert wird (z.B. Verschlüsselung). Die Verschlüsselungsbasis muss in einem gesicherten Verfahren regelmäßig erneuert werden. Durch ein permanentes Datenaustauschverfahren wird sicher gestellt, dass Netzausfall- und -störungszeiten > 20 Sekunden in der Leitstelle zur Anzeige gebracht werden. So wird die geforderte Übertragungsqualität einer "virtuellen Standleitung" erreicht. Zusätzlich stehen redundante bedarfsgesteuerte Übertragungswege zur Verfügung, wie: ISDN, GSM, SMS. Für die redundanten Übertragungswege ist sicher zu stellen, dass unmittelbar mit Rückkehr des Primär-IP-Weges die Redundanzprozedur eingestellt wird. Besonders in der IP-Übertragungswelt ist es sehr wichtig, dass die professionelle Leitstelle alle Daten- und Sabotagesicherheitsregeln genau verfolgt und die erforderlichen Schutzmassnahmen einrichtet (Firewall, Verschlüsselung, Redundanzkonzepte, ....).

alarmnet

Sondersituation in der Schweiz

Übertragungsgeräte bzw. Teilnehmerendgeräte (TEG) für das alarmnet der TUS in der Schweiz werden nach der Übertragungs-Technologie unterschieden. Verfügbare Technologien sind TCP/IP, GSM, ISDN (digital) und PSTN (analog). Neuerdings werden jedoch fast ausschliesslich Geräte mit TCP/IP und GPRS Übermittlung eingesetzt.


TCP/IP

Diese noch junge Gerätegeneration, bestehend aus ipLink 2 isdn und ipLink 2 gsm, steht für höchste Sicherheitsansprüche und ergonomische Bedienung. Das ipLink 2 isdn nutzt primär die IP- und sekundär die ISDN- bzw. beim ipLink 2 gsm die GSM-Übertragung. Die Geräte qualifizieren sich durch die Redundanz sowie die Fähigkeit für die permanente Verbindungsüberwachung für höchste Sicherheitsansprüche. Sie sind ausgelegt für die sichere Alarmübertragung über öffentliche und private IP-Netze an Polizei, Feuerwehr und private Empfangsstellen, die über einen alarmnet-Anschluss verfügen. Neben der automatischen Verbindungskontrolle (23h ctrl. call) bieten die Geräte SMS-Übermittlung an mehrere beliebige Anschlüsse, dynamische Speicherverwaltung, umfassende Selbstkontrolle und -überwachung sowie die einfache Inbetriebnahme und Fernwartung per PC. Sie sind wahlweise mit 8 oder 15 überwachten Meldungseingängen erhältlich und besitzen 2 Störungsausgänge sowie eine Blockade- und Sabotage-Freischaltung.


GSM

Das gsmLink 2 isdn verwendet primär die GSM- und sekundär die ISDN-Übertragung. Entsprechend dem Einsatz des Gerätes kann die sekundäre ISDN-Übertragung auch deaktiviert werden. Das Gerät dient zur Alarmübertragung an Polizei, Feuerwehr und an private Empfangsstellen mit alarmnet-Anschluss. Neben der automatischen Verbindungskontrolle (23h ctrl. call) kann die Signalisierung von Alarmen und Störungen auch über SMS erfolgen. Die weiteren technischen Spezifikationen entsprechen der Beschreibung unter ipLink 2.


ISDN

Das ConnecTUS I ist ein preiswertes Übermittlungsgerät, welches vorwiegend für die Alarmübermittlung an private Alarmempfangszentralen und Wachgesellschaften eingesetzt wird.

Neben der automatischen Verbindungskontrolle (23h ctrl. call) bietet das ConnecTUS I SMS-Übermittlung an jeden beliebigen Anschluss, eine dynamische Speicherverwaltung sowie die einfache Inbetriebnahme und Fernwartung per PC. Das ConnecTUS I wird direkt am S-BUS (DSS1 Protokoll) angeschlossen und verfügt über 8 Alarmeingänge ohne Überwachung, 1 Störungsausgang sowie eine Blockade- und Sabotage-Freischaltung.

Das I-AWG P4 dient zur Alarmübermittlung an alarmnet-Leitstellen wie Polizei und Feuerwehr sowie an private Alarmempfangszentralen und Wachgesellschaften. Neben der automatischen Verbindungskontrolle (23h ctrl. call) bietet das I-AWG P4 Sprach-, SMS- und Pager-Übermittlung an jeden beliebigen Anschluss, eine dynamische Speicherverwaltung sowie die einfache Inbetriebnahme und Fernwartung per PC. Weiter sind Steuerbefehle ab jedem beliebigen Anschluss über ein DTMF-Signal auslösbar.

Das I-AWG P4 wird direkt am S-BUS (DSS1 Protokoll) angeschlossen und verfügt über 8 Meldungseingänge ohne Überwachung, 2 Befehlsausgänge 1 Störungsausgang sowie eine Blockade- und Sabotage-Freischaltung. Die neu eingeführten Teilnehmerendgeräte (TEG) isdnLink 2 dienen zur bedarfsgesteuerten Übermittlung von Gefahren- und Störmeldungen im ISDN B-Kanal an alarmnet-Leitstellen wie Polizei und Feuerwehr sowie an private Alarmempfangszentralen und Wachgesellschaften mit alarmnet-Anschluss. Das Gerät ist vor ISDN TK-Anlagen mit PTP (Point to Point) oder PTM (Point to Multipoint) einschleifbar. Die weiteren technischen Spezifikationen entsprechen der Beschreibung unter ipLink 2.


PSTN

Für die analoge Übertragung stehen die Geräte AWG P4 sowie ConnecTUS A zur Verfügung. Die Funktionen dieser Geräte sind identisch mit den unter ISDN beschriebenen Geräten ConnecTUS I und I-AWG P4.


Übertragung zur Feuerwehr

Sofern Übertragungseinrichtungen (ÜE) Alarme einer Brandmeldeanlage (BMA) direkt zur Feuerwehr übertragen, sind sie Bestandtteil einer Alarmübertragungsanlage (AÜA), deren Bau und Betrieb prinzipiell einer Konzession der Kommune bedarf und den Technischen Aufschaltbedingungen (TAB) der jeweiligen Feuerwehr entsprechen muss. Nach einem Beschluss des Bundeskartellamtes vom 24. Mai 2013 (Az. B7-30/07-1) darf Bau und Wartung dieses Teils der Anlage jedoch nicht als Monopol an den Konzessionär vergeben werden, sondern muss für den Wettbewerb zugänglich sein. Bedingung ist, dass der Errichter über eine DIN 14675 Zertifizierung verfügt und alle einschlägigen Normen und Protokolle (DIN 14675, DIN EN 50136, DIN EN 50518, VdS-Protokoll 2465, Richtlinie EN54-21:2006, CE-Konformitätszertifikat) einhält.


Siehe übergeordnete Stichworte


Weblinks


Siehe auch




Diese Seite wurde zuletzt am 3. Dezember 2013 um 12:44 Uhr von Peter Hohl geändert. Basierend auf der Arbeit von Oliver Wege, Daniel von Bergen, Admin, Helmut Köhler und Ulrich Urfer.

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